Frischer Wind in alten Gemäuern: In den nächsten drei Jahren soll vor allem hier, im ehemaligen Murnauer Gemeindekrankenhaus, der Wirtschaftsstandort Murnau massiv gestärkt werden. Wie es ab 2019 weitergeht, ob im Sinne des Gebäudestifters James Loeb mit einer medizinischen Nutzung, oder nicht, ist noch völlig offen. Foto: Herpen/ARchiv

Grünes Licht für Innovationsstandort

Murnau - Bis Ende 2018 wird es im alten Krankenhaus experimentierfreudig zugehen. Neben der Unterbringung von Rathaus, Flüchtlingen und dem Innovationsquartier soll dort auch ein „Gründerzentrum“ etabliert werden. Alles Maßnahmen, um den Wirtschaftsstandort Murnau zu stärken. Wie es ab 2019 weitergeht, ist offen. Erste Probleme - konkret bei den Mietverträgen - zeigen sich deshalb schon jetzt.

Die Pläne klingen ehrgeizig - und mutig. Murnau soll als Wirtschaftsstandort insgesamt gestärkt und mit den sich daraus ergebenden Synergien sogar in die Metropolregion München einbezogen werden. Rund 500 000 Euro wird der Markt Murnau im nächsten halben Jahr deshalb ausschließlich in das Innovationsquartier im alten Gemeindekrankenhaus an der James-Loeb-Straße investieren. Dieses Zwischennutzungsprojekt ist zunächst bis Ende 2018 ausgelegt. Es beinhaltet Platz für Start Up-Unternehmen, für Firmen aus der Kultur- und Kreativwirtschaft und für kurzfristig anmietbare Arbeitsplätze (Co-Working).

Zusätzlich zu all diesen, im Kern bereits im Herbst 2015 gefällten Entscheidungen hat der Gemeinderat nun beschlossen, Murnau zu einem „innovativen Wirtschaftsstandort“ in noch größerem Stil auszubauen. Konkret heißt das, zusätzlich zum bisherigen Konzept soll auch noch ein vom Wirtschaftsministerium gefördertes „Gründerzentrum“ im alten Krankenhaus eingerichtet werden. Dafür muss sich der Markt Murnau aber erst noch bewerben.

Diese in seinen Augen positive Richtungsentscheidung in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates bewertete Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) als „einen guten Tag“ für den Wirtschaftsstandort Murnau: „Wir stellen uns als Gemeinde neu auf und nehmen die Herausforderungen, die die Überalterung im ländlichen Raum an uns stellt, an.“

Die Gemeinderäte erneuerten außerdem ihre Absicht, das Krankenhausgebäude wenn möglich in seinem Bestand zu erhalten, das Zwischennutzungskonzept aber zunächst auf drei Jahre befristet zu lassen. Erst danach soll über eine endgültige Folgenutzung entschieden werden. Wie diese aussehen wird, ist offen. In den Reihen der Bürgervertreter scheint es darüber unterschiedliche Ansichten zu geben. So ist immer noch von einer Reduzierung auf den Alt-Bestand oder aber von einer ausschließlich medizinischen Folgenutzung im Sinne des Stifters James Loeb die Rede.

Genau diese Unsicherheit für spätere Jahre kollidiert nun mit Bittlingers neuen Ideen. Das Konzept für das Innovationsquartier auf drei Jahre zu beschränken, ist in seinen Augen nicht sinnvoll. Deshalb stellte er im Namen der Verwaltung den Antrag, die gewerbliche Nutzung an die Firmen unbefristet erteilen zu dürfen, allerdings mit Mietverträgen mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten. „Damit würden wir uns für später nichts verbauen“, betonte er. Außerdem könnten somit die Investitionskosten von einer halben Million Euro gesicherter amortisiert werden. Darüber wollten die Gemeinderäte auf die Schnelle aber nicht abstimmen. Dieser Tagesordnungspunkt wurde auf die nicht-öffentliche Sitzung am 12. Mai vertagt.

Wer zieht ein:

Innovationsquartier: Elf Unternehmen, darunter sieben Start-Ups, warten auf den Einzug. Verträge können aber erst abgeschlossen werden, wenn der Gemeinderat endgültig über die Laufzeit des Projekts entschieden hat (Sitzung am 12. Mai). Zusätzlich soll es kurzfristig anmietbare Arbeitsplätze (Co-Working) geben, die Bittlinger auch unter dem Begriff Existenzgründungszentrum laufen lässt.

Gründerzentrum: Für das jetzt neu geplante „Gründerzentrum“ muss sich der Markt Murnau erst noch bewerben (siehe Kasten).

Flüchtlingsunterkunft: Geplant ist, im Westflügel des Hauses 40 Flüchtlinge unterzubringen. Räume sollen auch für den Helferkreis von Murnau Miteinander und für die Volkshochschule gestellt werden. Eine momentan gültige Anordnung der Regierung von Oberbayern, alle weiteren Objekt-anmietungen für Flüchtlinge zu prüfen, legt diesen Plan derzeit auf Eis. Falls keine Schutzsuchenden kommen sollten, werden zusätzliche Räume zur gewerblichen Nutzung frei.

Rathaus-Verwaltung: Wegen des Umbaus des historischen Gebäudes im Markt ist die Murnauer Rathausverwaltung ab Dienstag, 3. Mai, im Nordtrakt des alten Krankenhauses (Eingang Schererweg 13) zu finden.

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