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Überflutete Straßen waren nur eine Folge des Unwetters, das am Mittwochabend über dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen tobte.

Hagel und Starkregen wüten im Landkreis

Unwetter: Eine Katastrophen-Bilanz

Murnau/Eschenlohe - Überflutete Keller, im Auto eingeschlossene Menschen und etliche Murenabgänge: Das Unwetter, das sich Mittwoch über Murnau und Eschenlohe entlud, war schlichtweg „eine Katastrophe“. Eine erste Bilanz.

Es war kurz vor 20 Uhr am Mittwochabend, als die Blitze begannen, sich zu entladen, als sich die Schleusen öffneten und die Wassermassen in wandartigen Schwaden vom Himmel prasselten. Kurz darauf gingen in Murnau und in den umliegenden Ortschaften die Sirenen los, Kirchenglocken fingen an zu läuten. Insgesamt hatten Feuerwehren, Polizei und Rettungskräfte an die 180 Einsätze zu bewältigen. In nur knapp einer Stunde konnten bis zu 80 Liter Wasser pro Quadratmeter gemessen werden. „Das ist ein Extremereignis. Das liegt deutlich über einem hundertjährlichen Regenereignis, für das 47 Liter pro Quadratmeter pro 45 Minuten gelten“, sagt Johannes Riedl vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim – und auch in den nächsten Tagen könnte es so weitergehen. 

Murnau

„Das war brutal, da war Land unter, schlimmer noch als vor zweieinhalb Wochen“, sagt Murnaus Kommandant Hosp. „Im Minutentakt kamen die Einsätze rein, allein in Murnau waren es innerhalb von nicht einmal einer Stunde an die 80.“ Neben der Betreuung all der „alten Kunden“ vom Unwetter von vor zwei Wochen, den wassergeschädigten Hausbesitzern, mussten zahlreiche Bäume von den Straßen entfernt werden. Außerdem habe es in Murnau erneut die Keller der Mittelschule und des gemeindlichen Kindergartens geflutet, etliche Geh- und Nebenwege mussten nach Polizeiangaben wegen abgebrochener Äste gesperrt werden.

Unwetter im Kreis Garmisch-Partenkirchen: Hagel, Regen, Überflutungen

Unwetter im Kreis Garmisch-Partenkirchen: Großeinsatz für Feuerwehren

Eindruckvollster Einsatz war wohl die Rettung eines älteren Ehepaares aus Garmisch-Partenkirchen. Deren Mercedes war auf Bundesstraße 2 zwischen Ohlstadt und Murnau auf der überfluteten Fahrbahn abgestorben. Der 68-Jährige und seine Frau konnten sich nicht selbst befreien und mussten von der Feuerwehr aus dem Wagen geholt werden. „Es sind dort noch weitere Autos förmlich abgesoffen“, sagt ein Sprecher der Polizei in Murnau – alle jedoch ohne Personenschäden.

Eschenlohe

Besonders stark hat das Unwetter in Eschenlohe zugeschlagen. Neben zahlreichen unter Wasser gesetzten Kellern und Erdgeschossen ging laut Bürgermeister Anton Kölbl am Klammgraben Richtung Eschenlainetal eine Mure ab. Da ein Durchlass verstopft war, hatten sich die Kies- und Geröllmassen ihren Weg über die Straße gesucht und diese unpassierbar gemacht. Auch die Forststraße hinauf zur Kuh-Alm auf der Hohen Kiste sei im Bereich des Taferlgrabens komplett weggerissen worden, berichtet Feuerwehrchef Michael Oswald. Nicht nur dort waren bereits am gestrigen Donnerstag die ersten Bagger am Werk, um die Wege wieder einigermaßen befahrbar zu machen. Zudem sei am Unteren Heubergweg ein Wochenendhaus durch einen Geröllabgang stark eingekiest worden. Rund 150 Männer der Feuerwehren Eschenlohe, Partenkirchen, Farchant, Oberau, Schwaigen und Grafenaschau waren im vom Hochwasser immer wieder gebeutelten Ort im Einsatz. „Viele von uns waren bis sechs Uhr früh draußen“, erzählt der Feuerwehrchef. „Insgesamt mussten zirka 30 Keller ausgepumpt werden. Ganz zu schweigen von der Dunkelziffer weiterer Geschädigter, die relativ hoch sein dürfte. Aber viele Eschenloher wissen sich da mittlerweile selbst zu helfen.“

Seehausen

Auch der Ort am Staffelsee hat dieses Mal eine erschreckende Bilanz zu ziehen. Den neuen Bauhof sowie den Band-Übungsraum mitsamt aller technischen Geräte und Instrumente im Untergeschoss der neuen Turnhalle hat es ebenso erwischt, wie den alten Bauhof am Feuerwehrhaus. „Im Keller stand 1,50 Meter hoch das Wasser“, schildert Bürgermeister Markus Hörmann. Wie schon vor zweieinhalb Wochen sei auch dieses Mal wieder Wasser durch die geschlossenen Fenster und Türen ins Rathaus eingedrungen. Die Einsatzkräfte hätten außerdem etliche umgestürzte Bäume zu beseitigen gehabt, zahlreiche Keller in Riedhausen ausgepumpt und sich um die Sperrung der Staatsstraße gekümmert. Die Fluten hatten sich auf dieser in Höhe der Seehauser Turnhalle bis zu 50 Zentimeter aufgestaut und damit ein Durchkommen für die Autos unmöglich gemacht. „Recht viel länger hätten die starken Regengüsse nicht dauern dürfen, dann wäre auch der Arnbach zum Problem geworden“, sagt Hörmann.

Relativ glimpflich sind hingegen Großweil, Uffing, Ohlstadt, Grafenaschau und auch Riegsee davongekommen. Dort aber steckte den Bürgern noch das kürzlich niedergegangene Unwetter, das die Dorfstraße in Aidling völlig zerstört hatte, in den Knochen.

Michaela Sperer

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