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Fünf Mini-Zirben harren im Pflanzgarten der Bayerischen Staatsforsten in Laufen ihrer Bestimmung. Insgesamt wurden mehr als 1000 Stück hochgezogen.

Amt sieht geplante Aktion kritisch

Heftiger Streit um Baumpflanzung

Eschenlohe - Sie sind ein bedrohter Schatz: Die Zirben im Estergebirge wachsen nicht auf natürliche Weise nach. Daher ist eine Pflanzaktion geplant. Das Projekt sorgt aktuell für Debatten. Denn das Landratsamt kann den Plänen der Gemeinde Eschenlohe nicht viel abgewinnen.

Die Anzahl der kleinen Zirben, die im Pflanzgarten der Bayerischen Staatsforsten in Laufen stehen, ist beträchtlich. Mehr als 1000 Stück wurden seit 2011 aufgezogen. Mittlerweile haben sie eine Größe von 15 bis 20 Zentimetern erreicht und wären damit „ideal zum Auspflanzen“, wie Andreas Ludwig sagt, Leiter der Aufzucht- station. Die Bäumchen könnten also abgeholt werden. 

Dr. Stephan Gampe vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) und ein Helfer hatten die Samen 2011 im Schachengebiet gesammelt, wo das deutschlandweit größte Vorkommen der seltenen Baumart steht. Die Aktion hatte ihren Grund. Denn beim Zirbenvorkommen nahe des Krottenkopfs auf Eschenloher Gemeindegebiet gibt es ein Problem: Die Gewächse verjüngen sich nicht mehr, es wachsen auf natürliche Weise kaum Exemplare nach. Rund 40 bis 50 Stück stehen dort auf etwa 1600 Metern Meereshöhe. 

Der Plan war, die in Laufen aufgezogenen Zirben im Estergebirge einzupflanzen. Doch es gibt Bedenken der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt. Es gehe allerdings weniger um eine Ablehnung oder gar ein Verbot der Anpflanzung, sagt Sprecher Stephan Scharf. Sondern vielmehr um die Frage, ob sich diese als Ausgleichsmaßnahme im Rahmen der Bauleitplanung eigne. „Dies würde voraussetzen, dass die Pflanzung zu einer erheblichen Aufwertung der Flächen führt.“ Die Kreisbehörde glaubt jedoch, dass der Klimawandel für die Zirbe in dieser Höhenlage ein Problem werden könnte. 

Ein weiterer Punkt sei „die fehlende Ursachenforschung“. Es sei ungeklärt, ob es in den vergangenen 100 Jahren überhaupt einen Rückgang dieser Baumart gab oder ob es für die Zirbe noch andauernde schädliche menschliche Eingriffe gibt, erklärt Scharf. „Weiterhin ist ungeklärt, ob solche eventuell schädlichen Nutzungseinflüsse abgestellt werden könnten.“ Solange diese Fragen nicht beantwortet seien, könne nach den allgemeinen Grundsätzen des Naturschutzes eine solche Pflanzung nicht als sinnvolle Maßnahme betrachtet werden.

Gampe kann diese Haltung nicht nachvollziehen. Über die Zirbe gebe es von Fachbehörden auch „ganz andere Aussagen“. Er ist überzeugt: Die Pflanzung „würde einem solchen Ökosystem einen Schub geben“. Auch wenn nur 30 Prozent der angepflanzten Zirben hochkämen, hätte diese im Estergebirge eine „gesicherte Zukunft“. 

Auch Professor Dr. Ulrich Ammer, der die Gemeinde in Sachen Ökokonto-Planung betreut, kann die Einwände des Landratsamts nicht verstehen. „Es ist üblich, überall da, wo die Natur nicht vorankommt, nachzuhelfen.“ Ammer ist allerdings optimistisch, dass sich der Zirben-Streit noch zum Positiven wendet. 

Eschenlohes Bürgermeister Anton Kölbl (CSU) will momentan nicht viel sagen. „Es ist ein schwebendes Verfahren. Man ist sich nicht einig, es ist aber auch noch nicht das letzte Wort gesprochen.“ Er will noch Fachleute befragen. Auch bei der nächsten Sitzung des Gemeinderats soll die Thematik besprochen werden. Wie Landratsamtssprecher Scharf mitteilt, könne die Gemeinde trotz des Zweifels am Sinn dieser Maßnahme „selbstverständlich eine solche Pflanzung aus forstlichen Gründen durchführen“. 

Eines ist klar: Die Bäumchen, die in Laufen ihrer Bestimmung harren, werden nicht weggeworfen, sollten sie in Eschenlohe nicht zum Einsatz kommen. „Wir kriegen sie auch anderweitig unter“, sagt Stationsleiter Ludwig. „Da finden sich sicherlich Flächen.“ Allerdings sollten die Zirben ihm zufolge heuer oder im Laufe der kommenden zwei Jahre in die freie Natur kommen, damit die Wurzeln nicht zu sehr verfilzen. „Sie sollten nicht zu lange im Topf verbleiben“, betont Ludwig.

Roland Lory

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