2400 Euro Strafe wegen Körperverletzung

Betreuer geht rabiat mit Alkoholkrankem um

Garmisch-Partenkirchen - Eine kalte Dusche und Schläge ins Gesicht hat ein 55-Jährigem einem von ihm betreuten Alkoholiker verpasst. Nun saß der Mann vor Gericht. 

Als Diplom-Sozialpädagoge bezeichnete sich ein 55-jähriger Mann aus dem nördlichen Landkreis, der wegen zweier ebenso ungewöhnlicher wie brutaler Misshandlungen eines von ihm betreuten chronischen Alkoholikers vor dem Amtsrichter saß: Er soll sein Opfer, nachdem es in die Hose uriniert hatte, in voller Kleidung draußen im Garten mit dem Wasserschlauch abgespritzt haben. Damit nicht genug: Zum Auftakt dieser Dusche habe er ihm sogar ein paar Schläge ins Gesicht verpasst. Das kostet ihn jetzt wegen vorsätzlicher Körperverletzung eine Geldstrafe in Höhe von 2400 Euro, „denn Faustschläge – das geht keinesfalls, zumal wenn man eine sozial ausgerichtete Tätigkeit ausübt“, erklärte Richter Andreas Pfisterer bei der Verhandlung in Garmisch-Partenkirchen.

Staatsanwältin Dr. Iris Koch hatte schon eingangs die Einzelheiten dieses seltsamen Vorfalls geschildert: Der 55-Jährige sei seit Juli 2012 Betreuer des „bekennenden Alkoholikers“, der denn auch in einem seiner beiden Häuser in einem Dorf nahe Murnau unter dem Programm „Betreutes Wohnen“ logiere. Dennoch hätte er den aus Garmisch-Partenkirchen stammenden Mann, der ja eigentlich sein Kunde ist, in zwei Fällen besonders rabiat behandelt: Am Spätnachmittag des 2. April 2014 habe er ihn zunächst im Schwitzkasten mit dem Kopf unterm Arm hinaus in den Garten geführt, ihm sodann mehrmals mit der Faust ins Gesicht geschlagen und ihn schließlich mit einem Gartenschlauch über und über eiskalt abgespritzt. Schon ein oder zwei Wochen vorher habe er mit dem Betreuten genau dieselbe Brutal-Dusche gemacht, allerdings ohne ihn im Schwitzkasten zu halten und auch ohne Schläge ins Gesicht.

Zweimal also vorsätzliche Körperverletzung, einmal sogar verbunden mit Schlägen. Der Angeklagte hatte dafür bereits einen Strafbefehl von 2400 Euro (60 Tagessätze à 40 Euro) bekommen, jedoch Einspruch erhoben, weshalb er nun mit Anwalt Michael Röhrig vor dem Kadi saß.

Die vollbekleidete Gartendusche sei nur deshalb erfolgt, verteidigte sich der Beschuldigte, der laut eigener Auskunft immerhin 1400 Euro im Monat für Miete und Betreuung des 61-Jährigen erhält, weil dieser jedesmal in die Hose uriniert habe. „Er war deshalb auch mit der Dusche einverstanden“, behauptete er, „und zog sich dann anschließend um“. Außerdem sei der Gartenschlauch ja nicht an die normale Wasserleitung des Hauses angeschlossen gewesen, behauptete er, sondern an die Heizung, weshalb das Wasser alles andere als kalt gewesen sei. „Und Schwitzkasten sowie Faustschläge habe ich ihm obendrein überhaupt nicht gegeben, ich habe einen eher spielerischen Umgang mit ihm gehabt.“ Zwei Nachbarinnen aber, von denen eine seinerzeit die Polizei gerufen hatte, bestätigten nicht nur übereinstimmend die Dusche, eine von beiden konnte sich auch genau der Faustschläge an den Kopf des Mannes „und starker Hilfeschreie“ entsinnen.

Diese Aussage war für Richter Pfisterer schließlich der Anlass, den Angeklagten und seinen Anwalt zu warnen: Entweder den Einspruch gegen den Strafbefehl zurückziehen oder in Kauf nehmen, dass die Ahndung wegen der auch durch die Zeugenaussage erhärteten vorsätzlichen Körperverletzung erheblich höher werden könnte. Nach kurzer Beratung folgte man dem Rat des Richters, woraufhin der Strafbefehl von 2400 Euro zum Urteil erhoben wurde.

Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: © dpa symbolbild

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