Wirt behauptet, er hätte Hitlergruß gezeigt

2,4 Promille - 24-Jähriger wegen fahrlässigen Vollrausches verurteilt

Murnau - Hat er oder hat er nicht? Ein 24-Jähriger soll in einer Gaststätte mehrfach "Hitler!" gerufen haben. Doch der Wirt konnte dies nicht 100-prozentig bestätigen. Der Beschuldigte wurde schließlich für andere Taten im Vollrausch bestraft. 

Wie schnell sich eine Anklage vor Gericht wandeln kann, das konnte jetzt ein 24-Jähriger aus einem Ort nahe Murnau erfahren: Er war nämlich zunächst angeklagt, in einer Gaststätte mehrfach „Hitler!“ gerufen, dazu die rechte Hand zum Nazigruß erhoben und auch ein paar Polizisten beleidigt zu haben. Doch schließlich wurde er „nur“ wegen fahrlässigen Vollrausches zu einer Geldstrafe von immerhin 1300 Euro verurteilt. Denn dem Wirt, in dessen Etablissement der Hitler-Gruß getätigt worden sei, vermochte sich nicht mehr mit Sicherheit daran zu erinnern. Sodann bescheinigte ein Gutachter vor dem Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen dem Angeklagten, er sei angesichts seiner 2,4 Promille Alkohol mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht schuldfähig gewesen.

Hitlergruß in Gaststätte gezeigt?

Laut Staatsanwalt Daniel Hinz ist der aus einem Loisachtal-Dorf in den Kreisort angereiste und in einer Gaststätte in Garmisch eingekehrte Mann am 9. April 2015 gegen 23.40 Uhr wegen seines Rausches der Lokalität verwiesen worden, doch daraufhin habe er wütend reagiert: Erst soll er mehrfach „Hitler!“ gerufen und die rechte Hand erhoben haben.

Als er dann draußen war, habe er mit dem Fuß einen Werbe-Aufsteller zertrümmert. Damit nicht genug, beleidigte er schließlich auch die beiden Polizisten, die der Wirt geholt hatte. Einen der Beamten nannte er auch gleich „Hitler“.

An all das, sagte er im Gericht, könne er sich überhaupt nicht erinnern. „Ich bin nämlich alkoholabhängig, war schon zweimal in monatelanger Therapie, aber seit elf Monaten bin ich jetzt trocken.“ Kaum hatte er dem Alkohol abgeschworen, bekam er psychische Probleme mit Angstzuständen, die er mit starken Medikamenten in den Griff bekommen wollte. Denn Bier, mit dem er es früher versucht habe, konsumiere er ja nicht mehr. „Zu all dem habe ich keine Lust mehr“, merkte er lammfromm an. „Ich möchte ganz normal arbeiten, eine Wohnung haben.“

Gutachter glaubt an Schuldunfähigkeit

Bei ihm und seiner Taten im April 2015 sei jedenfalls schon wegen des Alkoholgehalts von 2,4 Promille totale Schuldunfähigkeit nicht auszuschließen, konstatierte schließlich ein psychiatrischer Gutachter.

Der Staatsanwalt folgerte: Fahrlässiger Vollrausch. Die ursprünglichen Anklagen „Verbreitung verfassungswidriger Propaganda“ durch den Hitlergruß, die Beleidigung der Polizisten sowie die Beschädigung des Wirtshaus-Schildes könne nicht mehr aufrecht erhalten bleiben, stattdessen sei nun fahrlässiger Vollrausch das Delikt. Und angemessen sei dafür eine Geldstrafe in Höhe von 1300 Euro, urteilte schließlich Richterin Linda Behmel.

Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: © dpa

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