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Vorübergehend allein im Horst: Ein Jungstorch ist am Montagnachmittag ausgeflogen, der zweite wartet im Nest. Ein Elternteil kehrt gerade zurück.

Künftig noch mehr Storchen-Nester?

Murnau - Beste Haltungsnoten, sanfte Landung: Einer der beiden Murnauer Jungstörche hat seinen Jungfernflug ohne Probleme gemeistert und ist sicher ins Nest zurückgekehrt. Der Nachwuchs auf dem Dach der Seidl-Grundschule ist dabei, flügge zu werden – sehr zur Freude der Vogelschützer vor Ort.

Im Prinzip könnten beide fliegen, man sei „sehr erleichtert, dass das heuer einen so guten Weg nimmt“, betont Michael Schödl, Geschäftsführer der Regionalgruppe des Landesbunds für Vogelschutz (LBV).

Damit spielt Schödl auf den etwas entwicklungsverzögerten Muki – Murnaus erstes überlebendes Storchenkind überhaupt – an, den der LBV im vergangenen Jahr nach erfolglosen Hopsern aus dem Nest kurzzeitig in seine Obhut genommen hatte. Schödl resümiert: „Wir haben insgesamt ein deutlich besseres Jahr als 2015.“

Natürlich: Die schwierige Witterung mit Kälte und heftigem Regen setzte den jungen Weißstörchen zu und sorgte dafür, dass der erste Ausflug, der bei günstigen Bedingungen für Anfang Juli zu erwarten gewesen wäre, mehr als zwei Wochen später über die Bühne ging. Auf diesen Moment hatten viele gewartet – entsprechend war Schödl „gelöchert“ worden, wann es endlich so weit sei.

Hans-Joachim Fünfstück rechnet damit, dass das andere Junge, das ein wenig hinten dran ist, dem Vor-Flieger bald folgen wird. Der Vorsitzende der LBV-Regionalgruppe zieht ein positives Murnauer Fazit: Zwei von drei Küken kamen durch – „das ist nicht schlecht“. Denn Fünfstück räumt ein, angesichts von Kälte und Nässe „doch ein bisschen Angst“ gehabt zu haben um die Kleinen. Doch die Befürchtungen traten nicht ein, die Murnauer Kindl überlebten. Fünfstück vermutet, dass die Gemeinde auf Dauer Storchenstandort bleiben wird – und vielleicht weitere Nester im nördlichen Landkreis folgen. „Die Lücken zwischen den Standorten werden kleiner“, bestätigt Schödl. Obersöchering etwa hatte erstmals seit Jahrzehnten wieder Störche im Ort. Zudem gilt: „Jungvögel siedeln sich bevorzugt im näheren Umkreis ihres Geburtsortes an“, sagt Fünfstück.

Dabei ist Murnau angesichts der unwirtlichen Bedingungen am südlichsten Horst der Republik ein Phänomen. LBV-Expertin Oda Wieding nennt die hiesigen Störche „Pioniere“. Sie hofft, heuer den bayernweiten Schnitt von zwei überlebenden Tieren pro Nest zu erreichen. Hier liegt Murnau im Trend. Seine Jungen werden in den nächsten Wochen in der Region bleiben, vermutlich immer wieder im Horst auftauchen und übernachten. Der Ausflügler vom Montag ließ sich nach einer Runde in der Luft wie sein Geschwisterchen von einem Altvogel Nahrung bringen. „Sie werden noch zwei Monate von den Eltern betreut“, sagt Schödl – es gibt viel zu lernen und zu üben, etwa die Futtersuche. Die Eltern werden ihre Lieferungen einstellen und so dafür sorgen, dass die Jungen mit ihnen aufs Feld fliegen. „Niemand sollte sich wundern, wenn der Horst in den nächsten Wochen mal leer ist“, betont Schödl. 

Irgendwann kommt dann die Zeit des Abschieds. Der Familienverband löst sich auf, die selbständigen, trainierten Jungen werden auf Zugtrupps treffen und sich einer Gruppe anschließen, die nach Spanien oder bis Afrika zieht. In der Regel kehren die Vögel, wenn sie die Gefahren überleben, mit der Geschlechtsreife im Alter von zwei bis drei Jahren zurück, um selbst zu brüten – vielleicht in Murnau, vielleicht in der Umgebung. Die Störche gehören längst zum Ort, die Menschen mögen sie. „Wahrscheinlich“, sagt Fünfstück, „werden die Murnauer im nächsten Jahr ab Februar oder März wieder gespannt in den Himmel schauen.“ Und sich auf die Ankunft ihrer Störche freuen.

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