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Dicht gedrängt stehen Kinder und Jugendliche in dem Zug, der sie am Morgen in die Schule nach Murnau bringt.

„So schlimm war’s noch nie“

Zug am Morgen ist brechend voll

Bad Kohlgrub/Murnau - Der Zug, der morgens Schüler Richtung Murnau befördert, ist stets brechend voll. Seit Jahren. Heuer hat sich die Lage verschlimmert. Und Abhilfe ist nicht in Sicht, weil die Bahn nichts unternimmt. 

Freitagmorgen um sieben Uhr ist die Welt am Bahnhof in Bad Kohlgrub nicht mehr in Ordnung: Der Zug Richtung Murnau ist bereits brechend voll. Die Schüler verstopfen Eingangsbereiche und Gänge – viele haben nicht einmal einen Haltegriff. Nicht auszudenken, was passiert, wenn der Zugführer plötzlich bremsen müsste. Diese Situation wiederholt sich seit Jahren fast an jedem Schultag.

Georg Lindauer, der täglich von Bad Kohlgrub mit der Bahn Richtung Garmisch-Partenkirchen unterwegs ist, weiß das aus Erfahrung. Aber: „So schlimm wie jetzt war’s noch nie.“ Jährlich werden es mehr Kinder, die mit dem Zug aus dem Ammertal in die weiterführenden Schulen nach Murnau fahren. Allein am Bedarfshalt „Kurhaus“ in Bad Kohlgrub steigen etwa zwei Dutzend zu.

Problem besteht nur bei zwei Fahrten

Schaffnerin Jessica Gore, die sich nur mit Mühe bei der Fahrkartenkontrolle durch die Gänge quetschen kann, ist sich der Gefahr bewusst. Obwohl sie nur alle paar Monate auf dieser Strecke Dienst tut, weiß sie, dass nur die Bahn um kurz vor sechs und um kurz vor sieben so dermaßen voll sind. „Die meisten Züge zwischen Oberammergau und Murnau sind – abgesehen vor der Schule und nach Schulschluss – nahezu leer.“ Das stimmt. Als sich der Zug um 7.42 Uhr Richtung Oberammergau erneut in Bewegung setzt, sitzen gerade mal drei Fahrgäste im Waggon. Und das bleibt so, bis am Bad Kohlgruber Bahnhof einige Ettaler Schüler einsteigen, die erst zur zweiten Unterrichtsstunde da sein müssen. Doch auch sie bezahlen für ihre Fahrten und bringen Geld. Geld, das die Bahn beispielsweise in einen Verstärkerbus zu Stoßzeiten investieren könnte. Eine Lösung, die Georg Lindauer praktikabel erscheint. Schließlich arbeitet die Deutsche Bahn ja auch mit dem RVO zusammen, wenn es aufgrund von Gleisstörungen oder -Arbeiten zu Zugausfällen kommt.

Deutsche Bahn: Übervolle Züge in Deutschland Alltag

Doch auf diese Möglichkeit, Abhilfe bei den stark überfüllten Zügen zu schaffen, geht die Deutsche Bahn gar nicht ein. Vielmehr verweist Pressesprecher Franz Lindemair darauf, dass übervolle Züge „zu manchen Tageszeiten in vielen Zügen in Deutschland – nicht nur bei der DB – Alltag sind“. Er betont, dass die Züge sogar dafür gebaut seien, dass ebenso viele Fahrgäste stehen wie sitzen können. Die Regionalbahnen, die zwischen Oberammergau und Murnau verkehren, „basieren auf den Kapazitätsberechnungen des Aufgabenträgers und können leider nicht ad hoc verlängert werden“. Die DB Regio Oberbayern sei in diesem konkreten Fall von dem Schülerandrang überrascht worden, weil die Verkehrsunternehmen nicht rechtzeitig vom Landkreis informiert worden sind. Dem widerspricht Stephan Scharf, Pressesprecher des Landratsamts, entschieden: „Im Vergleich zum Vorjahr hat die Zahl der Schüler, die täglich von Bad Kohlgrub nach Murnau fahren, von 125 auf 144 zugenommen. Diese Zahlen haben wir auch dem Abo-Center der Deutschen Bahn mitgeteilt.“

Auf längere Züge "warten wir vergebens"

Schüler bestätigen, dass der Zug auch im vergangenen Jahr bereits aus allen Nähten geplatzt ist. „Immer wieder hieß es von Seiten der Zugbegleiter, es würde in Kürze ein längerer Zug eingesetzt werden. Doch darauf warten wir bislang umsonst“, sagt Anja Clever, deren beiden Kinder die Realschule Murnau besuchen. „Manche Schaffner lassen die Kinder in die erste Klasse, um die Problematik zu entschärfen – andere nicht.“

Aus Sicht der Deutschen Bahn sind jetzt alle Beteiligten gefragt. „Die Aufgabenträger für Schulen sowie für Bahn und Bus und die Verkehrsteilnehmer müssen sich abstimmen, wie weiter zu verfahren ist“, sagt Lindemair. Das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen verweist darauf, dass der Landkreis „nicht für den Schienen-Personennahverkehr zuständig ist“. Dennoch muss er viel Geld für die Schülerbeförderung ausgeben: Ein Schüler-Jahresabo für diesen Zug kostet durchschnittlich 53,55 Euro (im Jahr 642,60 Euro), 60 Prozent trägt der Freistaat Bayern, den Rest übernimmt der Landkreis. Das sind bei 144 Schülern etwas mehr als 37000 Euro im Jahr. Viel Geld. Trotzdem steht nicht einmal für jeden Fahrgast ein Haltegriff im Zug zur Verfügung.

DB Regio will Farhgastzahlen ermitteln

Zuständig ist für den Schienen-Personennahverkehr nach Angaben Scharfs das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie. Von dort heißt es in einer Stellungnahme, dass „allein anhand des zur Verfügung gestellten Bildes nicht beurteilt werden kann, ob die Notwendigkeit für den Einsatz von Verstärkerbussen besteht. Dies wäre dann der Fall, wenn durch die Zahl der anwesenden Fahrgäste die Höchstzahl von Passagieren überschritten wird“. Nach dem Datenstand der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) werde „der betreffende Zug von rund 120 Personen genutzt, was bedeutet, dass nur 25 bis 30 Personen keinen Sitzplatz erhalten“. Da bereits 144 Kinder und Jugendliche täglich zur Schule fahren, dürften quasi keine anderen Fahrgäste in diesem Zug sein. Kathrin Fändrich, Pressesprecherin des Ministeriums, versichert: Die DB Regio werde die aktuellen Fahrgastzahlen für den betroffenen Zug ermitteln.

Michaela Feldmann-Kirschner

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