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Welche Projekte sind dringend notwendig?

Kritik an „Straßenbauorgie“ in Murnau

Murnau  - Weitere Umfahrung Murnaus im Norden: Bund Naturschutz fordert Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt auf, das Projekt aus dem Bundesverkehrswegeplan zu streichen.

Die Kritik ist harsch: Der Bund Naturschutz (BN) empfindet den neuen Bundesverkehrswegeplan als „Straßenbauorgie“. „Ein typisches Beispiel für den geplanten überdimensionierten Straßenbau“ sei die Planung der Murnauer Ortsumfahrung, heißt es in einer Pressemitteilung, die Dr. Rudolf Nützel verschickt hat, Vorsitzender der BN-Ortsgruppe Murnau mit Umgebung. Nach Ansicht des BN erfolgte die großräumige Umgehung der Marktgemeinde bereits im 20. Jahrhundert mit dem Bau der Autobahn München-Garmisch-Partenkirchen (A 95). „Eine weitere Umfahrung von Murnau ist daher abzulehnen.“ Die Naturschützer sind sich sicher: „Die Verbesserungen entlang der Reschstraße und Weilheimer Straße würden durch massive Naturzerstörungen zwischen dem Gewerbegebiet Murnau und Riedhausen erkauft.“ Ferner würde die Umgehung nach BN-Meinung mehr Autos und LKW anziehen und zu Mehrbelastungen im Süden Murnaus und in Seehausen führen.

Nützel bringt es auf die Formel: „Wer mit der Nordumfahrung eine neue Straße sät, wird mehr Belastung durch Verkehr an anderer Stelle ernten.“ Die Murnauer Umgehungsstraße ist wie berichtet im neuen Bundesverkehrswegeplan in den vordringlichen Bedarf aufgerückt. Politiker hatten dies immer wieder gewünscht. Nützel sieht damit jedoch mehr Belastungen auf die Bürger zukommen. „Für die gesamte Bevölkerung im nördlichen Landkreis würde dies mehr Abgase, mehr Schadstoffe und mehr Lärm bedeuten. Und die Gefahr ist sehr groß, dass zwischen Weilheimer Straße in Murnau und Riedhausen ein riesiges Gewerbegebiet entsteht. So wird unsere Heimat zerstört und nicht bewahrt,“ schimpft der Seehauser. Die Ziele der Bundesregierung zur Verringerung von Treibhausgasen und des Pariser Klimaschutzabkommens würden durch den Entwurf zum Bundesverkehrswegeplan konterkariert. „Eine Reduzierung von Treibhausgasen kann nur durch ein Umsteuern in der Verkehrspolitik erreicht werden.“ Eine Minderung von Stickoxiden und Feinstaub sei nur möglich, wenn die Zahl der Pkw- und Lkw-Fahrten durch Verkehrsverlagerung auf die Schiene gesenkt wird. „Der Schienenverkehr im Raum Murnau kann durch den zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke zwischen Murnau und Uffing verbessert werden.“ 

Doch das Projekt ist nicht mehr Bestandteil des Bundesverkehrswegeplans. Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisierte dies kürzlich scharf. Norbert Moy, Leiter der Kreisgruppe Weilheim- Schongau, unterstrich, dass „eine zukunftsfähige Lösung für eine Nord-Süd-Achse zwischen München und Garmisch-Partenkirchen nur die elektrisch betriebene und auf zwei Gleise ausgebaute Bahnstrecke sein kann“ (wir berichteten). Wie Pro Bahn findet auch der BN, dass die Bahn gestärkt werden müsse. Zusätzliche Verkehrswege zu eröffnen bedeutet aus Sicht der Naturschützer Dämme niederzubrechen – mit der Folge, dass der Pkw- und Lkw-Verkehr zunimmt. Kurzum: Die BN-Ortsgruppe fordert in ihrer Stellungnahme ans Bundesverkehrsministerium, die Umfahrung Murnaus aus dem Bundesverkehrswegeplan zu streichen. Auch die Landtagsabgeordnete Claudia Stamm (Bündnis 90/Die Grünen) äußert Kritik an geplanten Umgehungsstraßen zwischen Weilheim und Garmisch-Partenkirchen. Diese Projekte lägen im Bereich der Alpenkonvention „und genießen daher besonderen Schutzstatus. Diesem wird aber bei den Planungen null Komma null Rechnung getragen.“ Der Bundesverkehrswegeplan nehme „keine Rücksicht auf ökologische Kriterien, sondern verteile vermeintliche Geschenke – auch im Wahlkreis von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). „Es kann nicht sein, dass wir die Alpen nachhaltig mit Pkw-Verkehr fluten, weil oberbayerische Verkehrsminister die Protokolle zur Alpenkonvention nicht lesen können oder nicht verstehen“, schimpft die Abgeordnete. Und es habe mehr als einen Beigeschmack, wenn von allen bayerischen Projekten am Ende vor allem die realisiert werden, in deren Nähe der Bundesverkehrsminister oder sein direkter Amtsvorgänger wohnen.

Roland Lory 

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