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Gratulation für Enrico Corongiu (2. v. r.) zur Wahl zum SPD-Bundestagskandidaten: (v.l.) Ewald Schurer, Dominik Hey und Dr. Sigrid Meierhofer.

Seit 35 Jahren kein SPD-Abgeordneter aus Wahlkreis mehr 

Bundestagswahl: Corongiu setzt sich gegen Burger durch

Murnau - Dem Gewinner zittern die Knie: Enrico Corongiu setzt sich bei der Aufstellungskonferenz  gegen Felix Burger durch und kämpft für die SPD um den Einzug in den Bundestag. 

Enrico Corongiu (38) aus Mittenwald ist Kandidat der SPD für den Bundeswahlkreis 226. Bei der Aufstellungskonferenz am Samstag im Saal des Gasthofs Griesbräu setzte er sich mit 29 zu 19 Stimmen der Delegierten aus den Unterbezirken Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau gegen Felix Burger (27) aus Murnau durch. „Mir zittern jetzt die Knie mehr als vorher“, gestand Corongiu nach seiner Wahl, die der oberbayerische SPD-Vorsitzende Ewald Schurer geleitet hatte. Und Burger bemerkte gegenüber dem Tagblatt mit einem Seufzer: „Wer weiß, ob ich mir das alles in vier Jahren noch mal antue.“

Bei seinem Kampf um einen Sitz im Bundestag wird es Corongiu nicht leicht haben, wie die Vorsitzende des SPD-Unterbezirks Garmisch-Partenkirchen, Dr. Sigrid Meierhofer, in ihrer Ansprache hervorhob: „Das ist eine schwierige Aufgabe, für die es Geduld und Empathie braucht, die Bereitschaft, Kümmerer zu sein, und ganz sicher in unseren Breiten eine ausgeprägte Frustrationstoleranz.“ Seit nunmehr 35 Jahren sei kein SPD-Abgeordneter aus dem Wahlkreis 226 – er wird beherrscht von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, der viermal für die CSU das Direktmandat eroberte – mehr im Bundestag vertreten, bemängelte Meierhofer, die als Rathauschefin von Garmisch-Partenkirchen eine von zwei SPD-Bürgermeistern im Landkreis ist: „Ich finde, dass das jetzt reicht.“ Die Konferenz auf den Punkt brachte Dominik Hey, Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Weilheim-Schongau: „Ab heute heißt es: Auf geht’s nach Berlin!“

Corongius Berufswunsch als Kind: Bundeskanzler

Ausführlich legten die beiden Kandidaten ihre jeweiligen Vorstellungen für einen Bundestagswahlkampf offen, wobei sie sich inhaltlich nur in Nuancen unterschieden. Während Burger ein breites Spektrum an regionalen und überregionalen Themen ansprach, konzentrierte sich sein Kontrahent überwiegend auf das Gesundheitswesen, die Wohnungsnot und das Rentensystem. Dass er sich in dieser Thematik bestens auskennt, bewies Corongiu, der als stellvertretender Bereichsleiter des BRK-Rettungsdienstes in Garmisch-Partenkirchen tätig ist, in seiner leidenschaftlich präsentierten Rede. So favorisierte er unter anderem ein Gesundheitssystem ohne Zwei-Klassen-Trennung und plädierte für gerechtere Löhne und „Jobs, von denen man auch leben kann“. Auch bemängelte Corongiu, dass in Deutschland viele Menschen nicht mehr am sozialen und kulturellen Leben teilnehmen könnten: „Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass sich die soziale Stabilität der Gesellschaft negativ entwickelt hat. Zwei Millionen Kinder leben in unserem Land in Armut.“ Auch das Sozialgefüge für ältere Menschen zeige einen negativen Verlauf: „Es droht eine Massenarmut im Alter und das müssen wir verhindern.“ Als „eine der zentralen Herausforderungen der nächsten Jahre“ bezeichnete er, bezahlbare Wohnungen zu schaffen.

Schon als Kind habe er in sein Poesiealbum geschrieben, dass sein Berufswunsch „Bundeskanzler“ sei, erklärte Burger, der Verkaufsleiter in der Lebensmittelbranche ist, zu Beginn seiner Ausführungen. Dass er geschäftlich viel in der Welt herumreist, kam darin deutlich zum Ausdruck. So sprach er sich vehement gegen das Abkommen „TTIP“ aus, das er als „Frontalangriff auf die Demokratie“ wertete. Vielmehr forderte er „faire Freihandelsabkommen mit allen Ländern dieser Erde“. Auch zur Flüchtlingspolitik äußerte er sich eindeutig: „Es geht um eine scharfe Analyse der Fluchtursachen, an denen die reichen Länder mit beteiligt sind.“ Zudem riss er verschiedene regionale Themen in seiner Rede an, wie etwa der zweigleisige Ausbau der Bahnlinie von München nach Garmisch-Partenkirchen, den er befürwortete, und die Tatsache, dass allein im Bundeswahlkreis 2940 Personen auf Sozialhilfe angewiesen seien: „In Murnau gehen Woche für Woche hundert Menschen zur Tafel.“

Heino Herpen

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