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Besiegeln die Kooperation: Bürgermeister Rolf Beuting und Historikerin Dr. Edith Raim.

Erforschung der braunen Ära

„Kein Nürnberger Prozess im Kleinen“

Murnau - Der offizielle Startschuss zur Erforschung der NS-Zeit in Murnau ist gefallen: Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) und die Historikerin Dr. Edith Raim unterzeichneten den Kooperationsvertrag. 

Dabei betonte der Rathauschef, dass im Zuge der Aufarbeitung keine Personen an den Pranger gestellt werden sollen. „Wir sind keine Ankläger. Wir führen nicht den Nürnberger Prozess im Kleinen nochmal.“ Es gehe darum, Strukturen und Prozesse zu erkennen. 

Raim, geboren in München und aufgewachsen in Landsberg, hatte, wie berichtet, den Forschungsauftrag bekommen. Die 50-Jährige äußerte sich in gleichem Sinne wie der Bürgermeister. Der Kreisleiter der NSDAP sei eine Person des öffentlichen Lebens gewesen. Ihn namentlich zu nennen, „da kommt man nicht drum herum“. Anders sei es hingegen bei Personen, die Mitglied der Partei und der SA waren. Hier sehe sie „keine Veranlassung“, Namen zu erwähnen. 

Wobei Raim bei dem Termin im Interims-Rathaus auch unterstrich, dass man die Dinge klar benennen müsse. „Man kann Geschichte nicht ändern.“ Aus ihrer langjährigen Forschungsarbeit weiß Privatdozentin Raim, dass die Beschäftigung mit der braunen Ära für einen Ort schmerzhaft sein kann. 

„Wir haben uns ganz bewusst für eine Wissenschaftlerin von außen entschieden, die eine neutrale Sicht mitbringt und sich unabhängig in die Verhältnisse einarbeiten kann“, sagte Beuting. Es handle sich dabei um eine „professionelle Aufarbeitung. Das wird keine Hobby-Geschichtsschreibung.“ 

Raim hatte das Rennen unter zuletzt drei Bewerbern gemacht. Der Hauptausschuss entschied über die Personalie. Zunächst soll Raim eine Machbarkeitsstudie anfertigen. Hierfür ist ein Zeitraum von einem halben Jahr vorgesehen. Raim kennt sich mit der Geschichte der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus auf lokaler Ebene bestens aus. Sie hat bereits Publikationen über Landsberg in der Zeit zwischen 1923 und 1958 und über Dachauer KZ-Außenkommandos vorgelegt. Zuletzt war die 50-Jährige an der kitischen Edition von „Mein Kampf“ beteiligt. Raim setzte sich dabei mit dem autobiographischen Teil von Hitlers Hetzschrift auseinander. Sie ist derzeit Lehrbeauftragte für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Augsburg. 

Nach Beutings Ansicht ist es höchste Zeit, dass die braune Ära wissenschaftlich beleuchtet wird. „Wir stellen uns der Vergangenheit als Markt Murnau. Das war nicht immer so. Wir haben uns dem mehr oder weniger verweigert.“ Ein Kurswechsel erfolgte 2011. Damals wurde die Bezeichnung Max-Dingler-Hauptschule im Eilverfahren getilgt. Zwischenzeitlich hieß die Bildungseinrichtung schlicht Mittelschule, seit ein paar Monaten trägt sie den Namen des Widerstandskämpfers Christoph Probst. 

Beuting sieht in der professionellen Erforschung der Nazi-Ära sowie der Vor- und Nachgeschichte ein „Zeichen gegen das Vergessen und Verdrängen“. Das Thema habe auch „aktuelle Relevanz wegen des Rechtsrucks in Deutschland und Europa“. 

Der Bürgermeister hofft, dass am Ende Schülergruppen sich mit den Ergebnissen beschäftigen und auch damit weiter arbeiten. Beuting kündigte ferner an, dass während der Hauptforschungsphase öffentliche Veranstaltungen stattfinden werden, auf denen Raim Zwischenberichte abgeben werde. 

Die Historikerin hofft auf die Unterstützung aus der Bevölkerung. Raim würde es helfen, wenn Bürger Fotoalben, Briefe, Dokumente, Tagebücher und dergleichen zur Verfügung stellen. Am Ende wird ein Buch erscheinen – und vielleicht auch eine Ausstellung gezeigt.

Roland Lory

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