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Halt vor den Schultüren: Junge Leute steigen am Dienstagmorgen aus dem RVO-Bus.

Schülerbeförderung

Plötzlich Bahn statt Bus: Eltern reagieren verärgert

Ohlstadt - Junge Ohlstädter, die über Jahre mit dem Bus in Gymnasium und Realschule nach Murnau gefahren sind, müssen nun auf Züge umsteigen. Eltern ärgern sich darüber, doch ihre Gegenwehr blieb erfolglos. Das zuständige Landratsamt verweist auf Gesetze. Dabei gäbe es Wege.

Die komfortable Bus-Verbindung gibt es weiter – mit Haltestelle direkt vor Murnauer Realschule und Staffelsee-Gymnasium. Doch der Großteil der Ohlstädter, die diese besuchen, darf den gewohnten RVO-Bus seit diesem Herbst nicht mehr benutzen – es sei denn, die Eltern zahlen die mehr als 50 Euro teure Karte jeden Monat aus eigener Tasche. Das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen trägt streng nach Gesetz nur die Kosten für die „günstigste und zumutbare Beförderungsmöglichkeit“ – und als solche machten die Behördenvertreter den Zug aus, nachdem die Querelen um den Ohlstädter Bahnhofsumbau beigelegt wurden und mittlerweile wieder alle Züge im Dorf halten. Dieses Monatsticket schlägt mit 36,30 Euro zu Buche.

75 Realschüler und Gymnasiasten betrifft die Neuerung: Ihre Wegstrecke von daheim zum Ohlstädter Bahnhof sowie von der Murnauer Zugstation zur Schule liegt insgesamt unter den drei Kilometern, die der Gesetzgeber als „Zumutbarkeitsgrenze“ festlegte. 15 Ohlstädter erhalten indes weiter die Bus-Schiene-Karte für 51,80 Euro im Monat – weil sie schlicht ein wenig weiter vom heimischen Bahnhof weg wohnen als ihre Mitschüler.

Eltern geißeln die Sache als „Wahnsinn“. Doch selbst nach einer Unterschriftenaktion rückte das Landratsamt nicht von seiner Linie ab. Die Initiatorin, eine betroffene Mutter, die namentlich nicht genannt werden möchte, hält es für „unsinnig, hier an ein paar Kindern zu sparen“. Sie ärgerte sich sehr, als sie davon erfuhr, und setzte alle Hebel in Bewegung, um das neue Übel noch abzuwenden – vergeblich. „Ein bisschen Gehen schadet nicht“, findet sie. „Aber der Weg vom Murnauer Bahnhof zu den Schulen ist, gerade im Winter, schon sehr weit“ – rund zwei Kilometer lang. Diese müssen die jungen Leute zum Teil an der vielbefahrenen Durchgangsstraße zurücklegen. Manche Eltern überlegen nun, ihren Kindern zumindest im Winter den Bus zu spendieren. Zudem findet die Ohlstädterin es „ungut“, dass befreundete Schüler auseinandergerissen wurden, die ihren Weg zum Unterricht zuvor immer zusammen bestritten hatten. „Ich weiß von Kindern, die wohnen fast nebeneinander“, sagt sie – der eine erhält weiter ein Kombi-Ticket, dem anderen bleiben nur Zug und Fußmarsch. Fast alle Eltern, erklärt die Mutter, wären bereit gewesen, die Differenz zwischen der günstigeren Zugkarte und dem teureren Bus-Schienen-Billett zu tragen.

Doch diese Möglichkeit räumt ihnen das Landratsamt nicht ein. Für die Behörde gibt es nur ganz oder gar nicht: Wer lediglich Anspruch auf eine Zugkarte besitzt, aber Bus fahren möchte, müsse die Kosten für dieses Ticket „selber tragen“, teilte die Pressestelle der Behörde mit, die auf gesetzliche Vorgaben verweist, nach der bei der Schülerbeförderung „Grundsätze der Wirtschaftlichkeit beachtet werden müssen“. Dies gelte für alle Orte im Landkreis, auch wenn sich die Situation wegen unterschiedlicher Beförderungsmöglichkeiten und Tarife nicht generell von Ohlstadt auf andere Gemeinden übertragen lasse. 

Ohlstadts Bürgermeister Christian Scheuerer (parteifrei) kann Bedenken der Eltern nachvollziehen: „Die Regelung ist nicht perfekt, das ist völlig klar.“ Er schaltete sich ein: Man habe „von Gemeindeseite alles versucht“, um mit Vertretern des Landratsamts „eine tragbare Lösung für alle Seiten zu finden“. Aber auch Scheuerer kam nicht vom Fleck. „Die Schülerbeförderung läuft über den Landkreis, die Gemeinde hat das nicht in der Hand.“

Wo aber ein politischer Wille, da ein Weg – er könnte in dieser Frage Berge versetzen. Die Nachbarn machen’s vor. Der Kreistag von Weilheim-Schongau hat schon 2003 entschieden, mehr Entgegenkommen an den Tag zu legen, wenn auch ohne gesetzlichen Anspruch. Eltern, deren Kinder weniger als die „zumutbare Restwegestrecke von drei Kilometern“ marschieren und deshalb mit dem Zug fahren müssten, können, wenn Bahn und Bus verfügbar sind, den Bus wählen. Die Eltern haben in diesem Fall lediglich die Mehrkosten zu tragen.

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