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Tabula rasa: Mehrere Bäume wurden auf diesem Hanggrundstück gefällt – ohne Absprache und Genehmigung.

Kahlschlag statt Pflege: Rodung war nicht abgesprochen

Baumfrevel auf Gemeindegrund

Murnau - Wenn Bäume gefällt werden, dann hagelt es häufig Kritik – vor allem dann, wenn eine Rodung weder abgesprochen noch erlaubt war. Zu solch einem Vorfall ist es im Ortsteil Hechendorf gekommen.

Ein Landwirt schoss offenbar bereits vor einigen Monaten bei der Pflege einer angepachteten Wiese, die an der Hechendorfer Straße liegt und der Marktgemeinde gehört, über das Ziel hinaus – und machte Tabula rasa. Er schnitt laut Rathaus-Verwaltung – je nach Definition, ab welcher Größe es sich um einen Baum handelt – fünf bis sieben ab. Die Folge: Er wurde zu einer Nachpflanzung verdonnert.

Die Sache brachte Freie-Wähler-Chef Welf Probst in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats zur Sprache. „Das ist komisch gelaufen“, berichtet er auf Tagblatt-Nachfrage. Normalerweise werde bei einer geplanten Fällung ein Baum genau unter die Lupe genommen und dann beratschlagt, ob der Griff zur Motorsäge unbedingt nötig ist. Dies kann beispielsweise dann erforderlich sein, wenn die Verkehrssicherheit gefährdet ist oder gestalterische Gründe eine Rolle spielen.

Doch diesmal wurde laut Probst das gesamte Prozedere nicht eingehalten. Der Volksvertreter ist der Baumreferent des Gemeinderats und wird stets als Fachmann hinzugezogen. Doch in diesem Fall war er nicht informiert – konnte nur noch die Stümpfe der abgeschnittenen Bäume begutachten. Er zählte sieben – von Erlen, Eichen und einem Kirschbaum. Ob der Kahlschlag berechtigt war, könne er jetzt im Nachgang nicht mehr beurteilen, meint Probst. Ihm sei nur bekannt, dass sich ein Anwohner schon seit längerer Zeit um eine bessere Aussicht bemühe. Näher wollte er darauf nicht eingehen.

Die Anweisung falsch interpretiert

Nach Angaben der Verwaltung war der besagte Landwirt von der Gemeinde aufgefordert worden, das Grundstück zu pflegen, den Wildwuchs samt Springkraut zu beseitigen. Dies habe er falsch interpretiert und die Bäume gleich mitabgeholzt, heißt es. Gemeinde-Mitarbeiter Peter Hausner, der sich in der Kämmerei um die Verwaltung der Liegenschaften kümmert, spricht von einem „Versehen des Pächters“. Das Ganze sei einfach unglücklich gelaufen. Hausner: „Er hat’s übertrieben. Wir haben auch erst im Nachhinein davon erfahren.“ Laut Pachtvertrag seien solche Fällungen nicht zulässig. Der Kommune sei dadurch ein Schaden entstanden, der mit der genannten Pflanzung von Jungbäumen wieder ausgeglichen werde.

Dr. Rudolf Nützel, Vorsitzender der Ortsgruppe Murnau und Umgebung des Bund Naturschutz, hat zwar von der missglückten Pflegeaktion ebenfalls nichts mitbekommen. Der Vorfall zeige aber, wie wichtig eine Baumschutzverordnung für Murnau wäre, argumentiert der Forstwirt. Seine Organisation fordere solch ein Regelwerk, nach dem der Baumbestand ab einer gewissen Größenordnung nicht einfach entfernt werden darf, schon seit Längerem. „Wir wollen wieder einen Anlauf unternehmen und einen Antrag an die Gemeinde stellen“, kündigt Nützel an. Gerade die großen Bäume mit ihren Höhlen seien enorm wichtig für den Artenschutz. „Das ist der Wohnraum für die Tierwelt“, erklärt der Experte – etwa für Spechte, Fledermäuse und Hornissen. Angst, dass vor dem Inkrafttreten einer Baumschutzverordnung viele Grundstücksbesitzer noch schnell abholzen, hat Nützel nicht. Erfahrungsgemäß hätten die Menschen einen emotionalen Bezug zu ihren Bäumen. Gefällt werde meist erst dann, wenn ein Generationenwechsel oder der Verkauf einer Immobilie anstehe.

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