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Eindrücke von der Feier: Im Vordergrund unterhält sich Schulrat Markus Köpf (l.) mit dem Murnauer Pfarrer Siegbert Schindele.

Spezialist für Flugblatt-Herstellung ausgeladen

Probst-Schule: Eklat vor dem Festakt

Murnau - Thomas Kortenkamp wollte den Murnauer Mittelschülern zeigen, wie die Mitglieder der Weißen Rose die Flugblätter herstellten. Doch wie jetzt bekannt wurde, ist er drei Tage vor dem Festakt zur Neubenennung der Bildungseinrichtung nach Christoph Probst ausgeladen worden. Ein Eklat.

Kortenkamp ist Spezialist, was die Technik des Widerstands bei der Weißen Rose betrifft. Der 54-Jährige aus Hagenbach in Rheinland-Pfalz macht dies ehrenamtlich und investiert nach eigenen Angaben sehr viel Zeit dafür. Im Rahmen des Murnauer Festakts hätte es Kortenkamp gerne gesehen, wenn alle Schüler und Gäste Probsts Flugblatt-Entwurf bekommen. „In Murnau wäre das unvollendete Werk von Christoph Probst nach 73 Jahren endlich von der Drucktrommel gegangen, so wie es Christoph Probst im Januar 1943 wollte. Auch live zum mitnehmen, erinnern und verinnerlichen“, sagt Kortenkamp. Und weiter: „Die junge Generation hätte sehen können wie wenig vorliegen musste, um sein Leben durch Hinrichtung zu verlieren.“ Kortenkamp hätte die entsprechenden Apparaturen mitgebracht. Er bot einen Vortrag an, zudem erklärte er sich bereit, Fragen zu beantworten. 

Doch offenbar waren Kortenkamps Vorstellungen nicht in Einklang mit den Planungen des Staatlichen Schulamts zu bringen. „Sowohl mit den zeitlichen als auch den inhaltlichen Rahmenbedingungen zeigte sich Herr Kortenkamp kurz vor der Veranstaltung sehr unzufrieden“, erklärt Schulrat Markus Köpf. Da er sich „den organisatorischen Rahmenbedingungen weder anpassen konnte und wollte, war hier leider keine Kompromisslösung erreichbar. In dieser Konsequenz mussten wir auf eine Beteiligung von Herrn Kortenkamp leider verzichten“, sagt Köpf. Er habe ihn dann in Abstimmung mit Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) und Rektor Peter Hälterlein nach einem längeren Telefonat schließlich von der Veranstaltung ausgeladen. 

Nach Rücksprache mit dem Weiße-Rose-Institut sei auch deutlich geworden, „dass bei einer massenhaften Vervielfältigung zunächst einmal rechtliche Aspekte des Urheberrechts mit dem Bundesarchiv zu klären wären“. Beuting sagt: Das Vorhaben Kortenkamps „hat sich nicht ins Programm integrieren lassen“. Die zwei Stunden, die der Festakt dauerte, sei „genau das richtige Maß“ gewesen. 

Kortenkamp ist bitter enttäuscht: Christoph Probst werde sein letzter Wille – also der Druck des Flugblatts – nach 73 Jahren ausgerechnet in seinem Geburtsort verwehrt. „Ich schäme mich so vor Christoph Probst und dem gesamten Umfeld.“ 

Kortenkamp war es zudem ein Anliegen, dass der ehemalige Lehrer Peter Veit im Rahmen des Festakts geehrt wird. Dieser spielte – nachdem der Gemeinderat 1979 Max Dingler als Namensgeber der Hauptschule bestimmt hatte – eine zentrale Rolle in dem heftigen Streit zwischen Gegnern und Befürwortern. Der damals junge Hauptschullehrer sprach sich zusammen mit Schülern öffentlich und vehement gegen die Namensgebung aus – und bekam mächtig Ärger. „Er ist damals seinem Gewissen gefolgt wie einst die Weiße Rose“, sagt Kortenkamp. 

Eine Ehrung während des Festakts wollte Veit jedoch nach eigenen Angaben nicht. Dies teilte er auch Köpf im Vorfeld mit. Veit wollte bei der Feier auch nicht namentlich genannt werden. Allerdings zeigt er sich im Nachgang enttäuscht, dass Beuting unerwähnt ließ, dass es damals einen Lehrer und eine Klasse gab, die sich gegen den Namenspatron Dingler wehrten. „Das ist etwas, was gefehlt hat.“ 

Veits Laufbahn endete damals „auf dem Abstellgleis. Ich habe mir eine blutige Nase geholt.“ Christoph Probst als Patron sei eine „tolle Sache. Für die Jugend ist das ein Mann, der greifbar ist.“ Für Veit war der Festakt eine sehr emotionale Angelegenheit. „Ich war schon aufgeregt“, erzählt der Garmisch-Partenkirchener.

Roland Lory

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