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Der Biber war's: alte Verbissspuren im Murnauer Seidlpark.

Naturschutz

Biber-Vorsorge im Seidlpark: Vorgehen hat sich "bewährt"

Murnau - Im Fall des Bibers im Seidlpark, der für heftige Kontroversen gesorgt hatte, setzt die  Untere Naturschutzbehörde weiter auf Prophylaxe, um wertvollen Baumbestand zu schützen. Diese habe sich bewährt.

Das Landratsamt hält weiter seine schützende Hand über den Biber im Murnauer Seidlpark. Im November hatte die Behörde den Antrag der Marktgemeinde Murnau abgelehnt, das Tier zu „entnehmen“, was einer Tötung gleichkommt, und entschieden: Der Biber darf bleiben. Nun sieht sich die Untere Naturschutzbehörde, die darauf setzt, den bedeutenden Baumstand vor Verbiss zu bewahren, in ihrem Vorgehen bestätigt. Ein Vertreter hatte dem Revier im Seidlpark Ende April – und damit nach dem Winter, der Hochzeit der Biberaktivitäten – einen Besuch abgestattet. Ergebnis: alles im grünen Bereich.

„Einige untergeordnete Bäume, die absichtlich nicht geschützt wurden, sind stellenweise angenagt, aber alles in Maßen“, erklärt Landratsamts-Sprecher Stephan Scharf. Die Behörde geht davon aus, dass der streng geschützte Nager, der sich an den beiden Teichen im Gartendenkmal Seidlpark eingerichtet hat, nach wie vor als Single dort haust. Der Weg der Prophylaxe – Drahthosen oder ein spezieller Anstrich schützen dabei wichtige Bäume – habe sich bewährt und soll weiter beschritten werden.

Die Biber-Frage hatte vor dem Winter für heftige Diskussionen gesorgt. Dieter Wieland, damals noch Vorsitzender des Förderkreises Murnauer Parklandschaft, hatte vehement gefordert, den Biber zu entfernen – und damit unter anderem Tierschützer gegen sich aufgebracht. Der Förderkreis widmet sich der Pflege der Anlage, die sich einst der berühmte Architekt Emanuel von Seidl erschaffen hatte; Wieland sah den historischen Baumbestand akut gefährdet.

Die Wogen haben sich offenbar etwas geglättet. Für den neuen Vorsitzenden des Förderkreises, Bernd Rogge, geht es nun schlicht darum, „das Beste aus der Situation zu machen und größere Schädigungen abzuwenden“ – indem eben erhaltenswerte Altbäume geschützt werden. Rogge, beruflich als Technischer Leiter für den Englischen Garten in München zuständig, in dem rund 40 Biber hausen, scheint sich mit der Situation arrangiert zu haben. Er sagt aber auch: Man hätte Aufwendungen lieber in Bänke und neue Birken investiert, was so nicht möglich sei. Ergibt sich eine andere Situation, will man versuchen, diese in enger Zusammenarbeit mit dem Landratsamt zu klären. Beobachtet werden muss in Rogges Augen vor allem der Zustand der Dämme, „damit der Biber diese nicht unterminiert und kein Wasser abfließt in die tiefere Umgebung“ – in Richtung Hechendorf. Hier könne großer Schaden entstehen. Für Rogge ist es auch nicht ausgemachte Sache, dass sich der Biber im Seidlpark nicht vermehrt hat. Die Jungen kämen im Mai zur Welt. „Wir können noch nicht einschätzen, ob Nachwuchs da ist.“

In jedem Fall wird das Revier – wie andere Bereiche, ganz unabhängig vom Biber –, immer wieder kontrolliert. „Und wenn man ein Problem erkennt, behebt man es“, betont Julia Legelli, Umweltreferentin der Marktgemeinde. Auch im Winter, nach der Entscheidung des Landratsamts pro Nager, hat man im Seidlpark an den notwendigen Stellen nachgebessert und Vorkehrungen getroffen; größtenteils war hier die Naturschutzwacht im Einsatz. „Kritiker haben Nachholbedarf gesehen“, sagt Legelli.

Nun wurde es ruhiger. „Man sieht, dass man sich arrangiert hat – ich denke, das zeigt, dass das damals ein Schnellschuss gewesen wäre“, sagt Tessy Lödermann, Vorsitzende des Tierschutzvereins des Landkreises, zur einst diskutierten „Entnahme“ des Bibers. „Damit hätte man einen Präzedenzfall geschaffen. Ich bin froh, dass anders entschieden wurde.“

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