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Zum Absterben verurteilt: einer der beschädigten Bäume auf der Halbinsel Burg.

Markt Murnau pocht auf Ersatzpflanzungen

„Krimineller Baumfrevel“ in Seehausen

Seehausen - Heidi Bäuml ist entsetzt. Die 75-jährige Natur- und Tierschützerin aus Seehausen hält das, was in einem Auwäldchen am Georg-Lindner-Weg passiert ist, für einen „kriminellen Baumfrevel“.

In dem besagten Wäldchen, das auf Seehauser Flur liegt und dem Markt Murnau gehört, sind nach Angaben von Murnaus Kämmerer Hubert Süß sieben Bäume so schwer beschädigt worden, „dass alle zum Absterben verurteilt sind“. Man sei dran an der Geschichte, betont er.

Die Marktgemeinde hat eigens einen Sachverständigen zu Rate gezogen. Offenbar wurden die Rinden der gesunden, ausgewachsenen Birken, Weiden und Linden mutwillig ringsum mit Werkzeugen bearbeitet. Damit ist ihr Ende besiegelt. 

Bäuml, Mitglied beim Vogelschutzbund, hat sich in ihrer Wut an die Behörden gewandt. Aus Sicht der Seehauserin wäre es „schlimm“, wenn dieser „Baumfrevel keine gravierenden Strafmaßnahmen für den Verursacher zur Folge hätte“. 

Dr. Rudolf Nützel, Vorsitzender der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe Murnau mit Umgebung, spricht gar von einem „Skandal“. Er würde sich wünschen, dass die Gemeinde Seehausen eine Baumschutzverordnung einführt. „Dann hat das einen anderen Stellenwert.“ Der Seehauser bedauert, dass der Wert von Bäumen in der Kommune anscheinend nicht hochgehalten werde. Als Beispiel nennt er das ehemalige Tipecska-Areal. „Da ist kein alter Baum erhalten geblieben.“ 

Auch das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen weiß von dem Geschehen am Georg-Lindner-Weg. „Unsere Möglichkeiten sind aber leider sehr stark begrenzt“, teilte Behördenmitarbeiter Simon Untergruber Bäuml mit. Der Markt Murnau als Eigentümer könne eine Strafanzeige wegen Verdachts einer Sachbeschädigung erstatten. 

Dies erwägt die Marktgemeinde laut Süß. „Es gibt einen Verdächtigen.“ Die Kommune wolle jedoch zunächst versuchen, sich mit der betreffenden Person auf eine Ersatzpflanzung zu verständigen. Auf Kosten des Verursachers versteht sich. Eingesetzt werden sollen keine kleinen Bäumchen, sondern größere Exemplare, wie der Marktkämmerer betont. „Die Ersatzpflanzung erfolgt in Abstimmung mit dem Landratsamt.“ Der Mann, der des Baumfrevels verdächtigt wird, wollte sich gegenüber dem Tagblatt nicht äußern. Das Landratsamt ist nach eigener Aussage auch schon wiederholt an ihn herangetreten. 

Seehausens Bürgermeister Markus Hörmann (CSU) ist die Thematik bestens bekannt. Mindestens alle zwei Jahre würden in dem Wäldchen Gewächse beschädigt, stöhnt der Rathauschef. „Wir sind ständig in dieser Sache tätig.“ Die verdächtige Person sei angeschrieben worden. „Doch wir laufen immer wieder gegen eine Wand. Uns sind die Hände gebunden. Mit demokratischen Mitteln kommt man da an ein gewisses Ende.“ Der Bürgermeister findet das ganze Thema „unsäglich“. „Im Endeffekt kann man das Gelände nur einzäunen, wenn man dort nicht patrouillieren will.“ Hörmann sagt, die Ersatzpflanzungen seien in Absprache mit Murnau gefordert worden. 

Bäuml, die keine Anwohnerin ist, bedauert, dass der Verursacher sein Unwesen „schon seit Jahren“ treibe. „Und es scheint, dass man ihm nie mittels Strafmaßnahmen das Handwerk legen konnte.“ 

Das Wäldchen liegt im Bereich des Bebauungsplans ,,Halbinsel Burg“ der Gemeinde Seehausen. ln diesem sind laut Untergruber einzelne Gehölze und Gehölzgruppen an ihrem Standort als zu erhalten festgesetzt. „Außerdem wurden Nutzungsregelungen zum Beispiel für den Bruchwald getroffen.“ Darunter versteht man eine permanent nasse, zeitweise auch überstaute Gehölzvegetation. 

Untergruber wies Bäuml noch drauf hin, dass es sich bei dem Bebauungsplan um eine gemeindliche Satzung handle. „Sowohl die Durchsetzung der betreffenden Festsetzungen als auch die Ahndung der Ordnungswidrigkeiten“ sei demnach Angelegenheit der Kommune Seehausen.

Roland Lory

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