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Im Fokus: Die Ziegen, die durch den Mittenwalder Obermarkt getrieben werden, sind begehrte Film- und Foto-Motive der unzähligen Schaulustigen im prall gefüllten Ortszentrum.

Gelebtes und geliebtes Brauchtum

Fotos im Akkord: Ziegen erobern Mittenwald

Mittenwald - 225 Goaß’n waren auf der Alm. Zwei kamen nicht mehr ins Tal – Opfer von Blitzschlag und Hagel. Der Ziegenzüchter-Chef zieht dennoch eine positive Bilanz.

Was bringt einen Menschen dazu, mehr als 1000 Kilometer weit nach Mittenwald für nur eine einzige Veranstaltung zu reisen? Für den Engländer Steven ist es der Ziegenabtrieb, der ihn seit fast 20 Jahren in den Geigenbauort zieht. „Für mich der Höhepunkt des Jahres“, erzählt der Brite amüsiert.

In fast originaler Isartaler Montur marschiert er seit fast zwei Jahrzehnten mit den Goaßerern mit – über den Lautersee durchs Gries und Obermarkt bis hin zum Dekan-Karl-Platz. Am Samstag rückten diese mit 22 jungen Burschen aus, welche die 225 starke Ziegen-Herde hüteten. „Uns freut es sehr, das Steven jedes Jahr aufs Neue kommt und so eine Freude bei dieser traditionellen Sache hat“, meint Christian Neuner („Hackl“), seit vielen Jahren Vorsitzender der Mittenwalder Ziegenzüchter.

Für zwei Ziegen jedoch kam diesmal jede Hilfe zu spät. „Einmal war es ein Blitzschlag und einmal, vermuten wir, ein Hagelwetter“, erläutert Neuner. Sicher kann man so etwas im Nachhinein nicht mehr sagen. „Doch von 225 Ziegen nur zwei zu verlieren, ist ein sehr guter Durchschnitt.“ Denn schließlich hat es schon Almsommer gegeben, in dem wöchentlich drei bis vier Ziegen durch Krankheit oder Unfall dahin gerafft wurden. So darf Neuner einen positiven Schlussstrich unter die Sommerweide 2016 ziehen.

Auch heuer hatte man die Goaß’n am 20. Mai nach Elmau getrieben. Von dort aus trieb man die Herde auf das Bundeswehr-Gelände, ehe es Wochen später zum Hirzeneck und im Anschluss zur Scheibenalm oberhalb des Ferchensees bei Mittenwald ging. Dort konnten die blökenden Vierbeiner nach Lust und Laune grasen. „22 junge Burschen wechselten sich wöchentlich mit dem Hirten an der Scheibenalm ab“, berichtet der Hackl-Christian.

Das Alter reichte heuer von neun bis 25 Jahren. Die beiden Jüngsten durften mit ihren neun Jahren sogar beim Abtrieb am Samstag mitmarschieren.

Bilder: Ziegenabtrieb 2016 in Mittenwald

Mehr als 2000 Zuschauer verfolgten das Spektakel am Samstag. Bei Kaiserwetter wurde am Dekan-Karl-Platz musiziert, gegessen und getrunken, was das Zeug hielt. Um 14 Uhr kürte eine fachkundige Jury schließlich die schönsten Ziegen. Ausschlaggebend waren Körpermasse, Farbzeichnung und Gesamterscheinung des Tieres. „Im Winter wird es dann die große Preisverleihung geben“, verrät Neuner bereits jetzt voll Vorfreude.

Josef Hornsteiner

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