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Kann Leben retten: Ein ADAC-Hubschrauber – baugleich mit Christoph Murnau – bei einem Windentraining.

Aus Versehen

Rettungshubschrauber: Besucher sprengt Winde ab

Murnau - Der Vorfall dürfte einmalig sein: Bei einem Besuch im Hangar des ADAC-Rettungshubschraubers Christoph Murnau hat ein Feuerwehrmitglied aus Versehen die Seilwinde vom Helikopter gesprengt.

Nein, bei der Geschichte handelt es sich nicht um eine Szene aus einem Actionfilm, und sie spielte sich auch nicht in Hollywood oder Babelsberg ab, sondern im Hangar des ADAC-Intensivtransporthubschraubers Murnau an der Unfallklinik. Der Zwischenfall liegt bereits etwas zurück, zieht aber bis heute einen Rattenschwanz und Konsequenzen nach sich. Ein erfahrener Murnauer Feuerwehrmann übernahm völlig unfreiwillig die tragende Rolle in dieser Episode, an deren Ende ein Windenhubschrauber ohne Winde stand.

Was war passiert? Zunächst etwas wenig Aufregendes, das längst Tradition besitzt: Mit rund zwei Dutzend Kameraden hatte der Ehrenamtliche in der Hubschrauber-Halle von ADAC-Crewmitgliedern nach Dienstschluss eine Einweisung in die Maschine erhalten – wertvolle Informationen rund um den Heli, die etwa bei einem gemeinsamen Einsatz mit den Luftrettern Gold wert sein können. Die Besucher bekamen dabei auch das Innere erklärt. Irgendwann soll der verdiente Wehrmann versehentlich – möglicherweise mit einem Kleidungsstück – an ein Bedienelement geraten sein, das der Crew Zugriff auf die Winde gewährt, die Christoph Murnau zum Beispiel die Rettung Verunglückter aus schwierigem Gebirgsterrain ermöglicht. Dabei, berichten Insider, öffnete der Mann wohl, ohne es zu merken, eine Sicherheitskappe, die sehr folgenschwere Funktionsausstattungen extra schützt – und berührte in irgendeiner Weise offenbar auch noch den darunter liegenden Knopf. Die Folge: Mit einem „Puff“-Geräusch wurde die massive Metallwinde zum allgemeinen Erstaunen vom Hubschrauber gesprengt. Der Ehrenamtliche hatte, ohne es zu wollen, den Notabwurf der Rettungswinde ausgelöst. Dieser dient im Einsatz als letztes Mittel, wenn die Maschine abzustürzen droht, weil sich das Seil etwa im Gebirge oder in Bäumen verhakt hat beziehungsweise wenn ein Retter, der am Seil hängt, sich gerade am Felsen sichert und die Maschine, die dadurch für kurze Zeit „gefesselt“ ist, in gravierende Schwierigkeiten gerät. 

ADAC und Feuerwehr Murnau bestätigen den Vorfall auf Tagblatt-Anfrage. „Er tut mir auch wirklich sehr leid“, betont Wehr-Kommandant Florian Krammer. Er setzt sich dafür ein, dass die für die Wehr zuständige Haftpflichtversicherung den kompletten Schaden trägt. Unbestätigten Angaben zufolge stand eine geschätzte Summe von 10 000 Euro im Raum. „Ich möchte auf keinen Fall, dass der ADAC auf Kosten sitzen bleibt, nachdem er uns gutmütigerweise den Hubschrauber erklärt hat“, stellt Krammer klar. „Wir haben ein gutes Verhältnis, und das soll auch so bleiben.“ Aktuell wolle die Versicherung nur 50 Prozent der Kosten übernehmen.

Das Versehen zog weite Kreise, nicht nur finanziell. Noch am gleichen Abend rückten Spezialisten der ADAC-Luftfahrt-Technik an und wechselten die gekappte Winde aus. Durch einen glücklichen Umstand lag eine neue bereit. „Dieser Tausch“, sagt Rudolf Vogler, Pressesprecher des ADAC Südbayern, „sollte ohnehin eine Woche später stattfinden und wurde nun vorgezogen, damit die Maschine am Folgetag wieder regulär in den Rettungsdienst gehen konnte.“ Zuvor musste Christoph Murnau einen Praxistest absolvieren. Die Winde wurde auf dem Ohlstädter Fluggelände mit einem Gewicht beschwert, komplett ausgefahren und in allen Funktionen geprüft. „Der Hubschrauber ist regulär wieder in den Rettungsdienst gegangen“, sagt Vogler.

Damit war die Sache nicht erledigt. Eine abgesprengte Winde sei „schwerwiegend“, erklärt der Pressesprecher – und sie muss intern an die Zentrale Luftrettung des ADAC in München gemeldet werden. Fachleute bewerten das Ereignis dann und eruieren, ob es Handlungsbedarf gibt. Das war der Fall: Künftig betreut bei Besuchen in ADAC-Hubschraubern, in dem sich auch wichtige medizinische Geräte befinden, jeweils ein Crewmitglied einen Gast, „damit solche Dinge nicht mehr passieren“, sagt Vogler, der weiß, wie schnell ein Laie im Cockpit an einen der vielen Knöpfe und Schalter geraten kann. „Es soll und darf nicht sein, dass der Hubschrauber wegen eines solchen Vorfalls nicht einsatzfähig ist.“ An den Info-Besuchen anderer Retter im Heli rüttelt der ADAC nicht. „Das ist eine ganz wichtige Geschichte, die im Einsatz allen Beteiligten hilft.“

Auch das System des Winden-Notabwurfs hält ein Insider für bewährt, wichtig und richtig. Die Vorstellung, ein Crew-Profi könnte das Seil – eventuell mit einem Retter am Ende – in großer Höhe aus Versehen kappen, gilt ihm als abwegig. Vogler, seit zwölf Jahren beim ADAC, kam in dieser Zeit kein anderer Fall einer bewussten oder versehentlichen Windenabsprengung zu Ohren. Gerüchten zufolge soll es wegen des Vorfalls Irritationen, etwa beim medizinischen Personal, gegeben haben, als klar wurde, wie leicht die Winde beseitigt werden kann. Überraschte Retter gelten in internen Kreisen indes als unrealistisch – das Thema werde beim Windentraining deutlich und auch sonst kommuniziert, heißt es.

Wie das betroffene Klinik-Personal die Sache wirklich sieht, bleibt offen. Der Leitende UKM-Hubschrauberarzt Dr. Thomas van Bömmel befindet sich in Urlaub und war zuletzt nicht zu erreichen.

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