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Willkommen im Blauen Land: An der Wahl des Sichtschutz-Farbtons am Rathaus (l.) scheiden sich die Geister. Manchem gefällt diese Optik ganz und gar nicht.

Fußgängerzone

Blaues Murnau: Bauzaun-Optik in der Kritik

Murnau - Noch sieht niemand wirklich rot – doch der tiefblaue Sichtschutz an der Rathaus-Baustelle inmitten des schmucken Murnauer Markts sorgt für Diskussionen. Der Ortsverband der Jungen Union kritisiert die „etwas unglückliche“ Lösung, fordert eine passende Umgestaltung. Die Gemeindeverwaltung zeigt sich offen für Ideen.

Ein langgezogener, auffallender Sichtschutz in Blau schirmt die Baustelle am denkmalgeschützten Murnauer Rathaus ab. Passt das? 

Nein, meinen Vertreter des Ortsverbands der Jungen Union (JU). Die Nachwuchsorganisation der CSU fordert, die aktuelle Gestaltung der Baustelle zu überdenken und so zu verändern, dass diese „dem Erbe des Blauen Reiters und Persönlichkeiten wie Emanuel von Seidl gerecht wird“.

Der berühmte Architekt Seidl hatte diverse Häuserfassaden in der Marktstraße entworfen, die als Juwel gilt. „Inmitten stilvoll gestalteter Gebäude und liebevoll eingerichteter Geschäfte dominiert nun für mehrere Monate ein greller Bauzaun das Ortsbild und zieht alle Blicke auf sich“, kritisiert JU-Vorstandsmitglied Simon Silvester Ofenstein. Dieser erfülle zwar seinen ursprünglich angedachten Zweck eines Sichtschutzes, „jedoch passt die Ausführung nicht in das Profil einer auf Kunst und Kultur bedachten Gemeinde“. Er verweist auf die steigende Beliebtheit Murnaus seit der „umfassenden Neugestaltung der Marktstraße vor rund 16 Jahren“. Der Ort sei „weit über die Landesgrenzen als Perle im Oberland ein beliebtes Ausflugs- und Touristenziel. Diesen Trend gilt es nun fortzusetzen und Murnaus guter Stube wieder zum Glanz zu verhelfen“.

Gerade jetzt, zur Hauptsaison, findet Ofenstein den tiefblauen Bauzaun „etwas unglücklich“ – und meint: Schon ein anderer Farbton – beige oder jener der Rathausfassade – könnte weiterhelfen. Schöner noch fände er, wenn etwa Gemälde des Blauen Reiter, die Ortskulisse oder das Rathaus selbst abgebildet wären. Vielleicht könnten auch hiesige Fotografen Ortsansichten liefern, schlägt Ofenstein vor. Die JU will in dieser Sache nicht nur kritisieren, sondern bietet an, sich mit Ideen in die Diskussion einzubringen.

Diese erreichte ganz aktuell auch das Rathaus. Beim Treffen der Referatsleiter am Montag kam das Thema zur Sprache, nachdem ein Murnauer der Verwaltung den Vorschlag unterbreitet hatte, die Fotografie einer grünen Hecke auf der Fläche abzubilden. „Eine gute Idee und nicht abwegig“, findet Marktbaumeister Klaus Tworek im Grundsatz. Er zeigt sich aufgeschlossen gegenüber solchen Vorstößen, geht das ganze Thema allerdings eher pragmatisch an: Für ihn zählt, dass der Sichtschutz funktional die Baustelle abschirmt, er richtet den Fokus weniger auf eine qualität- sowie stilvolle Optik. Es handle sich um eine vorübergehende Aktion – wohl bis Mitte 2018 –, betont Tworek, „und die Gestaltung ist in erster Linie eine Kostenfrage“. Es gebe hier ganz wunderbare Lösungen und Folienbedruckungen, die aber ins Geld gingen. Und er, das räumt Tworek offen ein, präsentiert sich in dieser Frage als „kleiner Sparfuchs“, würde die öffentlichen Mittel also lieber nicht für diesen Zweck ausgeben. Doch der Marktbaumeister beharrt nicht auf diesem Standpunkt und will sich auch „jeder Diskussion“ stellen – darüber, ob der blaue Farbton, der an schönen Tagen zumindest mit dem Himmel korrespondiere, nun ideal sei. „Und wenn die Öffentlichkeit der festen Überzeugung ist, dass wir an dieser Stelle mehr investieren sollten, sind wir die Letzten, die sich dagegen stellen“, sagt Tworek.

Der gewählte Farbton – offenbar reiner Zufall. Die Wahl traf nach Tworeks Angaben die beauftragte Firma. Sie kam damit der Vorgabe nach, die Baustelle blickdicht zu verschließen. Die Wirkung verstärkt ein weiterer blaufarbener Sichtschutz, der sich aktuell vor einem Geschäft gegenüber dem Rathaus findet, in dem ebenfalls umgebaut wird. Damit nicht genug: Auch in einer Bank in diesem Bereich sind Arbeiten geplant. In absehbarer Zeit wird, nur einen Steinwurf entfernt, wohl ein weiterer Bauzaun stehen. Blaues Land – buntes Murnau.

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