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Klage gegen VR-Bank

Vergleich vor Gericht gescheitert

Oberammergau - Der erste Versuch ist gescheitert: Der frühere Chef des Hotels Friedenshöhe und die VR-Bank konnten sich nicht einigen. Nun steht ein langer Prozess bevor.

Schweren Herzens musste Erich Schmid (78) heuer das Hotel Friedenshöhe in Oberammergau aufgeben und verkaufen. Jahrzehntelang hatte es seine Familie geführt. Mitverantwortlich für das Aus macht er seine Hausbank, die VR-Bank Werdenfels und deren Rechtsvorgänger. Er wirft ihr falsche Zinsabrechnungen und Wertstellungen vor.

Doch der Prozess, den er vor dem Landgericht München II angestrengt hat, dürfte ein harter Brocken werden. Ein Vergleich scheiterte diese Woche. Nun steht ein langer Prozess bevor.

Schmid wirft der Bank zweierlei vor. Zum einen eine unkorrekte Abrechnung von Zinsen. Seine Berater Siegfried G. Lang und Georg Hienle haben eine Grafik erstellt, die zeigt, dass der Zins jahrelang viel zu hoch über dem Referenzzins erhoben worden sei. „Der Sollzins stimmt nicht im Vergleich zum Referenzzins“, sagt Lang.

Zum anderen habe die Bank Wertstellungen im Zahlungsverkehr verzögert. Insgesamt beziffert die Klage den Schaden auf nunmehr 656 640,96 Euro, die Schmid plus Zinsen zurückfordert.

Die VR-Bank geht davon aus, dass mutmaßliche Ansprüche verwirkt und verjährt sind. Selbst ohne Verjährung käme Stefan Kochanski, Anwalt der VR-Bank, auf Grundlage des von Schmid vorgelegten Gutachtens nur auf 146 000 Euro. „Grob gerechnet“, sagt er, „wir erkennen hier keinerlei Schaden an.“

Das Verfahren dürfte für Schmid nicht einfach werden. Richter Christian Seebeck betonte beim ersten Termin, dem sogenannten Gütetermin: „Es gibt hier große Beweisschwierigkeiten für die Klagepartei.“ Diese resultieren schon aus der „schieren Menge“ an Unterlagen über zahlreiche Konten der vergangene Jahrzehnte, Zusammenführungen von Verträgen, Tilgungen, Zinssätze. Mit der Auswertung müsste ein unabhängiger Gutachter beauftragt werden. „Das wird mit Sicherheit langwierig, teuer und greislig“, sagte der Richter. Die Klageschrift sei zudem „in weiten Teilen unschlüssig“. Außerdem seien viele Unterlagen schon so alt, „dass nicht nur Nachweisschwierigkeiten, sondern auch Verjährungsschwierigkeiten bestehen“.

Richter Seebeck regte einen Vergleich an. Bank-Anwalt Stefan Kochanski bot dafür 19 000 Euro an. „Wir wollen die Geschichte weghaben, aber nicht aufblähen. Wir bewegen uns um die 20 000 Euro.“ Frank Marzillier, Anwalt von Schmid, hatte dagegen eine ganz andere Vorstellung: „Unter 250 000 Euro nicht.“ Die Bank erhöhte auf 25 000 Euro. Das fand Schmid „lächerlich“. Die beiden Parteien fanden nicht zueinander.

Darum wird nun wohl richtig in den Prozess eingestiegen. Nach den Hinweisen des Richters haben die beide Parteien nun sechs Wochen Zeit, sich nochmals schriftlich ans Gericht zu wenden. Anwalt Marzillier will „die einzelnen Kontoverbindungen erneut hinsichtlich des Verlaufs darstellen, um den Zinsschaden beziffern zu können“. Im August wird der Richter einen Beschluss verkünden.

Nina Gut

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