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Ist für seine sozialen Projekte bekannt: Indianerhäuptling Henry Red Cloud, hier zusammen mit dem früheren US-Präsidenten Bill Clinton.

Umstrittene Veranstaltung in Murnau

Mächtig Wirbel um Indianerhäuptling Henry Red Cloud

Murnau - Der Besuch eines Indianerhäuptlings am Mittwochabend, 8. Juni, in Murnau sorgt im Vorfeld für Aufregung. Ein Verein, der sich für die amerikanischen Ureinwohner einsetzt, beklagt den Ausverkauf von deren Kultur und distanziert sich von der Veranstaltung. 

Der Abend mit dem Titel „Aus Respekt vor der Erde“, der am Mittwoch um 19 Uhr in Murnaus Kultur- und Tagungszentrum beginnt, wird gut beworben. Auch die Marktgemeinde weist auf ihrer Homepage darauf hin. Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) und der Journalist Claus Biegert sprechen laut dem Programm Grußworte. Erwartet wird im Rahmen einer Europatour Henry Red Cloud, Nachfahre des Lakota-Indianerhäuptlings Red Cloud. Die Veranstalter, Silvia Nestler-Mankau und Raphael Mankau, der in Murnau einen kleinen Verlag betreibt, bezeichnen in einer Pressemitteilung ihren Gast aus den USA als „Visionär und Hoffnungsträger“. Dieser, so heißt es, wolle sein „indianisches Weisheitswissen“ weitergeben sowie um Spendengelder und Unterstützung für seine Projekte im Lakota-Reservat Pine Ridge bitten. Zu diesen zählen unter anderem Solarkollektoren auf den schlecht isolierten Unterkünften, Windenergie-Systeme und ein Schulungszentrum, in dem junge Indianer handwerkliche Fertigkeiten erwerben.

Doch die „Native American Association of Germany“ (NAAoG) – ein Verein, der nach eigenen Angaben seit mehr als 22 Jahren den kulturellen Austausch zwischen den nordamerikanischen Ureinwohnern und Europäern fördert – ist von dem Ganzen überhaupt nicht begeistert. In einer Pressemitteilung macht die Organisation ihrem Ärger Luft – mit mitunter harschen Worten. Die Kritik zielt in erster Linie auf den Veranstalter der besagten Europatour des Lakota-Häuptlings, die „Native American Medicine Academy“ mit Sitz in Kentucky (USA). „Die sogenannte ,Akademie‘ bietet indianische Zeremonien für Geld an, was von der Mehrheit der indianischen Völker massiv abgelehnt wird, da es ihre Glaubensüberzeugungen verletzt“, steht in dem Schreiben, das die Erste Vereinsvorsitzende Carmen Kwasny aus Katzweiler bei Kaiserslautern verschickt hat. Viele Stammesmitglieder der Lakota seien „entsetzt“. Beispielsweise sei im Zusammenhang mit der Tour gegen Bezahlung ein Schwitzhütten-Ritual offeriert worden. Es sei ja nichts dagegen zu sagen, wenn jemand beispielsweise Indianer-Handwerkskunst verkauft, erklärt Kwasny auf Tagblatt-Nachfrage. Aber die Spiritualität müsse für kommerzielle Interessen tabu sein. Sie habe den Eindruck, dass derzeit verstärkt versucht werde, mit der Religion der Indianer auf dem Esoterik-Markt Geld zu verdienen.

Vor allem die beiden angeblichen Gründer der besagten Akademie – in der Presseerklärung ist die Rede von einem William Jervis und einer Sabine Böhler – werden von der NAAoG attackiert. So soll, das behauptet Kwasnys Verein, hinter einem Spendenkonto keine gemeinnützige Organisation stecken.

Die Österreicherin Böhler, nach eigenen Angaben mit Jervis liiert, weist die Kritik weit von sich. „Ich weiß nicht, woher diese Frau ihre Fantasie nimmt“, sagt sie. Jeder Euro, der im Zuge der Tour in die Kasse fließt, komme Henry Red Cloud und den Lakota zugute. Denn: „Wir wollen diesem Volk helfen.“

Raphael Mankau versucht indessen, die Wogen zu glätten – nachdem die Kwasny-Stellungnahme auch bei den vermutlich irritierten Unterstützern des Murnauer Abends die Runde gemacht hat. „Offensichtlich gehen die Vorstellungen darüber, wie man mit der indianischen Geschichte und indianischen Zeremonien umgeht, sehr stark auseinander“, erklärt er. Man müsse mit dieser Kritik leben. Auch scheine es auf Seiten der Tourveranstalter „so etwas wie ein Kommunikationsproblem“ zu geben. Für Mankau ist aber entscheidend: „Henry Red Cloud ist nach Ansicht aller Befragten zu 100 Prozent integer.“ Seine guten und gemeinnützigen Projekte seien allesamt nachprüfbar. Das gespendete Geld – der Eintritt ist frei – werde man direkt an den Indianerhäuptling übergeben.

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