Die Stirn bieten: Nicht zum Baden, sondern zum Demonstrieren gehen am Sonntagnachmittag rund 200 Murnauer. Im Kurpark nehmen sie an der Gegenkundgebung teil und lauschen den Beiträgen der Redner.

Plädoyer pro EU, für Freiheit und für Demokratie

Protest gegen die AfD: "Klar und deutlich die Rote Karte zeigen"

Murnau - Während drinnen im Saal des Kultur- und Tagungszentrums Politiker der Partei Alternative für Deutschland (AfD) vor rund 100 Zuhörern und gut bewacht ihre Reden hielten, protestierten draußen im Kurpark in etwa 200 Menschen gegen deren Ansichten und Ideen.

Es war eine friedliche Gegendemonstration. Rund 200 Menschen, viele, die man solchem Wetter eigentlich auf dem Rad oder am See vermutet, hatten sich am Sonntagnachmittag im Murnauer Kurpark versammelt, um ihren Unmut gegen die Veranstaltung der Partei Alternative für Deutschland (AfD) kundzutun, die im Inneren des Murnauer Kultur- und Tagungszentrums stattfand. „Das ist einfach zu wichtig“, betonte eine Besucherin. Die Rote Karte sollte gezeigt werden, „gegen Rechts, gegen ein Arbeiten mit Unwahrheiten und purem Populismus, mit dem versucht wird, verunsicherte Wähler zu gewinnen“, wie das Orga-Team um Gemeinderätin Veronika Jones (Bündnis 90/Grüne) einstimmend betonte. „Wir sind diejenigen, die für ein friedliches Miteinander stimmen, während die da drin Panik gegen die EU und gegen den Euro machen, falsch, rückwärtsgerichtet und demokratiefeindlich. Wir sind es, die sich für ein solides Europa stark machen.“

Nach Einlagen der Band „Geistiger Unrat“ positionierte sich Murnaus Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) ungewöhnlich deutlich gegen die Veranstaltung, die gegen eine gemeinsame Währung und gegen ganz Europa gerichtet sei. „Die AfD und andere rechtspopulistische Parteien wollen unser Europa sturmreif schießen, damit es nachher fällt. Aber wir lassen uns das nicht von Menschen kaputtreden, die Probleme haben, mit dem Fortschritt auf diesem Kontinent klarzukommen. Wir werden uns vor die Menschen stellen, die die AfD ausgrenzen will.“

Beuting verwies noch auf Christoph Probst („Der würde sich im Grabe umdrehen.“) und auf die älteren Bürger und Vorfahren („Die haben dafür gesorgt, dass die Demokratie eingeführt wird und würden nun sagen: Wehret den Anfängen.“), um dann an die Anwesenden zu appellieren: „Wir müssen wachsamer werden, engagiert euch für Politik, im Kleinen oder im Großen.“ In dieselbe Kerbe schlug auch Katharina Schulze, Landtagsabgeordnete für Bündnis 90/Grüne: „Wir kämpfen für eine freiheitliche Gesellschaft und gegen rassistische Parolen, denen wir die Rote Karte zeigen.“

Wie bei der Gegendemo anlässlich des Auftritts von AfD-Bundessprecherin Frauke Petry in Garmisch-Partenkirchen ergriff auch Ömer Anilir von der Islamischen Gemeinde Garmisch-Partenkirchen das Wort und forderte: „All jenen, die auf populistische Weise versuchen, Menschen aus dem Schutzbereich unserer Rechtsordnung herauszudefinieren, müssen wir uns gemeinsam entgegenstellen. Die zentralen Errungenschaften aufgeklärter demokratischer Kultur werden wir nicht den selbst ernannten ,Rettern des Abendlandes‘ preisgeben.“

Zusammenstöße blieben aus. „Keine besonderen Vorkommnisse“, vermeldete Polizeichef Joachim Loy am späten Sonntagnachmittag.

(roy/sp)

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