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Offizieller Startschuss für das 13,5-Millionen-Projekt: (v. l.) Stefan Jocher (Bürgermeister Schlehdorf, CSU), Florian Nagler (Architekt), Josef Niedermaier (Landrat Bad Tölz Wolfratshausen, Freie Wähler), Anton Speer (Landrat Garmisch-Partenkirchen, Freie Wähler), Manfred Sporer (Bürgermeister Großweil, CSU), Brigitta Brunner (Regierungspräsidentin Oberbayern), Josef Mederer (Bezirkstagspräsident, CSU), Dr. Monika Kania-Schütz (Museumsdirektorin) und Josef Bichler (Bezirksrat und Referent des Museums, CSU).

Nach Kritik des Bundes der Steuerzahler

Getrübte Spatenstich-Freuden im Freilichtmuseum Glentleiten

Großweil - Spatenstich-Termine sind normalerweise für Politiker eine unkomplizierte PR-Bühne. Beim offiziellen Baustart für das neue Eingangsgebäude des Freilichtmuseums Glentleiten war dies anders. Die Kritik des Bundes der Steuerzahler an der vermeintlichen Kostenexplosion überschattete die Feier.

Die Planer des Spatenstich-Termins, der am Freitagvormittag auf dem Museumsgelände hoch über Großweil stattfand, hatten Pech: Ausgerechnet am Vortag musste der Bund der Steuerzahler sein berüchtigtes Schwarzbuch veröffentlichen – und darin den Neubau des Eingangsgebäudes als besonders drastisches Beispiel einer Steuergeldverschwendung an den Pranger stellen (wir berichteten). Denn dieser drohe mit rund 13,5 Millionen Euro deutlich teurer zu werden als die ursprünglich geplanten 7,5 Millionen Euro, hieß es.

Der Bezirk Oberbayern, der Träger der Bildungseinrichtung mit jährlich rund 130 000 Besuchern ist, weist den Vorwurf als ungerechtfertigt zurück. „Wir haben absolut klar und sauber gehandelt“, betonte in seiner Ansprache Bezirkstagspräsident Josef Mederer (CSU). „Vermiesen lassen wir uns das nicht. Ärgern tut mich das aber schon“, räumte er an der Baustelle vor den geladenen Gästen, darunter vor allem Spitzenvertreter der Politik, und Journalisten ein. Bei den besagten 7,5 Millionen Euro habe es sich lediglich um eine „Orientierungsgröße“ im Zuge des Architektenwettbewerbs gehandelt, erklärte Mederer. Viele Kosten seien da noch gar nicht berücksichtigt gewesen. Dazu zählen laut Angaben des Bezirks beispielsweise Ausgaben für die äußere Erschließung, Barrierefreiheit und Brandschutz sowie Honorarkosten. Er lasse sich nicht den Vorwurf gefallen, gab sich Mederer kämpferisch, unverantwortlich mit Steuergeldern umzugehen. Man setze diese stets „sehr bewusst“ ein.

Unterstützung erhielt er von dem Münchner Architekten Florian Nagler, der sich mit seinem Büro 2012 in dem europaweit ausgeschriebenen Wettbewerb unter fast 300 Bewerbern durchsetzte. Es sei ein „Armutszeugnis“, ärgerte er sich, wenn eine Institution wie der Bund der Steuerzahler nicht in der Lage sei, „zwei Zahlen professionell zu vergleichen“.

Der zweigeschossige, längliche Neubau, der sich mit seiner Holzfassade optisch am ländlichen Baustil orientiert und ganz in der Nähe des jetzigen Eingangsgebäudes entsteht, beherbergt künftig nicht nur den Empfangsbereich und die Kasse, sondern auch eine neue Fläche für Sonderausstellungen, den Museumsladen sowie eine Gastronomie mit Schaubrauerei. Wenn alles glatt läuft, wird im Frühjahr 2018 zu Josefi (19. März) Eröffnung gefeiert. Mederer unterstrich die Notwendigkeit des Vorhabens: „Weder die derzeitige Eingangssituation noch die Gastronomie entsprechen mehr dem, was ein Besucher von einem modernen Museum erwartet.“ Dies sieht auch Museumsdirektorin Dr. Monika Kania-Schütz so: Die ersten Minuten seien für die Besucher entscheidend. In einem Eingangsbereich mit hoher Aufenthaltsqualität könnten sie sich in Ruhe auf die Besichtigung vorbereiten.

Aus dem Weg geräumt ist auch der Streit mit den Wirtsleuten der benachbarten Kreut-Alm, der schon den Petitionsausschuss des Bayerischen Landtags beschäftigte. Marion und Olivier Mayr hatten Angst vor zu großer Konkurrenz. Denn anfangs war in dem neuen Eingangskomplex eine öffentlich zugängliche Gaststätte vorgesehen. Laut Mederer verständigte man sich auf einen Kompromiss. „Wir gehen nicht als öffentliche Gaststätte in die Werbung“, erklärte er auf Tagblatt-Nachfrage. Auch passe das Lokal seine Öffnungszeiten denen des Museums an. So soll es etwa keinen Abendbetrieb geben. „Es ist und bleibt eine Museumsgastronomie“, betonte er. Nichtsdestotrotz bekomme jemand, der kein Ticket gekauft hat, auch etwas zu essen und trinken. Kreut-Alm-Wirt Olivier Mayr kann damit leben. „Das ist für uns keine Konkurrenz“, sagte der Unternehmer, der bei der Spatenstich-Feier ebenfalls dabei war.

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