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Das alte Team ist auch das neue: (h. v. l.) Gerhard Lößlein, Roger Zietz, Martin Zander, Peter Redl, Ulrich Poettinger, Hubert Zach sowie (v. v. l.) Dr. Julia Stewens, Claudia Specht und Welf Probst.

Diskussion über Murnaus Finanzlage

Freie-Wähler-Chef Welf Probst warnt vor Schuldenberg

Murnau - Der Chef der Freien Wähler Murnau, Welf Probst, befürchtet eine zu hohe Verschuldung der Marktgemeinde. Hintergrund ist der Wohnungsbau am Längenfeldweg, den die Kommune in Eigenregie angehen will.

  6,5 Millionen Euro sind dafür vorgesehen, wobei aber auch Zuschüsse fließen sollen. „Das ist sehr viel Geld“, betonte Probst am Montagabend anlässlich der Jahreshauptversammlung im Griesbräu.  Dabei verwies der Kommunalpolitiker unter anderem auf die Kosten, die die Rathaus-Sanierung verschlingt. Zuletzt war von 7,1 Millionen Euro die Rede. „Da wird langsam der Geldbeutel leer.“ Anfang des Jahrhunderts sei der Schuldenstand in Murnau sehr hoch gewesen und seitdem kontinuierlich reduziert worden. Dass er jetzt wieder kräftig ansteigen soll, schmeckt Probst gar nicht. „Die freie Spanne wird zu gering“ – und somit auch die Bewegungsfreiheit der Marktgemeinde. Eine Pro-Kopf-Verschuldung von 737 Euro in 2020, wie sie im Raum stehe, ist dem Vorsitzenden der Freien deutlich zu viel. „Man mag es mir verzeihen, dass ich da Bauchschmerzen habe.“

    Dabei ist auch Probst der Auffassung, dass Murnau bezahlbaren Wohnraum braucht. Für das Vorhaben am Längenfeldweg sieht er einen Zweckverband als Alternative. „Das würde uns vielleicht mehr Luft geben.“ Genossenschaftlicher Wohnungsbau würde es aus seiner Sicht nicht bringen. Der Grund: Unter zehn Euro Miete pro Quadratmeter gehe es nicht. „Das ist für mich ganz schön teuer.“ Ein Geringverdiener könne sich das nur schwer leisten. „Man muss ausloten, welche Alternative es gibt, ohne dass sich die Gemeinde so extrem übernimmt“, unterstrich Probst gegenüber dem Tagblatt. Ob er den Haushalt für 2017, über den die Volksvertreter seit Wochen sprechen, ablehnen wird, könne er jetzt noch nicht sagen. „Das entscheidet sich nach Ende der Beratungen.“

    Probst übte grundsätzliche Kritik an Rathauschef Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum). Es fehle an Führung und an Verlässlichkeit. Der Freien-Chef diagnostizierte zudem einen Vertrauensverlust „durch viele negative Ereignisse in diesem Jahr. Die Enttäuschung ist derzeit sehr beherrschend.“ Es gebe eine Fülle an Themen, die nicht mit der nötigen Muße abgearbeitet werden könnten. „Es sind fast schon zu viele Projekte in Murnau.“ Folge: Die Verwaltung werde überfrachtet.

    Das Thema bezahlbarer Wohnraum prägte die Debatte. Der frühere Gemeinderat Michael Wiesener sagte, der Schlüssel zu dem Problem liege im Flächennutzungsplan. Gemeindeeigene Areale müssten zu Bauland umgewidmet werden. Beisitzer Roger Zietz schloss sich an. „Wenn ich gewisse Dinge will, muss ich grundstücksmäßig die Voraussetzungen schaffen.“ Herbert Specht schlug vor, einen Vertreter der der Wohnungsgenossenschaft Penzberg einzuladen. Deren Anfänge reichen bis ins Jahr 1918. „Ich bewundere, wie das funktioniert und wie die Häuser in Schuss sind“, sagte Specht. Seinerzeit waren die Grundstücke freilich um ein Vielfaches günstiger. Zietz sprach von der „Gnade des frühen Starts“. Der Schlüssel in Murnau sei ein „verfügbares günstiges Grundstück“. Auch über eine mögliche Mischung von Wohnen und Gewerbe im Zentrum des Kemmelparks wurde debattiert. Wiesener hält diese Lösung für keine gute Idee. Hier zurückzurudern, sei „Nonsens“. Wiesener plädierte für das Forschungs- und Therapiezentrum, das ebenfalls im Gespräch ist. „Das ist das, was man sich wünscht für einen solchen Gewerbepark.“

Die Neuwahlen brachten keine Änderungen: Erster Vorsitzender: Welf Probst (seit 1999); Zweiter Vorsitzender: Ulrich Poettinger; Kassier: Martin Zander; Schriftführerin: Claudia Specht; Beisitzer: Roger Zietz, Peter Redl, Hubert Zach, Gerhard Lößlein.

Roland Lory

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