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Genügend Platz: Auf diesem Areal östlich des Längenfeldweges soll bezahlbarer Wohnraum entstehen.

Millionenschweres Vorhaben am Murnauer Längenfeldweg

Weg frei für kommunalen Wohnungsbau

Murnau - Murnaus Haushaltsplan 2017 ist zwar immer noch nicht in trockenen Tüchern. Aber der Gemeinderat verständigte sich jetzt immerhin auf eine entscheidende Weichenstellung: Der Markt steigt in den kommunalen Wohnungsbau ein. Für 6,5 Millionen Euro sollen am Längenfeldweg bezahlbare Mietwohnungen entstehen.

Murnaus Haushaltsberatungen sind heuer eine Marathon-Veranstaltung. Am Mittwochabend behandelte der Gemeinderat zum fünften Mal in Folge den Jahresetat 2017 samt Investitionsprogramm für die kommenden Jahre. Anfang Dezember soll das Zahlenwerk endgültig beschlossen werden. Dafür zeichnet sich eine klare Mehrheit ab. Denn über die strittigen Punkte ließ Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) bereits jetzt im Vorfeld abstimmen.

Knackpunkt Nummer eins in den kontrovers geführten und mitunter angespannten Verhandlungen war der kommunale Wohnungsbau, den der Markt am Längenfeldweg in Eigenregie umsetzen will. Die Verwaltung hatte dazu eine Menge Nachfragen zugeschickt bekommen. In den Reihen von CSU und Freien Wählern war die Sorge aufgekommen, die Gemeinde könnte sich finanziell übernehmen.

„Wenn das drinnen bleibt, lehne ich den Haushalt ab“, kündigte Josef Bierling (CSU) unmissverständlich an. Es gebe weder ein Konzept noch konkrete Vorstellungen, bemängelte er. „Da kann ich nicht über solche Summen abstimmen.“ Seine Fraktionskollegin Regina Samm sah das genauso. Niemand sei gegen den sozialen Wohnungsbau, stellte sie klar. Aber es müsse erlaubt sein, über Alternativen zu sprechen, um die Gemeindekasse zu schonen. Samm hatte in einem Fragenkatalog Genossenschaften, Baugruppen und einen Zweckverband erwähnt.

Ins gleiche Horn stieß Welf Probst von den Freien Wählern. Er warf die grundsätzliche Frage in den Raum, ob die Schaffung von Wohnraum Aufgabe einer Kommune sei. „In London ist es auch nicht möglich, für alle Wohnungen zu bauen“, meinte er.

Dies sah allerdings die Mehrheit des Gremiums anders. Mehrere Redner erinnerten daran, dass es sich um eine weitgehend risikofreie Investition handle, da Vermögen in Form von Immobilien entstehe. Und die notwendigen Kredite könne man mithilfe der Mieteinnahmen tilgen. „Das sind keine Schulden, die den Haushalt belasten“, betonte Holger Poczka (ÖDP/Bürgerforum). Sein Mitstreiter Michael Manlik schlug in Richtung CSU einen schärferen Ton an: „Wir haben einen sozialen Auftrag. Das steht auch in ihrem Parteinamen.“ Er habe den „Verdacht“, so Manlik weiter, den Gegnern gehe es nur darum, die Stecknadel im Heuhaufen zu finden, um einen Grund zu haben, das Vorhaben abzulehnen. Veronika Jones (Grüne) mahnte die Dringlichkeit an, etwas gegen die Wohnungsnot, die vor allem die unteren Einkommensschichten zu spüren bekommen, zu unternehmen: „Wir haben es über Jahrzehnte verpennt, dass wir da was tun.“

Die Abstimmung nach einer kurzen, nichtöffentlichen Unterbrechung brachte ein eindeutiges Ergebnis: Der überwiegende Teil sprach sich für das Großprojekt aus. Dagegen stimmten vier Volksvertreter: Probst, Samm, Bierling und Martin Bergmeister (CSU).

Am besagten Längenfeldweg gehört der Marktgemeinde ein Grundstück, ein weiteres könnte sie hinzukaufen. Ein Wohnraumkonzept liegt zwar noch nicht vor. Das Ziel steht aber fest: Es sollen bezahlbare Mietwohnungen entstehen. Die Rede ist von Kaltmieten zwischen 8,50 und 9 Euro pro Quadratmeter – was für Murnauer Verhältnisse attraktiv wäre. Die Kommune setzt auf ein Förderprogramm des Freistaats, das solche Vorhaben mit 30 Prozent bezuschusst. Entscheidend: Um in den Genuss dieser Finanzspritze zu kommen, muss die Gemeinde selbst bauen und Eigentümerin der Liegenschaften sein. Außerdem winkt ein zinsgünstiges Darlehen. Konkret heißt das: Von den geschätzten 6,5 Millionen Euro Gesamtkosten (Grunderwerb und Bau) steuert der Freistaat fast zwei Millionen Euro bei. Die Verwaltung kalkuliert mit vier Millionen Euro Kreditaufnahme, verteilt auf die Jahre 2017 bis 2019. Der Rest soll mit Eigenmitteln gestemmt werden. Nach etwa 30 Jahren soll sich die Investition amortisiert haben.

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