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Spektakulärer Blick von oben: Gut zu erkennen ist das völlig entkernte Strütthaus in der Schlossbergstraße.

Murnauer Strütthaus völlig entkernt

Hauptsache, die Fassade bleibt

Murnau - An Baustellen mangelt es derzeit in Murnau nicht. Aber das völlig entkernte Strütthaus zählt zweifelsfrei zu den spektakulärsten Großprojekten. Wenn alles glatt läuft, steht Mitte nächsten Jahres der Rohbau. Das Gebäude soll im Zuge der Rathaus-Sanierung ein moderner Verwaltungssitz werden.

Das Murnauer Strütthaus neben dem historischen Rathaus ist so etwas wie eine Sehenswürdigkeit: Immer wieder bleiben in der Schlossbergstraße Passanten stehen, um das auffällige Anwesen zu betrachten – beziehungsweise das, was von diesem übrig geblieben ist. Es stehen nur noch die Außenfassaden. Das Innenleben wurde entfernt – sogar das Dach. Eine Stützkonstruktion mit dicken Holzbalken soll verhindern, dass die Mauern zusammenbrechen. „Das Bauwerk ist standsicher“, versichert Marktbaumeister Klaus Tworek. Hinter dieser Schale wird im Prinzip ein kompletter Neubau hochgezogen – ein technisch anspruchsvolles Vorhaben. Hinzukommen soll nämlich auch ein Keller – keine leichte Aufgabe, da beim Aushub Fels erwartet wird und die bestehenden Wände abgesichert werden müssen. Hierfür wurde eine Tiefbau-Spezialfirma beauftragt. Wenn alles steht, soll die alte Dachkonstruktion, die vorübergehend eingelagert wurde, wieder samt einer neuen Blech-Oberfläche draufgesetzt werden.

So manch ein Murnauer hat wenig Verständnis für diesen Aufwand, dessen Kosten der Steuerzahler tragen muss. Zumal das Strütthaus rein optisch nicht gerade ein Hingucker ist. Die Hintergründe sind bekannt: Das historische Gebäude aus dem 19. Jahrhundert steht unter Ensembleschutz. Die Marktgemeinde hat die Vorgehensweise mit dem Landesamt für Denkmalpflege abgestimmt. Dr. Nikolaus Könner, der in der Münchner Behörde für das Referat Oberbayern und München zuständig ist, rechtfertigt das Ganze: Der Ober- und Untermarkt mit seinen historischen Gebäuden sei das „Aushängeschild“ des Marktes, betont er. Zu diesem städtebaulichen Gesamtbild gehöre auch das Strütthaus, das in seiner heutigen Version seit 1890 besteht. Aus diesem Grund sei es wichtig, dass zumindest das Äußere im Originalzustand erhalten bleibt. „Bei einem Abbruch wäre ein Stück Altmurnau weg“, sagt der Fachmann. „Im Grundsatz ist die Entscheidung nachvollziehbar“, meint Marktbaumeister Tworek. Es gehe um den Schutz des Ortskerns. Diesen zu erhalten, sei ein „hohes Gut“. 

Parallel zum Strütthaus-Bau – die Immobilie gehört der Gemeinde und wurde auch von der Verwaltung genutzt – läuft die umfassende Sanierung des denkmalgeschützten Rathauses. Erste Vorarbeiten haben bereits begonnen, vermutlich im Winter geht’s richtig los. Auch hier muss in die Substanz eingegriffen werden, allerdings bei weitem nicht so radikal. Beispielsweise werden ein Aufzug installiert und im Erdgeschoss ein großer Bereich für die Tourist-Information geschaffen. Insgesamt ein „außergewöhnliches Projekt“, wie Tworek betont. Heuer im Juli war Startschuss. Die Verwaltung ist übergangsweise ins alte Gemeinde-Krankenhaus gezogen. In etwa zwei Jahren, also im Sommer 2018, soll ihr neues Domizil (Rathaus und Strütthaus) fertiggestellt sein. Die Gesamtkosten belaufen sich nach dem bisherigen Stand auf rund sieben Millionen Euro.

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