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Ort des Geschehens: der Zughalt Ohlstadt. 

Durchsage kommt zu spät

Lebensgefährliche Aktion

Ohlstadt - Der Umbau des Ohlstädter Bahnhofs bringt seine Tücken mit sich. Das musste jetzt Johannes Gilg erfahren. Denn sein Zug fuhr völlig überraschend auf Gleis 2 ab und nicht auf Gleis 1. 

Der Vorfall hat sich nach der Schilderung des Ohlstädters folgendermaßen zugetragen. Der 56-Jährige, der seit 1996 nach München pendelt, und etwa sechs weitere Personen wollten um 8.25 Uhr Richtung Landeshauptstadt fahren. Doch dann kam eine Durchsage, dass der Zug 25 Minuten später eintrifft. Nachdem 22 bis 23 Minuten vergangen waren, wurde bekannt gegeben, dass der Zug nicht wie üblich auf Gleis 1 abfährt, sondern auf Gleis 2. 

Die Gruppe machte sich auf den Weg Richtung Bahnübergang, auf halber Strecke ging dann jedoch die Schranke runter. Erst fuhr der Zug aus Richtung Garmisch-Partenkirchen ein, kurz darauf der Zug aus Richtung München. Die potenziellen Fahrgäste hatten keine Möglichkeit mehr, zum Gleis 2 zu gelangen – außer unter der Schranke durchzugehen, was mehrere dann auch machten. Eine lebensgefährliche Aktion. Gilg wartete und überschritt das Gleis erst, als die Schranke aufging. Den Zug Richtung München, der 80 bis 100 Meter entfernt stand, erwischte er nicht mehr. 

Für den Pendler ist der Fall „sehr grenzwertig“. Er möchte sich nicht ausmalen, was alles passieren könnte. Die Zeit reiche in solchen Fällen nicht aus, um von Gleis 1 zu Gleis 2 zu gehen. Nach seiner Kenntnis hat es derartige Vorfälle schon öfters in Ohlstadt gegeben. Weiß die Deutsche Bahn davon? Auf diese Frage geht eine Bahnsprecherin auf Nachfrage nicht ein. Probleme mit Durchsagen gibt es jedenfalls nicht nur in Ohlstadt. Dies war auch schon in Oberau der Fall. 

Zu dem Vorkommnis in Ohlstadt erklärt die Bahnsprecherin, dass es wegen der Verspätung notwendig gewesen sei, „die Zugkreuzung mit einer anderen Regionalbahn, die normalerweise zwischen Hechendorf und Murnau stattfindet, auf Ohlstadt vorzuverlegen“. Solche betrieblich bedingten Gleisverlegungen seien die Ausnahme, allerdings für einen funktionierenden Bahnbetrieb immer wieder unerlässlich. 

„Im Grundsatz wird der Gleiswechsel akustisch einmal über Lautsprecher durchgesagt und einmal wiederholt“, sagt die Sprecherin. Des weiteren erscheine der Gleiswechsel im digitalen Informationsanzeiger, der am Bahnsteig steht. „Selbstverständlich ist unser Bestreben, dass die Information die Reisenden auch rechtzeitig erreicht. Leider hat im vorliegenden Fall die Informationskette zwischen dem Stellwerk in Garmisch, wo die Zugfahrten gesteuert werden, und dem Ansagezentrum, das für die Durchsagen am Bahnsteig verantwortlich ist, nicht zufriedenstellend geklappt.“ Die Folge sei gewesen, dass die Information zu spät bei den Reisenden ankam. „Dafür entschuldigen wir uns bei unseren Fahrgästen.“ Das Unternehmen weist bei dieser Gelegenheit darauf hin, dass ein Betreten des Bahnübergangs bei geschlossener Schranke unter keinen Umständen erlaubt sei. 

Zur Erinnerung: Dass der Zugang auf den zweiten Steig künftig nur über den Übergang an der Partenkirchner Straße zu erreichen sein soll, stieß in Ohlstadt vor ein paar Jahren auf massiven Widerstand. Bürger hatten sich damals, als der Umbau des Bahnhofs heiß diskutiert wurde, eine Unter- oder Überführung gewünscht. Eine barrierefreie Unterführung würde allerdings rund zwei Millionen Euro kosten, hieß es im Dezember 2013. Bezahlen müsste einen solchen Tunnel die Gemeinde. 

Thomas Engel, Leiter Regionalnetze Süd bei der DB Netz AG, hatte seinerzeit im Gemeinderat erklärt: „Der Bahnsteig zwei wird nur bei einer Verspätung benötigt, von der wir ausgehen, dass sie nicht eintrifft.“ Die Besucher brachen damals in schallendes Gelächter aus.

Roland Lory

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