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Gehen auch neue Wege: Künstlerischer Leiter Georg Büttel (l.) und Gesamtleiterin Gabi Rudnicki (r.) hier mit den Schauspielern Natalie Siegl (2.v.l.) und Max Pfnür. 

Wohin steuert die Veranstaltungsreihe?

Horváth-Tage: Expertin rät, Potenzial im Ort zu nutzen

Murnau – Applaus, Applaus: Die Horváth-Tage haben Glanzlichter gesetzt. Da gab es leichte und schwere Bühnen-Kost, intensive Diskussionen und kurzweilige Gespräche, kleinere Veranstaltungen und eine große Gala. Abrechnungen und genaue Zahlen liegen noch nicht vor – doch die Veranstalter von der Horváth-Gesellschaft ziehen eine Positiv-Bilanz.

Qualität und Zuspruch stimmten in den Augen der Ersten Vorsitzenden Gabi Rudnicki. Für die achte Auflage 2019 hat die Gesamtleiterin erste Pläne im Kopf; dabei könnten neue Wege eingeschlagen werden.

Veränderungen regt auch die Murnauerin Dr. Elisabeth Tworek an, Kulturreferentin im Gemeinderat und ausgewiesene Horváth-Expertin. Sie stellt den Tagen, die am Samstag endeten, ein sehr gutes Zeugnis aus: „Ein ganz großes Kompliment an die Veranstalter“, verteilt sie – und sieht für Murnau Grund, stolz zu sein. Tworek, die das Kulturschaffen statt des bloßen Kulturkonsums propagiert, wünscht sich indes, dass neue Formate entwickelt werden, noch mehr Jugendliche aktiv sind – und Theaterensembles im Ort sich besser mit den Horváth-Tagen vernetzen. Rudnicki betont: „Was örtliche Gruppen und Vereine angeht, haben wir Pläne für 2019“; dann finden die nächsten Horváth-Tage statt. Details verrät Rudnicki nicht.

Dieses Mal gilt für die Gesamtleiterin: „Wir können alle sehr zufrieden sein.“ Das Konzept mit den „Lebenslinien“, wie der Titel lautete, sei aufgegangen, das der wechselnden Schauplätze habe sich bewährt, mit Performances etwa von Gymnasiasten sei man raus in den Ort gegangen. Und: „Für Horváth ist sehr viel passiert.“ Von Besuchern bekam Rudnicki „hohes Niveau“ bescheinigt; Preisträger Edgar Reitz, C. Bernd Sucher und Autor Sasa Stanisic´ (siehe unten) bürgten für einen Top-Level.

Ein Publikumserfolg war die Revue „Jetzt geh ich da so hin und her“ im zweimal proppenvollen Griesbräu-Saal. Das bewegende Soldaten-Stück „Ein Kind unserer Zeit“ füllte nur einmal die 250 Zuschauer fassende und damit größere Horváth-Aula. Bei der zweiten Aufführung am Freitag blieben einige Reihen leer. Etwa 100 Besucher füllten den großen Raum nur spärlich, was Tworek „gewisse Sorgen“ bereitet. „Das Programm hatte eine schöne Bandbreite mit Heiterem und schwerer Kost.“ Das Leben bestehe nun mal aus Höhen und Tiefen. „Kultur muss schwere Kost sein – wir wollen zum Denken anregen.“ Bei Tworek hinterließ das Stück mit Max Pfnür tiefe Eindrücke: „Es ging mir sehr unter die Haut.“

Natürlich freut sich auch Rudnicki – sie mahnt, bei Vergleichen die sehr unterschiedliche Größe der Räume im Blick zu behalten – über ein allabendlich volles Haus. Doch sie setzt bei Publikum nicht nur Quantität, sondern auch Qualität als Kriterium an. Beim „Kind unserer Zeit“ sei dieses „sehr gut“ gewesen. Die zwei Schüler-Vorstellungen waren voll und lieferten den Jugendlichen Denkanstöße. Ganz speziell: Eine Aufführung verfolgten 60 Soldaten der Werdenfelser Kaserne.

Das „Kind“ zählte zu Tworeks persönlichen Horváth-Höhepunkten – ebenso wie die Verleihung des Preises an Reitz, bei der sie die enge persönliche Verbundenheit des gestaltenden Künstlers Hans Angerer zu Reitz spürte. Die Revue fand sie sehr lustig, das Theater Iaqlaq mit schutzgebenden und schutzsuchenden Jugendlichen aus Murnau und ihrem „Märchen aus unserer Zeit“ lobt Tworek gar als „bahnbrechend“ – und zukunftweisend: „Es wäre schön, wenn wir es schaffen, noch viel mehr junge Leute fürs Theater zu begeistern.“

Auch Rudnicki sieht die diesjährigen Beiträge von Jugendlichen und die Performances als Bereicherung. Nun müssen die Horváth-Tage 2016 vernünftig abgeschlossen werden. Rudnicki kündigt für 2019 aber bereits an: „Wir werden wieder etwas Neues reinbringen.“ Ideen gibt es schon. Und bekannte Namen wie Sucher oder Stanisic´ signalisierten, mit Murnaus Horváth-Machern in Kontakt bleiben zu wollen.

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