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Haken falsch angebracht: Höchste Gefahr für Kletterer

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Die Haken hatten leichtes Spiel. © fkn

Oberammergau - Vorsicht beim Klettern in freier Natur nahe Oberammergau: An zwei Passagen wurden von Unbekannten Haken angebracht, die nur unzureichend befestigt wurden. Höchstgefährlich für Kletterer.

Mehr denn je gilt: Klettern ist in! Ob in der Halle (Bouldern) oder in freier Natur im Gebirge. Körperbeherrschung, gute Technik und Krafteinsatz mit dem ganzen Körper sind hier gefragt.

Eine beliebte (Übungs-)Strecke ist der Fels am Frauenwasserl an der Armenseelenstraße nahe Oberammergau (Kreis Garmisch-Partenkirchen), wo sich das ganze Jahr über Hobbykletterer, darunter auch viele Kinder und Jugendliche, tummeln. Ausgerechnet an dieser beliebten Route entdeckten jetzt Männer der örtlichen Bergwacht einen höchst gefährlichen Eingriff in die Sicherheit der Sportler.

Fels am Frauenwasserl
Der Fels am Frauenwasserl ist eine beliebte Kletterpartie. Aber Vorsicht: Hier wurden Haken nicht richtig befestigt. © Hutter

Hier sowie in Kletterpassagen am Kofel hantierte ein bislang unbekannter Täter herum, in dem er zusätzlich zu den bereits vorhandenen Haken in der Wand noch selbst welche anbrachte. Dabei benutzte er jedoch einen zu großen Bohrer, sodass man die Haken mit der Hand wieder herausdrehen konnte. Robert Heiland von der Ammergauer Bergwacht hat bisher schon neun dieser zusätzlich angebrachten Befestigungen entdeckt – und wieder entfernt: „Die Haken sind nicht das Problem. Hier wurde der Typ Multimonti verwendet, eine sehr gute Qualität. Weil das Bohrloch zu groß gebohrt wurde, hatten die Haken ganz leichtes Spiel. So etwas kann sehr gefährlich werden, wenn sich der Haken aus der Verankerung löst und dann unter Umständen den Kletterer mitreißt.“

Heiland betont, dass er an solchen Haken nicht mal einen schweren Rucksack hingehängt hätte. Hier von Absicht oder Vorsatz zu sprechen, hält der Kletterexperte für den falschen Ansatz: „Wahrscheinlich war hier jemand am Werk, dem die Routen zu wenig Haken haben, und so hat er offenbar welche zusätzlich angebracht.“ Vor allem bei älteren Strecken, so Heiland, seien die Abstände zwischen den Haken oft größer. Welche dazu zu bohren, das gehe aber gar nicht: „Das macht man einfach nicht, das hat etwas mit Kletterethik zu tun.“ Daneben betrieb der unbekannte Bohrer hier ein gefährliches Spiel: „Wenn man so will, grenzt so ein Tun schon an versuchten Totschlag.“

Die Oberammergauer Bergwacht hat die Angelegenheit inzwischen über ihren Facebook-Account bekannt gemacht, um Kletterer zu warnen und zu verstärkter Vorsicht anzuhalten: „Wer bei Touren in der Region neue blinkende Haken entdeckt, sollte sich erst einmal vergewissern und genau prüfen, ob alles in Ordnung ist, ehe er sein Seil einhängt.“ Es könne sehr wohl sein, so schreibt die Bergwacht auf Facebook, dass noch mehr solche Haken gebohrt wurden. Wer einen entdeckt, möge diesen sofort entfernen und danach die Bergwacht informieren.

In Kletterkreisen hat das Handeln des Unbekannten für Kopfschütteln und massives Unverständnis gesorgt. So kommentierten User dies mit Worten wie „Wie kann derjenige nur so leichtfertig mit Menschenleben spielen?“ oder „Vorsatz oder Unfähigkeit, egal – es bleibt eine Riesensauerei“.

Robert Heiland hofft, dass bei der gesuchten Person ein Denkprozess in Gang gesetzt wird, wie gefährlich sein Tun ist: „Vielleicht hat es der Typ gar nicht überrissen, dass die Löcher, die er gebohrt hat, für die Haken zu groß waren.“ Unterm Strich bleibt die Hoffnung, dass der Unbekannte künftig sein Handeln unterlässt und niemand zu Schaden kommt, wenn besagte Haken, die eventuell noch im Fels stecken, benutzt werden.

Ludwig Hutter

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