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Nach SPD-Meinung könnten möglicherweise die noch freien Flächen im Kemmelpark für eine Wohnbebauung verwendet werden.

Anträge von SPD und ÖDP/Bürgerforum

Kampf gegen die Wohnungsnot

Murnau - In Murnau herrscht akute Wohnungsnot. Die Ortspolitik ist sich einig, dass etwas unternommen werden muss. Nur was? Das ÖDP/Bürgerforum drängt auf soziale Richtlinien bei der Baulandausweisung. Die SPD fordert, öffentlichen Grund bereitzustellen – etwa im Kemmelpark.

Wer nach Murnau ziehen will oder etwas Neues sucht, hat ein Problem: Es gibt kaum freie Wohnungen und Häuser. Und wenn, dann zu Preisen, bei denen selbst Normalverdiener häufig nicht mehr mithalten können. Kaltmieten von deutlich über zehn Euro pro Quadratmeter Wohnfläche sind keine Seltenheit. Die Gründe für den Engpass sind bekannt: Der Staffelsee-Ort ist aufgrund seiner schönen Lage und hohen Lebensqualität sehr beliebt. Der Zuzug, vor allem aus München, ist groß. Allerdings gibt es kaum freien Grund. Der wird mittlerweile zu Liebhaberpreisen gehandelt. 600 Euro für den Quadratmeter Bauland sind schnell mal fällig, wie Branchenkenner berichten. Und die Eurokrise feuert das Ganze noch zusätzlich an.

 Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) spricht von einer „Notsituation auf dem Wohnungsmarkt“. Dieser funktioniere nicht mehr. Der Rathaus-Chef ist davon überzeugt: „Die öffentliche Hand muss eingreifen.“ Eine simple Ausweisung von Flächen würde allerdings seiner Ansicht nach keinen bezahlbaren Wohnraum ermöglichen, es brauche eine „soziale Komponente“. Aus diesem Grund schlägt die Bürgermeisterpartei ÖDP/Bürgerforum Richtlinien für eine „sozial gerechte Bodennutzung“ vor und hat hierfür dem Gemeinderat einen Antrag vorgelegt. Die Idee ist nicht neu: Viele Kommunen, allen voran die Landeshauptstadt München, setzen auf dieses Instrument, um die Knappheit an bezahlbaren Unterkünften zu überwinden. „Es gibt verschiedene Modelle“, so Beuting. Das Ganze funktioniert, vereinfacht gesagt, wie eine Art „Deal“, von dem beide Seiten etwas haben: Wenn die Kommune Bauland ausweist, schafft sie für den Eigentümer einen in der Regel gewaltigen Vermögenswert. Dafür verlangt sie generell, das ist der entscheidende Punkt, eine soziale Gegenleistung. Beispielsweise könnte der Besitzer einen Teil des Areals günstig für soziale Wohnbauprojekte zur Verfügung stellen, etwa für eine Genossenschaft oder andere Förderformen, oder der Gemeinde ein längerfristiges Belegungsrecht für Wohnungen einräumen. Beuting ist optimistisch, dass dieser Weg klappen könnte: „Es finden Gespräche mit privaten Eigentümern statt. Es gibt Bereitschaft.“

Holger Poczka, Fraktionschef des ÖDP/Bürgerforums, spricht von einem „Einstieg in das Flächen-Management“, das seiner Meinung nach dringend nötig sei. Der Markt habe es in den vergangenen Jahren versäumt, auf diesem Gebiet tätig zu werden – und verfüge in der Folge kaum über eigenen Grund. Den besagten Antrag verstehe er als Anstoß für eine Diskussion im Gemeinderat.

Alles schön und gut, meint SPD-Sprecherin Elisabeth Hoechner. Nur käme das Vorhaben des ÖDP/Bürgerforums erst langfristig zum Tragen. Murnau brauche aber schnell bezahlbaren Wohnraum. Die Preise seien eine „Katastrophe“, sagt die Sozialdemokratin. Selbst mit einem Durchschnittsgehalt komme man nicht weit. „Diese Situation entwickelt sich mehr und mehr auch zu einem Wettbewerbsnachteil für Murnau – gerade bei der Neuansiedlung oder Erweiterung von Betrieben“, schreibt Hoechner in einem Antrag. Darin fordert sie von der Verwaltung, ein „Gesamtkonzept für den Wohnungsbau“ zu entwickeln. Alle Gemeinde-Flächen müssten unter die Lupe genommen werden, ob sie sich für bezahlbaren Wohnraum eignen. Dazu zähle auch die zentrale Freifläche im Kemmelpark, die eigentlich für Gewerbe reserviert ist. Vorstellbar wäre dort eine Mischform aus Wohnungen und Büros.

Die Idee mit dem Kemmelpark kam bei einer Mitgliederversammlung des SPD-Ortsvereins auf. Die Gemeinde müsse „unverzüglich konkrete Schritte“ einleiten und „vielleicht auch unkonventionelle Wege einschlagen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Genossen sind davon überzeugt: Die wirtschaftliche und touristische Weiterentwicklung Murnaus sei „ganz eng mit der Wohnraumfrage verknüpft“.

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