Her mit dem Geld: Wer Notdienste in Anspruch nimmt, sollte sich zuvor über die Kosten aufklären lassen. F: fotolia

Abzocke: Satte 324 Euro fürs Türaufsperren

Murnau - Denecia Huriceanu ist fix und fertig. Satte 324,27 Euro hat eine Firma fürs Öffnen ihrer Türe verlangt, für einige Minuten Arbeit, mit Anfahrt, angeblich aus Garmisch-Partenkirchen. Das ist die Hälfte ihres Monatsgehalts. Bei Michael Zwerger, dem Schlosser vor Ort, hätte dies 25 Euro gekostet. Vor Abzocke sei gewarnt.

Niemand weiß so recht, woher dieser Mann kam. Angeblich aus Garmisch-Partenkirchen, gerufen über eine 0800er-Nummer einer Vermittlungsfirma aus dem Internet. Auf der Rechnung keinegenauen Angaben über die Firma, außer einem allgemeinen Geschäftsnamen in Berlin, den es aber nach Recherchen vermutlich gar nicht gibt. Die 324,27 Euro, die dieser Mann fürs Öffnen der Tür von Denecia Huriceanu in der Murnauer Seidlstraße verlangte, sind unwiederbringlich weg.

Was war passiert? Es war Dienstagabend gegen 19.30 Uhr, als die Wohnungstür von Denecia Huriceanu von außen zufiel, der Schlüssel drinnen, der Hund auch. In ihrer Verzweiflung rief die junge Rumänien, die ihren knapp zweijährigen, müden Sohn dabei hatte, ihren Vermieter an und schilderte ihm die Situation. Georg Königbauer beruhigte sie und versuchte, sich mit dem ortsansässigen Schlüsseldienst von Michael Zwerger in Verbindung zu setzen, erwischte diesen aber nicht. Daraufhin probierte Königbauer sein Glück im Internet. Er gab „Schlüsseldienst Murnau“ ein, eine Seite erschien, mit einer 0800er-Telefonnummer und verlockenden Angeboten wie „Tür öffnen ab 12 Euro“. Königbauer gab Huriceanu die Nummer, ohne zuvor nach den Kosten gefragt zu haben. Huriceanu ließ einen Mitarbeiter dieser Firma kommen. Nach zirka 20 Minuten erschien der Arbeiter bei der Frau und erklärte dieser, wie viel sein Dienst kosten würde. Türöffnungspauschale 149 Euro, das ganze mal 1,5, weil der Einsatz nach 18 Uhr erfolgte, also 223,50 Euro, dazu eine Einsatzpauschale von 49 Euro und dann 19 Prozent Mehrwertsteuer. Insgesamt sollten also 324,27 Euro fällig sein.

Stutzig geworden informierte Huriceanu ihren Vermieter erneut. „Ich habe ihr gesagt, sie soll ihn wegschicken und dass ich mich um einen anderen Schlüsseldienst kümmere“, erklärt Königbauer. „Während ich nach weiteren Kontakten suchte, hat meine Mieterin ihn doch die Türe öffnen lassen und die 324 Euro bezahlt.“

Wie er später von seiner Mieterin berichtet bekam, hatte sich der Mann nicht abwimmeln lassen und zumindest auf die 150 Euro Anfahrtspauschale, angeblich aus Garmisch-Partenkirchen, bestanden. „Sie ist eine junge Frau, eine zierliche Person, vermutlich hat er sie eingeschüchtert“, meint Königbauer. „Und er war sehr arrogant“, ergänzt Huriceanu. Das Türöffnen dauerte nur wenige Minuten. „Ich finde das krank. Das steht in keinem Verhältnis zur geleisteten Arbeit. Mir selbst ist das vor einigen Jahren in München passiert, damals habe ich 85 Euro bezahlt und habe ich mich schon geärgert“, schimpft Königbauer. Er rief nach diesem Vorfall noch einmal unter der Nummer an. Auf die Frage, wie solch hohe Kosten zustande kommen könnten, erhielt er von der Frau am anderen Ende der Leitung keine Antwort.

Für Michael Zwerger von der Schlosserei Zwerger in Murnau ist der Fall klar. „Da muss man immer vorher fragen, wie viel das kostet.“ Bei ihm würde ein normales Wohnungstüröffnen in Murnau um die 25 bis 30 Euro kosten. Wenn er in eins der umliegenden Dörfer gerufen wird, oder bei einem Notruf am Abend oder an Feiertagen, dann könnten es je nach Anfahrtsstrecke auch mal 40 oder 50 Euro werden. Aber über 70 Euro würde es niemals ausmachen, selbst wenn er nach Garmisch-Partenkirchen fahren müsste. Bei ihm hätten sich solcherlei Geschädigte auch schon ausgelassen. Zwerger ist da aber pragmatisch: „Ab dem Zeitpunkt, wo gezahlt worden ist, ist nichts mehr möglich.“

Auch Anton Rager von der örtlichen Polizeiinspektion scheint der Preis zu hoch zu sein. „Das grenzt ja an Wucher. Ich befürchte aber, dass das eine zivilrechtliche Angelegenheit ist und ein Anwalt eingeschaltet werden müsste.“ Von der 0800er-Nummer war keine Auskunft zu erhalten. Der Hörer wurde bei Anfrage des Tagblatts aufgelegt.

Diese Vermittlerfirmen mit 0800er-Nummer automatisch als Schwarze Schafe abzutun, ist aber schwierig, sagt Ilona von Behren von der Verbraucherzentrale Bayern. Immer wieder gingen Beschwerden dieser Art ein. „Diese Firmen argumentieren aber damit, dass sie die Handwerker für den Notdienst nur vermitteln und diese den Preis vor Ort gestalten. Das Problem ist, dass es hier keine verbindlichen Vorgaben gibt. Die verlangten Preise werden von Gerichten recht unterschiedlich bewertet.“ Die Juristin rät: Man sollte sich gar nicht erst an solche Dienste wenden, sondern sich einen Schlosser vor Ort suchen. (sp)

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