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Der Großvater: An Christoph Probst, Mitglied der Weißen Rose, erinnert im Kultur- und Tagungszentrum Murnau eine Tafel.

Erinnerung an Christoph Probst: Die Mission des Enkels

Murnau - Christoph Probst erzählt von Christoph Probst: Der gleichnamige Enkel des Murnauer NS-Widerstandskämpfers gestaltet am Sonntag, 5. Juni, die Abendmesse in St. Nikolaus mit. Probst wird Einblicke bieten in das Leben des Opas und dessen Weg zum Glauben.

Er trägt seinen Namen, und daraus erwächst für ihn „auf jeden Fall Verantwortung, aber keine Last“, sagt Christoph Probst, 50. Er wurde bewusst benannt nach dem berühmten Großvater, dem Murnauer Mitglied der NS-Widerstandsgruppe Weiße Rose; nach dem Mann, der 1943 mit 23 Jahren von den Nazis in Stadelheim ermordet wurde. Probst macht dieser Name „stolz im positiven Sinne“. Er meint damit, dass dieser bei ihm nicht einfach eine Eitelkeit befriedigt, vielmehr geht es ihm dabei um Demut.

Dieses Erbe bringt manches mit sich. Zum einen wird Probst natürlich immer wieder auf seinen Namen angesprochen und klärt dann auf. Zum anderen sagt er, dass seine Mission „sozusagen angeboren wurde“. Die Familie sieht sich „in der Pflicht, die Erinnerung wachzuhalten“. Sein Großvater stellte sich gegen die Nazis mit ihren Gräueltaten und bezahlte dafür mit dem Leben. Diese Zeit, dieser Teil der deutschen Geschichte dürften nicht in Vergessenheit geraten, mahnt Enkel Probst. Dafür setzt er sich ein. Damit man die gleichen Fehler nicht wieder begeht.

Dieses Bedürfnis, aber auch die Wurzeln des Großvaters führen Probst nun nach Murnau. Der 50-Jährige, ein ausgezeichneter Berufsmusiker, bringt sich am Sonntag, 5. Juni, in der Pfarrkirche St. Nikolaus mit Solostücken auf dem Violoncello in die Abendmessfeier ein (Beginn: 19 Uhr) und spricht über seinen Opa. Pfarrer Siegbert Schindele verzichtet dafür auf eine Predigt. Der Geistliche freut sich auf den Gottesdienst: „Das ist einzigartig und war so noch nicht da.“ Schindele spricht von einer „ganz, ganz tollen Gelegenheit“ und geht davon aus, dass auch Interessierte diese Chance nutzen, die sonst nicht zum klassischen Kirchgängerpublikum zählen. Die Verbindung kam über Christoph Probsts Mutter Barbara Probst-Polasek zustande, zu der Schindele guten Kontakt pflegt.

Die Kirche bietet einen besonderen, aber passenden Rahmen. Das Bistum Augsburg hat den Widerstandskämpfer Probst durch die Aufnahme ins Verzeichnis der Augsburger Glaubenszeugen, eine Märtyrerliste, und in die Publikation „Zeugen für Christus“ geehrt. Probst hatte sich 1943 in der Todeszelle entschlossen, sich taufen zu lassen und katholisch zu werden. Diesen Weg zum Glauben will der Enkel neben Biographischem in St. Nikolaus thematisieren. Als Musiker wirkte Probst bereits an mehreren (Gedenk-)Veranstaltungen mit. In Murnau wird er musizieren und über den Großvater sprechen – eine besondere Kombination und „eine Herausforderung“. Er investiert Zeit und Arbeit, um den Text zu entwickeln. Das Thema selbst geht ihm „natürlich nahe“, auch wenn er als Enkel, der den Opa persönlich nicht kannte, einen gewissen (emotionalen) Abstand aufweist.

Sein Beitrag ist Probst nicht nur wegen der Erinnerungspflege ein großes Anliegen. „Es gibt so viel Legendenbildung, dass man sich gar nicht mehr so genau zurechtfindet. Ich nutze die Gelegenheit, etwas dazu zu sagen.“ Und Christoph Probst plant, danach bald nach Murnau zurückzukehren – mit Mutter und Bruder. Mitte Juli soll die Umbenennung der Mittelschule Murnau in Christoph-Probst-Mittelschule bei einem Festakt gefeiert werden – eine Entscheidung, die Probst „sehr gefreut“ hat. „Es ist auch wichtig, dass das aus der Schulfamilie heraus gekommen ist.“

In Probsts Wohnort Gilching ist das Gymnasium seit 1993 nach dem Großvater benannt. Auch seine 14-jährige Tochter Franziska hat das historische Erbe angenommen, befasst sich mit dem Uropa. „Sie geht ziemlich interessiert an die Geschichte“, sagt Christoph Probst. Seine Familiengeschichte, ein Stück deutsche Geschichte. Eines, das nicht in Vergessenheit geraten darf.

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