+
Vor beeindruckender nächtlicher Kulisse: Die Murnauer Reisegruppe in Shanghai.

Nicht jede Familie kann das nötige Geld aufbringen

Schüler-Austausch nach Shanghai: Eine Reise für alle?

Murnau - Jugendliche der Murnauer Realschule haben Einblicke in ein für sie völlig fremdes Leben erhalten: Die 14- bis 17-Jährigen verbrachten im Rahmen eines Austauschs zwei Wochen in Shanghai. Das Projekt mutet elitär an. Doch niemand musste zuhause bleiben.

 China ist mit vielen Vorurteilen belastet – und interkultureller Austausch kann nur von Angesicht zu Angesicht funktionieren. Deshalb zögerte man in der Realschule im Blauen Land nicht, als eine Schule in Shanghai über eine Internet-Plattform einen Schüleraustausch anbot. Vor kurzem sind die Lehrer Kathrin Richter und Thomas Mittelstraß mit 17 Schülern im Alter von 14 bis 17 Jahren wohlbehalten zurückgekehrt.

„Dieser Schüleraustausch war auch für uns Lehrer ein Abenteuer und mit einem gewissen Risiko verbunden“, resümiert Mittelstraß rückblickend. Trotz der vielen organisatorischen Vorarbeiten sind er und seine Kollegin „sehr, sehr froh“, daran teilgenommen zu haben. Nicht nur die Partnerschule, sondern auch das chinesische Bildungsministerium legten größten Wert darauf, dass alles optimal läuft. „Unsere Schüler wurden vom Lokalfernsehen interviewt und mussten ständig Autogramme geben. Außerdem wurden ihre englischen Vorträge zum Beispiel über den deutschen Schulalltag oder landestypische Traditionen von etwa 3000 Leuten gehört“, erzählt der Pädagoge. Am meisten habe ihn aber die Tatsache überrascht, dass der Rektor der chinesischen Schule ihn fragte, was er am Unterricht seiner Schule verbessern könne. „Überhaupt waren die Lehrer keine Linientreuen, sondern extrem aufgeschlossen und interessiert. Sie sprachen zudem perfekt Englisch“, schwärmt Kathrin Richter. Die Tatsache, dass es auch in Klassenzimmern mit 50 Schülern ruhig zuging, sei darauf zurückzuführen, dass Bildung in China einen extrem hohen Stellenwert hat. „Je fremder ein Land, desto intensiver ist das interkulturelle Lernen und desto mehr bleibt bei den Schülern hängen“, meint Mittelstraß.

China-Aufenthalt kostet 1400 Euro

Doch dass die Realschule nach dem Schüleraustausch mit Mauritius jetzt auch einen mit Shanghai anbietet, hinterlässt  einen leichten elitären und bitteren Beigeschmack. Die Kosten für den zweiwöchigen Chinaaufenthalt beliefen sich pro Schüler auf 1400 Euro. Viel Geld, das bei weitem nicht jede Familie für einen Schüleraustausch des Nachwuchses aufbringen kann. Doch Mittelstraß betont: „Wegen der Finanzierung muss keiner zu Hause bleiben.“ Man finde „für jeden, der mit will, einen Weg. Dafür gibt es verschiedene Fördertöpfe auch außerhalb der Schule. Heuer hat es jedoch keine entsprechenden Anträge gegeben“. Da die Realschule im Blauen Land in einer feierlichen Zeremonie einen Kooperationsvertrag mit der Schule in Shanghai unterschrieben hat, wird dieser Austausch wieder angeboten werden.

Diesmal bekamen die teilnehmenden Jugendlichen ein „All inklusive“-Paket mit einer einwöchigen Studienreise, auf der sie in verschiedenen Hotels untergebracht waren, und einer Woche in einer Gastfamilie. „Am meisten hat gleichermaßen fasziniert und schockiert, was die Chinesen alles essen“, erzählt der 16-jährige Jannis Lau. Kommt etwa Ende auf den Tisch, landete das Tier inklusive Knochen und Kopf auf dem Teller. „Die Chinesen verwerten einfach alles. Wenn ich nachfragte, was es gibt, hieß es immer nur ,Gemüse‘ oder ,Fleisch‘ – mehr war nicht rauszufinden.“

Technische Fortschritt fasziniert Schüler

Gewöhnungsbedürftig war auch Jannis Bett: „Ein Holzbrett mit einer Decke darüber. Eigentlich bin ich ja Seitenschläfer. Aber das ging gar nicht. In Rückenlage konnte ich dann aber doch schlafen.“ Während sein Bett die Form eines Rennautos hatte, schlief Julia Tömördi in einem rosaroten Hello-Kitty-Modell. Ansonsten war die Wohnung ihrer Gasteltern „viel kleiner als zu Hause, alles sauber und aufgeräumt und jeder Quadratmeter optimal genützt“. Der Kühlschrank stand zum Beispiel im Flur. „Obwohl wirklich alles super organisiert war, bin ich froh, dass ich nicht in China leben muss“, stellt Deborah Brückner klar. Sie mag keine Menschenmassen – und Shanghai hat immerhin 22 Millionen Einwohner.

Der rasche technische Fortschritt der Chinesen hat die Jugendlichen besonders fasziniert: „Es fährt fast jeder einen Elektroroller, und nachts ist so ziemlich alles beleuchtet – vom Baum bis zur Brücke“, erzählt Jannis Lau. Dass der Smog dort so schlimm sei, „ist ein Vorurteil. Wir haben blauen Himmel über Shanghai gesehen, und es gibt auch viele große Parks und Gärten“, erzählt Johannes Wiesendanger. „Den Mundschutz tragen die Bewohner Shanghais auch nicht wegen der Luftverschmutzung, sondern um sich und andere vor Krankheitserregern zu schützen“, ergänzt Kathrin Richter.

Das Ziel, Vorurteile abzubauen und viel über ein fremdes Land zu lernen, hat die Reisegruppe also erreicht.

Michaela Feldmann-Kirschner

So aktivieren Sie Push-Nachrichten der Merkur.de-App auf dem iPhone

So aktivieren Sie Push-Nachrichten der Merkur.de-App auf dem Android

Mehr zum Thema

Auch interessant

<center>Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l</center>

Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l

Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l
<center>Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l</center>

Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l

Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l
<center>Schokoladen-Set "Alles Liebe" zum Selbermachen</center>

Schokoladen-Set "Alles Liebe" zum Selbermachen

Schokoladen-Set "Alles Liebe" zum Selbermachen
<center>Schokoladen-Set zum Selbermachen</center>

Schokoladen-Set zum Selbermachen

Schokoladen-Set zum Selbermachen

Meistgelesene Artikel

Ein Festival, das zusammenschweißt

Murnau -  Kulturfreunde können sich den Juli 2018 schon mal vormerken. Dann werden nämlich die Theatertage der bayerischen Gymnasien in Murnau stattfinden.
Ein Festival, das zusammenschweißt

Zweieinhalb Jahre Jugendknast für Drogendealer

Murnau - Weil er im großen Stil mit Marihuana und Haschisch gehandelt hat, ist ein 22-Jähriger Mann vor Gericht gelandet. Die Strafe ist empfindlich. 
Zweieinhalb Jahre Jugendknast für Drogendealer

Klinik als „zweites Zuhause“

Riegsee – Das Garmisch-Partenkirchner Tagblatt sammelt in der diesjährigen Weihnachtsaktion Geld für die Harlekin-Nachsorge, die Familien mit Frühchen unterstützt. Eine …
Klinik als „zweites Zuhause“

Eschenloher fährt frontal gegen den Baum

Ohlstadt - Sein Auto ist nur noch ein Trümmerhaufen. Ein 29-jähriger Eschenloher prallte am Donnerstag mit seinem Pkw an der B2 gegen einen Baum. Dabei erlitt er schwere …
Eschenloher fährt frontal gegen den Baum

Kommentare