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Beamte und Nachwuchskräfte auf vier Pfoten: (v.l.) Joachim Wöhrle mit Oskar, Georg Bader mit dem Welpen Finn, Dienststellenleiter Klaus Schürgers sowie Sascha Pausewang mit Mike.

Diensthunde

Der Polizei-Welpe

Murnau - Wau: Der tapsige, erst zehn Wochen alte Finn ist Nachwuchskraft der Polizei. Seine spätere Mission: Leben retten. Der Welpe soll Mantrailer werden - ein Arbeitstier, kein Schmusehund.

Eifersucht? Gibt es nicht. Der alte Partner und der zukünftige sitzen im Auto einträchtig nebeneinander, jeder in seiner Box. Hunde sind eben keine Menschen, da wäre diese friedliche Konstellation wohl undenkbar und Rivalität nicht zu vermeiden. Wobei der Vergleich mit dem Menschen in einem Punkt gar nicht hinkt: Ein wenig fühlt sich Georg Baders Leben derzeit an, als habe er neben seinem Job bei der Polizei ein neugeborenes Baby zu versorgen; alle drei, vier Stunden muss der kleine Finn, gerade zehn Wochen alt, raus – und damit auch Bader. „Das ist anstrengend.“ Der Garmisch-Partenkirchner (30) führt derzeit Billy, den einzigen Personensuchhund bei den Operativen Ergänzungsdiensten (OED) in Murnau. Der tapsige Finn, ein rotbrauner Hannoverscher Schweißhund, soll eines Tages Baders Partner sein, sein Kollege – und ein Lebensretter. Doch bis dahin liegt noch ein langer Weg vor dem Welpen, der im Moment spielerisch in kleinsten Schritten an seine große Aufgabe herangeführt wird.

Elf Diensthundeführer zählen zu den OED in Murnau, die mit ihrem vielschichtigen Spektrum oft als „Feuerwehr und Helfer“ der örtlichen Polizeidienststellen gilt. Ihre Tiere sind spezialisiert auf Rauschgift, Sprengstoff und Alpineinsätze. Über vier Nachwuchskräfte auf vier Pfoten verfügt die OED-Diensthundegruppe aktuell, die Erich Christ leitet: Zunächst zu Schutzhunden – die Basis – ausgebildet werden der Malinois Oskar von Joachim Wöhrle (geplante Spezialisierung nach der Prüfung: Rauschgift), der Deutsche Schäferhund Mike von Sascha Pausewang, vorgesehen als Sprengstoff- und Alpinhund, sowie Luggi, der Deutsche Schäferhund von Florian Thieme; alle Tiere sind eineinhalb- bis zweijährig. Wenn sie zur Polizei kommen, „sind sie in der Regel zehn, elf Monate alt“, sagt Christ. „Der Anteil der Welpen bei Schutzhunden ist mit rund 15 Prozent eher gering“.

Finn bildet deshalb das tierische Nesthäkchen der OED und eine Ausnahme – als einziger Mantrailer in spe. Bei den Personensuchhunden erweist sich ein nicht zu später Ausbildungsbeginn und eine frühe Beziehung zum Führer als Vorteil. Dem siebeneinhalbjährigen Billy, mit dem Bader bisher zusammenarbeitet, wurde im Frühjahr ein Tumor entfernt; derzeit gilt er als gesund. Als Nachfolger für den Weimaraner, der wieder erkranken könnte, kam Finn, der rund zwei Jahre ausgebildet wird. Beide leben – nachts getrennt, damit Billy Ruhe findet und keine Abhängigkeiten entstehen – in Baders Wohnung. Wenn Finn mal seinen Dienst antritt, darf sich Billy, der im riesigen Gebiet südlich der Donau zum Einsatz kommt, bei Bader aufs Altenteil zurückziehen: Die Hunde bleiben bei ihren Beamten. „Ich würde ihn auch nicht mehr hergeben“, sagt Bader – gerade nach Billys Krebs-Diagnose. OED-Dienststellenleiter Klaus Schürgers ergänzt: „Man wächst zusammen, wenn man durch dick und dünn geht.“ In der Regel, so Schürgers, treten die Tiere nach etwa zehn Jahren ihre Pension an. Für einen „nahtlosen Übergang“ ziehen sich die Führer frühzeitig parallel den Nachfolger.

Bei Welpen stehen dann anstrengende Tage und Nächte an. „Dafür muss man eine Leidenschaft haben“, sagt Schürgers. Diese Passion besitzt Bader „schon immer. Ich bin mit dem Ziel zur Polizei gegangen, Hundeführer zu werden“.

Nun läuft Finn seit kurzem mit Billy mit und fährt neben ihm im Auto, schaut sich einerseits manches ab, soll andererseits aber gewisse Verhaltensweisen nicht annehmen. Er darf nicht auf Billy geprägt werden, sondern muss später eigenständig arbeiten. Noch darf Finn auch Welpe sein: frech, verspielt. „Er ist aufgeweckt und neugierig“, sagt Bader. Selbst er kann sich bei aller Professionalität „nicht ganz davon freimachen“, Finn mit seinen langen Ohren und den großen Pfoten putzig zu finden. Doch man müsse sich immer vor Augen führen: „Das ist ein Arbeitstier, kein Schmusehund. Da läuft Erziehung doch etwas anders.“ Im Dienst wird Bader eines Tages von Finn und seinem Können abhängen. „Hat man ihn versaut, gibt es ein Problem.“ Bader will ihn in den ersten Monaten selbstsicher und stark machen. 

Später, im Dienst, soll Finn bei der Suche nach vermissten Menschen, die 80 Prozent seiner Einsätze – immer mit einem weiteren Mantrailer – ausmachen, den Ton angeben, Bader in der Freizeit. Dazu kommen Fluchtweg-Rekonstruktionen. Billy brachte in mehreren spektakulären Fällen die Ermittler auf die richtige Täter-Spur – etwa 2012 im Landkreis Tuttlingen. Nach einer schweren Brandstiftung überlebten neun Menschen nur mit viel Glück, der Verdächtige aber leugnete. Mantrailer-Hunde, sagt Schürgers, erschnüffelten den Weg von dessen Wohnung bis zum Tatort – damals ein wichtiges Indiz.

Bei allem modernen Fortschritt: „Hundenasen“, betont Erich Christ, „kann noch kein technisches Gerät ersetzen.“

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