Großvater gesteht Taten vor Gericht

Enkeltöchter jahrelang missbraucht

Murnau - Es war der eigene Opa, der seine Enkeltöchter in Murnau jahrelang missbrauchte. Eine der Frauen hat sich 16 Jahre nach der letzten Tat offenbart. Nun steht der Großvater vor Gericht.

Niemand dachte sich etwas dabei: Immer wenn Oma und Opa in Murnau zu Besuch waren, ging der Opa mit den beiden Enkeltöchtern in den Keller zum Spielen. Doch anstatt mit ihnen Barbie zu spielen, verging er sich regelmäßig an ihnen – und gab ihnen Geld dafür, fünf oder zehn Mark. Die Mädchen (heute 27 und 29) waren damals erst zwischen 6 und 13 beziehungsweise 4 und 11 Jahre alt. Am stärksten betroffen war die ältere der Enkeltöchter. Sie leidet so sehr unter den Vorfällen, dass sie 16 Jahre nach den letzten Taten zur Polizei ging. Am 20. November 2015 wurde der Großvater, ein verwitweter Rentner aus Peißenberg, verhaftet.

Seit Donnerstag muss er sich wegen 39 Fällen des sexuellen Missbrauchs von Kindern vor dem Landgericht München II verantworten. Dort gab der 79-Jährige, der einmal zwei Jahre Priester bei der neuapostolischen Kirche war, alles zu. Über seinen Verteidiger Maximilian Grashey räumte er die Vorwürfe vollständig ein – „außer die Vielzahl von Fällen“. Auch an die Zeiträume könne er sich nicht erinnern. „Es tut ihm unglaublich leid“, sagte sein Verteidiger, „er möchte zu seiner Schuld stehen.“ Auch wolle er es seinen Enkelinnen so leicht wie möglich machen und ihnen eine Aussage vor Gericht ersparen.

„Das hat sich im Laufe der Zeit so ergeben.“

Der Peißenberger erklärte den Missbrauch unbeholfen: „Das hat sich im Laufe der Zeit so ergeben.“ Die Mädchen hätten gesagt: „Opa, kommst runter zum Spielen?“ Die Vorsitzende Richterin hakte erstaunt nach: „Wie, es hat sich so ergeben?“ Die Mädchen hätten „halt rumgetanzt und so“, meinte der Angeklagte. „Es hat sich so ergeben. Sie kamen immer näher, und ich habe sie dann berührt.“ Sie hätten ihn eben immer gefragt, ob er zum Spielen runterkomme. „Die Kinder wollten doch spielen!“, betonte die Richterin. „Oder wollten Sie etwa Sex-Spiele?“ Der Angeklagte verneinte: Er habe ein „Black-Out“ gehabt. „So oft?“, kommentierte die Richterin.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, dass er sich zwischen 1994 und 2000 immer wieder an seinen beiden Enkelinnen verging. Zu 16 verschiedenen Zeitpunkten habe er sich im Kinderzimmer an den Mädchen vergriffen und sich berühren lassen. Stärker betroffen war das ältere Mädchen. An diesem verging er sich auch bei weiteren Gelegenheiten, als die kleinere Schwester nicht dabei war – etwa in der Dusche, in einem Aufzug, im Badezimmer, im Schwimmbad. Auch sei er im Sommer 1998 mit ihr zu einem großen Stadel bei Murnau geradelt und habe versucht, Geschlechtsverkehr auszuüben, was aber nicht gelang. „Ich wollte Sex probieren, aber es hat nicht geklappt“, erklärte er dem Gericht.

Unter Tränen sagte die heute 29-Jährige beim Vernehmungsrichter aus. „Es war der Opa“, sagte sie, „das ist eine Respektsperson. Ich dachte: Du musst das machen.“ Besonders tief sitzt bis heute, dass er sagte: „Wenn du jemandem was sagst, dann passiert was.“

In einem Rechtsgespräch steckten die Juristen bereits einen Rahmen für die Strafe ab. Die Staatsanwältin stellt sich eine Haftstrafe von sechs bis sieben Jahren vor. Der Verteidiger hält rund vier Jahre für angemessen. Der Vertreter der Nebenklage, sprich der Enkeltöchter, will „eine spürbare Strafe“. Das Gericht legte sich noch nicht fest, sah die von der Staatsanwältin genannte Strafe aber als zu hoch an. Der Grund: das Geständnis des Angeklagten sowie eine Entschädigungszahlung von 4000 Euro. Der Prozess dauert an.

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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