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Packende Lebensgeschichte: Die aus Afghanistan stammende Roya (l.) und Cornelia von Schelling, die das Buch „Die Hoffnung im Gepäck“ herausgegeben hat, bei der Lesung in der Buchhandlung Gattner.

Fehler wurde ihr in der Hochzeitsnacht bewusst

Lesung über die Horror-Ehe mit einem Taliban

Murnau - Diese Lesung ging den Zuhörern unter die Haut: Afghanin Roya erzählt über die Liebe zu einem linientreuen Taliban. Und über ihren Leidensweg. 

Man sieht Roya die Strapazen, die sie durchmachen musste, kaum noch an. Nur in ihren Augen spiegeln sich zuweilen die tiefen seelischen Verletzungen wider, die sie erfahren musste. Selbstsicher blickt sich die 47-jährige Afghanin, die seit 2000 in Deutschland lebt, in der Murnauer Buchhandlung Gattner um, lächelt den Zuhörern freundlich zu und nimmt neben Cornelia von Schelling an einem kleinen Tischchen Platz.

Letztere ist Herausgeberin des im Allitera-Verlag erschienenen Buches „Die Hoffnung im Gepäck“, in dem verschiedene Schriftsteller Begegnungen mit Flüchtlingen schildern. Nachdem Autorin Asta Scheib erkrankt war, las Herausgeberin von Schelling selbst das Kapitel „Ein Mädchen? Wirf es weg“, in dem Roya – sie möchte ihren Nachnamen nicht nennen – ihren Leidensweg auf drastische Weise nachgezeichnet wird.

Die Afghanin stammt aus einer gut situierten, liberalen tadschikischen Familie in Kabul und hat Jura studiert. Doch dann verliebte sie sich in einen Paschtunen. Einen linientreuen Taliban, wie sich später herausstellte. Noch in der Hochzeitsnacht wurde ihr klar, dass sie einen schweren Fehler begangen hatte. Sie fand sich als rechtloses Nichts wieder und erfuhr hautnah, was häusliche Gewalt bedeutet.

Gleichwohl schenkte sie dem Mann, der nun seine höfliche Maske endgültig fallen ließ, zwei Söhne und eine Tochter. Als von Schelling die Passage bei der Lesung vorträgt, in der Royas dramatische, mehrere Jahre dauernde Flucht geschildert wird, die sie unter anderem über Pakistan und Russland führte, herrscht Totenstille in der Buchhandlung. Entsetzen ist auf den Gesichtern der Besucher abzulesen, als die Ermordung von Royas Vater durch die Brüder ihres Mannes zur Sprache kommt.

Über Ungarn und Österreich gelangte die Frau mit ihren Kindern schließlich 2000 nach Deutschland, wo sie zunächst in einem Asylbewerberheim in Deggendorf, dann vier Jahre in Ingolstadt lebte. Als Kassiererin in einer amerikanischen Fastfood-Kette verdiente sie sich etwas dazu, später half sie in Gaststätten aus und ging putzen.

Seit 2015 ist sie offiziell eingebürgert. Mittlerweile arbeitet sie als begehrte Dolmetscherin für eine Hilfsorganisation sowie für die Polizei und die Regierung von Oberbayern. Ihre beiden Söhne sind Filialleiter von Handelsketten, ihre Tochter ist im öffentlichen Dienst tätig.

„Seit ich in Deutschland bin und die Schwierigkeiten vorbei sind, bin ich glücklich“, bekennt Roya sichtlich erleichtert. Was empfindet sie, wenn sie ihre eigene Geschichte hört?, möchte ein Zuhörer wissen. „Es fühlt sich gut an, dass ich das bin und etwas geschafft habe“, verrät die 47-Jährige.

Ihre Tätigkeit als Dolmetscherin für Asylbewerber sieht sie vor allem unter sozialen Aspekten: „Menschen zu motivieren, ist Teil meiner Persönlichkeit geworden.“

Was denn ihr Wunsch für die Zukunft sei, fragt Stefanie Haser, Bildungsreferentin der Georg-von-Vollmar-Akademie, die Mitveranstalter des Abends ist. „Dass Kinder sich nicht von der Gesellschaft manipulieren lassen“, betont Roya mit Nachdruck. „Sie sind ohnehin die schlauesten Menschen auf der Welt.“

Heino Herpen

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