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Gruppenbild nach der Rückkehr: Die 15 Elftklässler, die im Rahmen eines Projektes die Alpen überquerten, sind glücklich und erschöpft zugleich.

Das erlebten die Schüler bei ihrer Alpenüberquerung

Die Rückkehr der Murnauer Römer

Murnau- Es war ein außergewöhnliches Experiment: 15 Schüler des Murnauer Gymnasiums sind aufgebrochen, um die Alpen zu überqueren. In originalgetreuer Legionärsmontur. Jetzt sind sie wieder an der Schule angekommen. Natürlich nicht ohne Empfang.

Jeder weiß, dass es in den letzten Tagen vor den Sommerferien schwierig ist, Schüler für den Unterricht zu motivieren. Gerne werden deshalb Kultur- oder Wandertage in diese Zeiten gelegt. 15 Elftklässler vom Staffelsee-Gymnasium wagten in diesem Jahr aber ein ganz besonderes Projekt, und das war „definitiv kein Wandertag“, sagt Andrea Schwarz, Lateinlehrerin am Staffelsee-Gymnasium. Sie hat zusammen mit ihren Schülern in den letzten Tagen die Alpen überquert. Und es war nicht mal eine gewöhnliche Alpenwanderung, denn die Schüler waren verkleidet wie römische Soldaten vor rund 2000 Jahren. Auch die Ausrüstung entsprach in etwa dem, was man damals zur Verfügung hatte. Dass Handys oder GPS nicht dazu gehörten, ist klar. Aber auch auf eine moderne Uhr wurde verzichtet. „Eine Schülerin hatte eine Sanduhr dabei, und wenn Pause gemacht wurde, dann dauerte die eben zwei Umdrehungen der Sanduhr.“

Dass dieser Abstecher in die Vergangenheit allerdings noch weit entfernt war von den Eilmärschen über die Alpen, von denen Julius Caesar in seinem „De bello gallico“ berichtete, ist auch jedem klar. Nicht nur, dass den Schülern natürlich die Ausbildung und die Kondition eines römischen Soldaten fehlte – wenn die Sandalen zu sehr schmerzten, wurden sie gegen Ende der Wanderung, auch mal durch Turnschuhe ersetzt. Trotzdem haben die Schüler viel gelernt. Oft bewegte man sich in Marschordnung über historische Wege und die Befehle wurden auch auf Latein gegeben.

"Manches wird einem erst klar, wenn man es ausprobiert."

Auf ihrem Marsch von Brixen nach Murnau begegneten sie außerdem manchem Zeugnis der Vergangenheit. Auf Höhe von Franzensfeste traf die Schülergruppe einen italienischen Historiker, der sie zu einem Teil der alten Via Raetica führte. Dort sahen sie auch einen alten Meilenstein aus Römerzeiten. Und auch auf dem noch erhaltenen Teil des Römerwegs bei Klais sind diese „Soldaten“ gegangen. Allerdings war der Felsen dort ziemlich rutschig. „Ich kann mir nicht vorstellen dass die Römer, die ja teilweise mit Legionen von bis zu 6000 Männern unterwegs waren, sich in Zweierreihen durch dieses Nadelöhr gezwängt haben“, findet Andrea Schwarz. Aber manches wird einem erst klar, wenn man es ausprobiert.

„Im Geschichtsbuch ist es immer anders, als wenn man es selbst erlebt“, fand Justin Grüninger, einer der Wanderer. Unter anderem wurde auch einmal auf antike Art Feuer gemacht und zwei Schüler haben sogar wie die römischen Soldaten in ihren Schilden geschlafen. Auf die authentische Verpflegung der römischen Soldaten, das „Puls“, ein Brei aus Käse, Speck, Wasser und Dinkelmehl, wurde allerdings gerne verzichtet. „Mir ging es darum, dass die Schüler bestimmte Sachen auch erspüren“, sagte Andrea Schwarz.

Ein Vorbild für dieses Praxisseminar gab es auch. Bereits 1985 hat der Münchener Historiker und Begründer der Experimentellen Archäologie in Deutschland, Marcus Junkelmann, die Alpen mit Waffen und Ausrüstung römischer Legionäre überwunden.

Erstmal ab unter die Dusche

Für die Murnauer Schüler hat das Projekt Alpenüberquerung übrigens schon im vergangenen Jahr begonnen. Es mussten „Rüstungen“ gebaut- und Probemärsche absolviert werden. Es gab auch Teams, die für die Verpflegung zuständig waren, andere wieder trugen Sorge dafür, den richtigen Weg zu finden. Simon Strasser ist sogar, zusammen mit einem Freund, den Weg in den Osterferien schon mal mit dem Fahrrad abgefahren. Aber einige Murenabgänge, die den Weg inzwischen unpassierbar gemacht hatten, hatten sie dennoch nicht voraussehen können. Auch die Planung der Übernachtungen war natürlich wichtig. „In Reith bei Seefeld haben wir den Bürgermeister angeschrieben“, schildert Caroline Filgertshofer. „Der hat uns die Turnhalle des Vereinsheims angeboten.“ Wieder andere Schüler haben sich um die rechtlichen Fragen gekümmert – immerhin hatte die Gruppe ja eine ganze Reihe von antiken „Waffen“ dabei – allerdings nur zur Zierde und nicht, um zu kämpfen. Nach der glücklichen Heimkehr habe er erst einmal die Toga ausgezogen und ausgiebig geduscht, sagt Nikolas Heinloth. Das römische Gewand werde er wohl so bald nicht mehr anziehen, ist sich Justin Grüninger sicher, aber das luftige Gefühl wird er vielleicht vermissen.

Heribert Riesenhuber

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