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Bürgerversammlung 

Flüchtlinge beziehen Gesindehaus in Ettal

Ettal - Ungewöhnlich viele Besucher sind zur Bürgerversammlung in Ettal gekommen. Interessante Themen gab es dabei genug. Zum Beispiel die großen Anstrengungen beim Thema Wasser.

Über Wochen wurde das einstige Kloster-Gesindehaus in Ettal für einen besonderen Zweck renoviert: Es soll das Zuhause von einmal 24 minderjährigen, unbegleiteten Flüchtlingen sein. „Mittlerweile sind die ersten zehn Jugendlichen da“, sagte Caritas-Mitarbeiterin Stefanie Leischer bei der Ettaler Bürgerversammlung. Die Sozialorganisation übernimmt die Betreuung der überwiegend aus Syrien und Afghanistan stammenden jungen Männer. „Und das rund um die Uhr“, sagte Leischer. Wie nötig der große Aufwand ist, zeigte ein Polizei-Einsatz, den Leischer auf Anfrage eines Dorfbewohners bestätigte: Demnach habe einer der Burschen versucht, sich umzubringen. Die Ankunft der Flüchtlinge in dem Ammertal-Dorf war das Thema, zu dem es bei der Bürgerversammlung die meisten Fragen gab. Zum Beispiel danach, wie lange die 15- bis 18-Jährigen schon in Deutschland sind. „Ganz unterschiedlich“, sagte Leischer. Einer der Bewohner sei erst vor zwei Wochen in Garmisch-Partenkirchen aufgegriffen worden. Damit sich die Ettaler ein Bild von der neuen Einrichtung machen können, soll am Freitag, 3. Juni, ein Einweihungsfest mit dem ganzen Dorf gefeiert werden. Das zweite große Thema des Abends war die Verlängerung der wasserrechtlichen Genehmigung und die vielen Hürden, die die Gemeinde dafür nehmen musste. „Das beschäftigt uns schon viel“, sagte Bürgermeister Josef Pössinger. Er erinnerte an den Bau des neuen Brunnens, an die Renovierung des Hochbehälters, die Sanierung des Leitungsnetzes und hatte für letzteres sogar eine Kanal-Kamerafahrt auf Video parat.

 Mittels ausführlicher Grafiker ging er auf das Großprojekt Kläranlage ein. 450 000 Euro investierte Ettal in deren Modernisierung und dafür, dass im Winter nicht mehr alles einfriert. Die Anlage ist mehr ausgelastet, denn inzwischen konnte auch die fünf Kilometer lange Druckleitung von Schloss Linderhof fertiggestellt werden. „Der Anschluss ist Mitte April erfolgt.“ Auch wenn vieles gut gelaufen ist, gab es eine böse Überraschung. „Und die trifft einen wie der Blitz.“ Demnach habe das Wasserwirtschaftsamt den Regenwasserkanal in den Ziegelwiesengraben moniert, genauer gesagt die fehlende wasserrechtliche Genehmigung. „Dabei gibt es seit 50 Jahren keine“, erklärte das Gemeinde-Oberhaupt kopfschüttelnd. Die Folge: Es wurde über eine Studie für den Naturschutz diskutiert. „Obwohl sich nichts verändert hat.“ Letztlich habe es Pössinger geschafft, eine für 20 Jahre geltende Genehmigung zu erwirken. 

In seinem Rückblick ging der Rathaus-Chef zudem auf die guten Übernachtungszahlen für 2015 ein. Das Plus von 15 Prozent auf 101 000 sei herausragend. Viele Übernachtungen erhofft sich das Dorf durch die Landesausstellung 2018 unter dem Motto „Wald, Gebirg und Königstraum – Mythos Bayern“. Nachdem, wie berichtet, Mitte März das Grob-Konzept für das Großereignis vorgestellt wurde, laufen nun auch auf Kreisebene die Vorbereitungen. „Es finden in nächster Zeit einige Sitzungen im Landratsamt statt“, sagte Kloster-Cellerar Pater Johannes Bauer vor den rund 40 Besuchern. Eine Zahl, die für Ettaler Verhältnisse – in der Gemeinde leben 808 Menschen – doch ehe ungewöhnlich ist. Das große Interesse stimmte Pössinger froh: „Wir haben fast ein volles Haus. Ich bin begeistert.“

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