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Feierlicher Akt: Ministerpräsident Horst Seehofer (r.) dankt den beiden Lebensrettern Christina Jaud und Jean-Philippe Postruzin am Mittwoch im Antiquarium der Münchner Residenz.

Spektakuläre Rettung

Frau aus brennender Wohnung gezogen

Es sind dramatische Szenen, die sich am 25. August 2015 in der Sondermayerstraße in Weilheim abspielen. In einer Wohnung brennt es, aus der offenen Terrassentür quillt dicker Rauch. Offenbar ist noch jemand drin. Und in Lebensgefahr.

In Lebensgefahr begeben sich dann auch die beiden Polizisten Christina Jaud (Bad Tölz) und Jean-Philippe Postruzin aus Murnau. Sie zögern keine Sekunde. Jaud lässt sich auf den Boden fallen und kriecht unter den halb heruntergelassenen Rollläden in das brennende Einzimmer-Appartement – ohne Atemschutz. Postruzin, mit einem Fuß auf der Terrasse und einem in der Wohnung, sichert Jaud. Er hält die Kollegin am Fuß, damit er sie bei Bedarf wieder rausziehen kann. Schließlich kriegt Jaud die damals 48-jährige Bewohnerin zu fassen. „Wir haben sie dann zu zweit aus der Wohnung gezogen“, erinnert sich Postruzin. Insgesamt dauert die Aktion vielleicht eine halbe Minute – und hätte auch keine Sekunde länger dauern dürfen.

Für dieses selbstlosen Einsatz, bei dem die Polizisten ihr eigenes Leben riskiert haben, wurden sie am Mittwoch von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) im Antiquarium der Münchner Residenz mit der Bayerischen Rettungsmedaille ausgezeichnet – zusammen mit 86 anderen Lebensrettern aus ganz Bayern. Postruzin war „überrascht“, als er von der Ehrung hörte. „Mit so etwas hätte ich nicht gerechnet.“ Der 36-Jährige, der in Weilheim als Streifenpolizist arbeitet, spricht von einer „schönen Anerkennung“. 

Auch Jaud (27), die mittlerweile in Murnau als Polizistin tätig ist, betont: „Ich habe mich total gefreut, als ich davon erfahren habe.“ Zumal sie von der Frau nie wieder etwas gehört hat. Übel nimmt Jaud ihr das aber nicht. „Für mich ist nur wichtig, dass sie überlebt hat.“ Auch bei Postruzin hat sich die gerettete Frau nicht bedankt. Er nimmt es ihr aber nicht krumm. „Meines Wissens hat sie den Brand gut überstanden.“ 

Die Flammen sind wohl ausgebrochen, weil die Frau vergessen hatte, den Herd auszuschalten. Während des Kochens war sie laut Jaud wohl müde geworden und hatte sich schlafen gelegt. Irgendwann fingen schließlich das Regal über dem Herd und diverse andere Gegenstände in der Nähe des Elektrogeräts Feuer. Die Weilheimerin erlitt eine schwere Rauchvergiftung und musste mit dem Hubschrauber in die Murnauer Unfallklinik gebracht werden. 

Sie hat überlebt – dank Postruzin und Jaud, die an diesem Tag beide in der Weilheimer Polizeiinspektion Dienst hatten. Das Gebäude liegt Luftlinie nur etwa 200 Meter vom Unglücksort entfernt, sodass die beiden Beamten schnell vor Ort waren, noch vor der Feuerwehr. 

Passiert ist ihnen wenig. Postruzin blieb unverletzt. Jaud holte sich eine leichte Rauchvergiftung. Sie wusste, dass sie nahe am Boden bleiben musste, wo der Rauch noch nicht schwarz war. Über die Gefahren nachgedacht hat sie während des Einsatzes Ende August 2015 aber nicht groß. „Das war eher eine Kurzschlussreaktion“, sagt sie. „Ich wusste: Wenn ich nicht reingehe, stirbt der Mensch da drin.“ Ein Feuerwehrmann sagte ihr später: „Zwei Atemzüge, und Sie wären tot gewesen.“ War Postruzin die Gefahr bewusst? „Man geht ein gewisses Risiko ein“, sagt der Murnauer dazu. „Wir wären aber nicht noch weiter in die Wohnung reingegangen.“ Was bleibt, ist ein nicht alltäglicher Einsatz, der beiden wohl noch länger in Erinnerung bleiben wird und jetzt mit einer hohen Auszeichnung belohnt wurde.

Silke Scheder und Roland Lory

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