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Menschliche Zuwendung: Eine Pflegekraft hält einer Seniorin in einem Heim die Hand.

Pflegenotstand hat die Region längst erreicht

Schwierige Suche nach "Handwerkern am Bett"

Murnau - Es gibt zu wenige Pflegekräfte – schon jetzt. Und künftig, davon sind Experten überzeugt, wird das Problem weiter wachsen. Auch im Raum Murnau sind wirkliche Fachkräfte rar gesät.

Der Fachkräftemangel in der Pflege ist längst in der Region Murnau angekommen. „Das wissen wir alle schon seit vielen Jahren. Die Politik weiß es auch, aber sie tut nichts dagegen“, sagt Barbara Bierling, Chefin des ambulanten Dienstes „Pflege-Mehrwert“ in Murnau. Schuld an dem Mangel an Fachpersonal ist nach Ansicht der Altenpflegerin aber nicht so sehr eine schlechte Bezahlung – die könne man sich als Pflegedienst gar nicht mehr leisten. „Es geht vielmehr darum, wie man mit den Pflegekräften umgeht.“ Wie sie von Kollegen weiß, seien Respektlosigkeit seitens der Hilfsbedüftigen sowie deren Angehörigen weit verbreitet. Oft würden Kräfte im Bereich der häuslichen Pflege schikaniert und penibelst kontrolliert.

Aktuell betreut Bierling mit ihrem achtköpfigen Team knapp 50 Pflegebedürftige. Anfragen gäbe es noch mehr, aber zusätzliche Mitarbeiter zu finden, sei für einen kleinen Betrieb wie den ihren schwierig. Auch deshalb, weil „das UKM jeden Mitarbeiter abschöpft. Das UKM frisst in unserer Region die Pflegekräfte“, sagt die 53-Jährige. Was das große Krankenhaus seinen Mitarbeiter biete, könne sie schlicht nicht leisten.

Nur theoretisch kein Problem, Personal zu finden, hat Angelika Pasch, die in Eschenlohe eine Tagespflege-Einrichtung für Senioren mit 32 Plätzen betreibt. Schreibe sie eine freie Stelle aus, meldeten sich sogleich viele Interessenten – leider seien die wenigsten aber ausreichend qualifiziert. Vielen fehle es darüber hinaus an der notwendigen „Liebe zu Senioren“. „90 Prozent kommen nicht in Frage“, sagt die gelernte Krankenschwester über ihre Bewerber.

„Sehr schwierig“ findet es auch Albert Wentlandt, Geschäftsführer des Murnauer Seniorenzentrums Kemmelpark, wirkliches Fachpersonal zu finden, das er per Gesetz aber in der stationären Pflege zumindest teilweise braucht. Warum? Einfach deshalb, weil es nicht genug davon gebe. Bis zu fünf Monate müsse er suchen, wolle er eine Fachstelle in seinem Haus neu besetzen. Jemand, der ein neues Heim eröffnen oder erweitern wolle, scheitere daran oft. Wentlandts Forderung für die Zukunft: „Man muss mehr ausbilden.“ Zudem gelte es, damit aufzuhören, den Berufsstand des Altenpflegers andauernd schlecht zu machen, wie es Pflegekritiker machten.

Bierling appelliert dafür, die Ausbildungsstrukturen zu überdenken. „Es hilft uns nichts, hoch qualifizierte Schulabgänger mit Pflegestudium in die Pflege zu bringen.“ Vielmehr brauche es „Handwerker am Bett“, die vielleicht kein Hochschulstudium, sondern nur einen Mittelschul-Abschluss haben, dafür aber Empathie für Senioren mitbringen und zupacken können. Pasch empfindet die Bezahlung im Bereich Pflege als zu gering. Außerdem sollte man leistungsorientiert entlohnen. „Es gibt auch zu wenig Pflegeschulen bei uns. Und es wird zu wenig dafür geworben“, sagt Pasch. 

Aber wären die vielen jungen Flüchtlinge nicht vielleicht die Lösung für den Pflegenotstand? Nein, meint Bierling. Denn ein alter Mensch möchte sich mit den Mitarbeitern über Erlebtes aus seinem Leben unterhalten können. Über Bräuche und Traditionen. Und das könne man mit Fremden aus anderen Kulturen einfach nicht. Auch Wentlandt hält Flüchtlinge „nur bedingt“ für eine Lösung, denn: „Der Beruf hängt an der Sprache. Altenpflege ist ein interaktiver Beruf. Da ist Kommunikation wichtig.“

Franziska Seliger

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