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Ein Seilbagger erntet gefährdete Bäume am Hangrutsch Hechendorfer Berg.

Über 60 Hektar Gelände betroffen

Hangrutsch in Schwaigen nimmt immer größere Ausmaße an

Schwaigen - Der Hangrutsch am Hechendorfer Berg auf Schwaigener Gebiet nimmt immer gewaltigere Dimensionen an – es gibt keinen größeren in Bayern, der sich in Bewegung befindet. Bürgermeister Hubert Mangold vermutet sogar eine deutschland- oder europaweite Spitzenposition. Mehr als 60 Hektar Gelände betrifft dieses Phänomen bisher, davon sind 43 in Bewegung.

Niemand kann vorhersagen, welche Entwicklung das Problem nehmen wird, das im Augenblick etwa dazu führt, dass die Gemeindeverbindungsstraße Grafenaschau-Eschenlohe immer wieder überflutet wird. Die Folge sind Vollsperrungen. Siedlungen befinden sich nicht in Gefahr.

Schon jetzt ist auch der wirtschaftliche Schaden immens: Der staatliche Forstbetrieb Oberammergau beklagt nach Angaben des stellvertretenden Leiters Richard Baur Wald-Verluste, die auf jeden Fall in die hunderttausende Euro gehen. 21 Hektar seien „offene Rutschfläche“, auf der die Bäume komplett umgefallen sind. Dabei handelt es sich um den Bereich, der vom Murnauer Moos aus zu sehen ist. Auf weiteren 22 Hektar zeigt sich der Wald noch geschlossen, doch es lassen sich deutliche Rutschbewegungen mit Rissen, Spalten und kleineren Setzungskanten erkennen. Zusätzliche 20 Hektar im unteren Muren-Bereich bedecken Geröll und Schlamm.

Noch stehen Fichten, doch häufen sich zu viele Ablagerungen am Boden, „können sie eingehen“, sagt Baur. Der verschlammte Bereich befindet sich zum größeren Teil in Privateigentum, auch die Gemeinde ist betroffen. Vertreter des Landesamts für Umwelt (LfU) werden das gesamte Gelände übernächste Woche vermessen lassen, um weitere Bewegungen und die Entwicklung festhalten zu können. Der Hangrutsch sei unkalkulierbar, meinen Experten. Er könne sich weiter ausbreiten, aber auch zum Stillstand kommen.

Erst im September ist nach Angaben von Mangold wieder „eine riesige Mure abgegangen, die oberhalb des Josefiwegs hängenblieb“. Der Mensch steht dem Phänomen relativ machtlos gegenüber. „Die Rutschmasse aufzuhalten, die in den nächsten Jahren mit jedem größeren Niederschlag runterkommen kann, wird niemand schaffen“, betont Baur. „Wir werden damit leben müssen.“ Bei rein wirtschaftlicher Betrachtung gehe es, was Infrastruktur betrifft, um eine Straße und um Forstwege. „Die ganze Fläche zu verbauen, würde zig Millionen Euro kosten, das steht in keinem Verhältnis.“

Also ist das Ziel, den Schaden gering zu halten. Der Forstbetrieb Oberammergau hat aus Sicherheitsgründen in Abstimmung mit dem LfU damit begonnen, im derzeit noch zugänglichen oberen Hangteil sowie am Kamm des Rutschs Wald zu roden, der ohnehin keine Schutzfunktion mehr aufweise, sagt Baur. Auch entlang der Abbruchkante entfernen Arbeiter den Bestand, der durch den Hangrutsch gefährdet ist, in bis zu 60 Metern Breite. Entlang der Seitenränder verschwinden schiefe und angeschobene Bäume. Zudem holt man umgestürzte Stämme, die auf den Rutschmassen noch risikofrei erreichbar sind. Dies soll verhindern, dass Borkenkäferprobleme entstehen und helfen, dass weiter talabwärts Brücken und Gräben weniger verstopfen. Für die „nicht ganz ungefährliche Arbeit“ komme eine Spezialmaschine zum Einsatz, so Baur: ein Seilbagger. Damit gelangt man an schwierig zu erreichende Stellen und kann Bäume aus steilen Hängen ziehen.

Bürgermeister Mangold hofft, wie berichtet, auf einen Wildbach-Ausbau – und möglichst hohe staatliche Zuschüsse. Zudem geht er davon aus, dass Durchlässe unter der immer wieder überschwemmten Verbindungsstraße zu klein sind. Eventuell könnten Sand- und Schlammfänge Abhilfe schaffen. Die Gemeinde steht mit einem Ingenieurbüro und mit dem Wasserwirtschaftsamt in Kontakt. Aktuell sind immer bei Starkregen Kontrollen Pflicht. Falls nötig, wird die Straße gesperrt.

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