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Puppen sind ihre Passion: Ilona Matzke inmitten ihrer Sammlung. In der Hand hält sie eine Originalpackung mit einer Figur von Elvis Presley von 1996.

300 Barbies sind das Highlight

Murnauer Puppenmuseum: Ilona Matzke hegt und pflegt einen riesigen Schatz

Murnau – Kleine Mädchen geraten im Puppenmuseum von Ilona Matzke in pure Verzückung, während ihre Mütter versonnen in persönlichen Erinnerungen schwelgen. Bisher ist die Einrichtung in den Räumen am Ödön-von-Horváth-Weg in Murnau noch wenig bekannt.

 Dabei zeigt die 69-Jährige ihre Schätze durchaus gerne her. „Wenn Kindergruppen kommen, sind die Buben gleich wieder draußen, Mädchen hingegen wollen alles in die Hand nehmen“, sagt die Inhaberin. Daher sind ihr Führungen mit Erwachsenen und einzelnen Kindern lieber.

Wie ist sie dazu gekommen?„Meine Mutter Ursula Brose war eine leidenschaftliche Sammlerin und hatte eine große Puppensammlung in München“, so Matzke. „Sie sammelte Stoffe auf Flohmärkten und schneiderte ihren zahlreichen Puppen wunderbare Kleider. Auch konnte sie deren Celluloidköpfe reparieren, indem sie das Material schmolz und Löcher oder defekte Stellen schloss.“

Eine ganze Abteilung von Matzkes Präsentation ist den Käthe-Kruse-Puppen gewidmet, über die sie viel zu erzählen weiß. „Die Puppenköpfe der Anfangszeit bestanden aus Pappmaché und gingen leicht kaputt. Käthe Kruses Tochter Sofie, die ab 1959 in Riehausen eine Werkstatt betrieb, experimentierte deshalb mit verschiedenen Materialien.“ Gewissermaßen als Nebenprodukt ihrer Versuche erfand sie die Knetmasse „Fimo“, die noch heute von der Firma Staedler in Nürnberg produziert wird. Ihre Mutter Käthe Kruse starb im Juli 1968 in Murnau.

Den größten Teil von Matzkes Sammlung machen nicht die über 200 Exponate von Käthe-Kruse, Schildkröt, Sylvia Natterer und anderen Herstellern aus, sondern die Barbie-Puppen, wobei sie besonders stolz auf die ersten Exemplare aus den 1960er Jahren ist. „Nur wenige Menschen wissen, dass die Urmutter der Barbie eigentlich aus Bayern stammt“, verrät die Museumschefin. „Ruth Handler, Mitinhaberin des Mattel-Konzerns, entdeckte 1958 in einem Schaufenster in Luzern eine Modepuppe, die sie sofort erwarb.“ Damit hatte es eine besondere Bewandtnis: Von 1952 bis 1961 erschien in der Münchner Ausgabe der Bild-Zeitung täglich ein Comic des Zeichners Reinhard Beuthien, in dem die Erlebnisse einer jungen, kessen Münchnerin geschildert wurden. Wegen der Popularität dieser attraktiven Frauenfigur entschloss sich die Redaktion 1953, nach ihrem Vorbild eine Puppe in Großserie anfertigen zu lassen. Eine Spielzeugfabrik in Coburg übernahm Entwicklung und Herstellung der Lilli, von der auch Exemplare in die Schweiz und somit in das Luzerner Schaufenster gelangten. 1959 wurde die erste Barbie bei der Spielwarenmesse in New York vorgestellt, deren Namen auf Handlers Tochter Barbara zurückging. 1964 erwarb Mattel alle Rechte an dem Produkt. Ein Siegeszug begann. Kamen die damals in dieser Form geradezu revolutionären Puppen in den ersten Jahren noch mit ernstem Gesichtsausdruck daher, durften sie ab 1967 fröhlicher dreinblicken und ab 1977 sogar lächeln.

So sind die über 300 Barbies in Matzkes Museum zeitlich gut einzuordnen. Die Kleidung der Puppen präsentiert sich in einer geradezu überwältigenden Vielfalt. Aus Sonderserien stammen etwa Figuren aus dem Film- und Showgeschäft wie erstaunlich lebensechte Darstellungen von Audrey Hepburn (als Eliza Doolittle im weißen Prachtkleid), Elvis Presley, Michael Jackson, Shakira und Heidi Klum. Sie alle hat Ilona Matzke in ihren Originalverpackungen belassen: „So behalten sie ihren Wert. Sie sind für erwachsene Sammler gedacht, zum Spielen für Kinder wären sie zu schade.“ Nicht zu vergessen die bis ins kleinste Detail ausgestatteten Puppenstuben, die Sammlung von Steiff-Tieren und anderen Spielsachen, die Ursula Brose (heute 93) einst zusammentrug.

Wer das Museum besuchen möchte, sollte unter der Telefonnummer 0172/981 87 24 einen Termin vereinbaren.

Heino Herpen

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