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Steht zum Verkauf: die Villa, die Ernst Hegemann 1906 an der Ramsachleite 9 erbaute.

Liebhaber-Objekt mit Geschichte auf dem Markt

Villa des Münterhaus-Architekten steht zum Verkauf

Murnau - Eine außergewöhnliche Liebhaber-Immobilie steht in Murnau zum Verkauf: eine Villa, 1906 erbaut von Ernst Hegemann, dem Architekten des Münterhauses. Knapp drei Millionen Euro soll das denkmalgeschützte Gebäude mit riesigem Grundstück in Bestlage kosten.

Exklusive, große Anwesen mit Moos- und Gebirgs-Panorama sind rar gesät in Murnau – und selbst auf diesem teuren Pflaster nähern sich Immobilienangebote nur selten der Drei-Millionen-Euro-Marke. Maklerin Britta Kirstein-Zietz hat also Außergewöhnliches in ihrem Portfolio: ein Unikat aus dem Jahr 1906, eine denkmalgeschützte Villa mit Jugendstilelementen, die sich Münterhaus-Architekt Ernst Hegemann 1906 gebaut hat. 

Zietz Immobilien aus Murnau bietet das Objekt an der Ramsachleite 9, das 720 Quadratmeter Wohnfläche aufweist, für eine Erbengemeinschaft zum Verkauf an – und preist teils restauriertes Original-Parkett in den Räumen, Original-Wandeinbauten und textile Wandbespannungen aus der Jugendstil-Ära an. Hier habe der Architekt einst aus dem Vollen schöpfen können und sich gespielt, sagt Kirstein-Zietz. Das Besondere sei das rund 4400 Quadratmeter große Grundstück „in einer der begehrtesten Lagen Murnaus mit Panorama-Blick“. Klar ist aber auch: Gesucht wird ein Jugendstil-Liebhaber, der die teils üppige Innenausstattung, unter anderem mit goldfarbenen Säulen und Regenlichthof, schätzt. Er könne sich, so Kirstein-Zietz, mit eigenen Konzepten verwirklichen, da im Inneren der Denkmalschutz in weiten Teilen nicht greife. Zudem braucht der Käufer viel Geld, mehr als die knapp drei Millionen Euro für den Kaufpreis – wenn er die Villa, die einen Anbau neueren Datums aufweist, auf den modernen Stand der Technik bringen möchte. Der Zustand sei „in einigen Teilen renovierungsbedürftig“, sagt Kirstein-Zietz.

Ein Abschluss, das hat sich bereits gezeigt, lässt sich nicht von heute auf morgen tätigen: „Wir rechnen bei solchen Objekten immer mit einer verlängerten Angebotsphase.“ Auch Branchenkenner schätzen die Vermittlung der denkmalgeschützten Immobilie als nicht gerade einfach ein. Es handle sich um ein „echtes Liebhaber-Objekt“.

Der Seehauser Innenarchitekt Joachim F. Giessler hatte das Anwesen in den 1980er Jahren für Unternehmer Horst Grubert, der im großen Stil Schreibmaschinen aus DDR-Produktion importierte, die Villa zuletzt bewohnte und dort auch für seine Firma Büro und Empfangsräume eingerichtet hatte, umfassend saniert und unter anderem der Außenfassade die ursprüngliche Farbgebung verliehen. Kirstein-Zietz hebt das damalige Bestreben hervor, „Jugendstilelemente wie Wandbespannungen und -vertäfelungen historisch getreu wieder herzustellen“. Als Vorlage dienten alte Skizzen. Was fehlte, wurde „durch Original-Teile aus Wien ersetzt“, sagt Giessler. Er spricht von einer „wunderschönen Jugendstil-Villa, in der all die Dinge eingesetzt wurden, die zur Entstehungszeit erhältlich waren“. Es handle sich um ein sehr seltenes Objekt: „Es wäre schade, wenn es verkommt.“

Architekt Hegemann hatte sein großzügiges Landhaus bereits Ende November 1908 per Annonce im Staffelsee-Boten wieder zum Verkauf angeboten – warum, bleibe unklar, schreibt Murnaus Marktarchivarin Dr. Marion Hruschka in einem Aufsatz: „Möglicherweise stand die Entscheidung im Zusammenhang mit negativen Äußerungen über die vom Murnauer Ehrenbürger Emanuel von Seidl initiierte Ortsverschönerung.“ In der Anzeige verwies Hegemann, der sein Anwesen damals „Haus Weiegart“ getauft habe – später kamen die Namen Schroeder-Villa und Villa Glitnirsheim dazu –, darauf, dass „alle 41 Zimmer elektrisch beleuchtet“ seien und zum Gebäude eine Hochquellwasserleitung führe. Im Gedächtnis geblieben, so Hruschka, sei Hegemann als Verfasser des mythologischen Sprechspiels „Der Drachenstich“, das 1909 und 1910 in Murnau aufgeführt wurde.

Hegemann, hat Hruschka recherchiert, verkaufte das Haus an Prof. Ernst Boehe, später Generalmusikdirektor in Ludwigshafen am Rhein. „Richard Strauss soll öfter zu Gast gewesen sein.“ Das historische Grundbuch zeigt nach Angaben von Kirstein-Zietz, dass die Villa 1939 an die Familie von Scheven ging, die in Murnau unter anderem auch das originale Horváth-Haus besaß. Das Objekt sei historisch unbelastet, sagt sie – es habe keine Zwangsenteignung zur Nazi-Zeit gegeben. Nach dem Abzug der Amerikaner stand das Haus zunächst leer, schließlich fungierte die Marktgemeinde als Eigentümerin. In den 80ern erwarb Horst Grubert das Anwesen – und verhalf der Villa damals zu neuem Jugendstil-Glanz.

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