Stein des Anstoßes: die neue Homepage der Marktgemeinde Murnau.

Freie-Wähler-Rätin Maria Schägger kritisiert Vorgehensweise bei Auftragsvergabe 

Gemeinde-Homepage: Umstrittener Anbieterwechsel

Murnau – Der Fall liegt zwar einige Zeit zurück und wurde schon einmal in der Murnauer Ortspolitik aufgegriffen: Doch am Mittwochabend in der ersten Sitzung des Gemeinderats nach der Sommerpause flammte die Debatte über den Wechsel des Anbieters, der die Internet-Homepage der Marktgemeinde neu gestaltete, wieder auf.

Freie-Wähler-Gemeinderätin Maria Schägger monierte einen in ihren Augen unverantwortlichen Umgang mit Steuergeldern. „Mich stört es massiv, dass öffentliche Gelder für nichts ausgegeben werden“, sagte sie. Anlass war der Rechnungsprüfungsbericht für das Jahr 2014, der in der Sitzung behandelt wurde und in dem auch das besagte Thema vorkommt. Sie könne diesem Bericht nicht zustimmen (formell ging es nur um eine Kenntnisnahme), erklärte Schägger – und rollte die ganze Angelegenheit in einer Art Stellungnahme detailliert auf. Bemerkenswert: Die Tourismus-Managerin war damals selbst Mitarbeiterin der Murnauer Tourist-Info und in das Internet-Projekt involviert.

Zum Hintergrund: 2013 startete ein Vergabeverfahren für einen neuen Online-Auftritt für die Marktgemeinde und die Tourismus-Gemeinschaft Das Blaue Land. Offenbar sollte auch bei der Darstellung der Kommune das touristische Angebot im Vordergrund stehen. Den Zuschlag erhielt schließlich eine Fachfirma, die dann mit dem Bau der Seiten begann. Doch 2014, neuer Chef im Rathaus war mittlerweile Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum), kam die Kehrtwende. Die Rathaus-Verwaltung wechselte den Anbieter. Ein Unternehmen aus der Region machte sich daran, den Staffelsee-Ort im Internet zu präsentieren – diesmal mit dem Schwerpunkt Bürgerservice. Das Ergebnis ist heute zu sehen. Schägger hat nach eigenen Angaben kein Problem mit der aktuellen Seite. Sie ist aber mit der Vorgehensweise nicht einverstanden. Es sei ja in Ordnung, sagte sie in der Sitzung, Änderungswünsche zu äußern und ein Konzept zu überarbeiten. Nur hätte man ihrer Meinung nach beim ersten Anbieter bleiben müssen. Denn das Geld, das die Gemeinde diesem überwiesen habe, sei zum Fenster rausgeworfen worden. Schägger sprach von einer „mittleren, fünfstelligen Summe“. Die Politikerin: „Wir haben für eine Leistung bezahlt, die wir nicht abgerufen haben.“ In Murnau stünden viele Projekte an, bei denen über Einsparungen gesprochen werde. „Das Geld hätten wir gut brauchen können.“

Rathauschef Beuting sieht das Ganze anders. Konkrete Kosten nannte er nicht. Auch war er nicht damit einverstanden, dass Schägger als ehemalige Gemeinde-Mitarbeiterin die Sache zur Sprache brachte. Dies sei „kein guter Stil“. Die Zusammenarbeit mit dem ersten Anbieter sei nicht zufriedenstellend gewesen, erklärte er – und zählte eine Reihe an Kritikpunkten auf. Beispielsweise habe man nicht wie zugesagt einen Ansprechpartner in der Region gehabt, sondern in Ostfriesland. Und der gewünschte Umbau zu einer Bürgerseite hätte „weit über 20 000 Euro“ gekostet. „Das wäre unverantwortlich gewesen“, sagte Beuting. Aus diesem Grund habe man die Notbremse gezogen und den Auftrag neu vergeben. Der Nachfolger sei mit einem „unschlagbar günstigen Angebot“ an Murnau herangetreten. Beuting ist zufrieden: „Die Webseite ist vorbildlich.“ Die Entscheidung sei richtig gewesen, da vor allem Einheimische das Angebot nutzten.

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