Mann schleudert Kopf des Anderen an Garagenwand

„Ich dachte, es geht zu Ende mit mir“

Ammertal -  Bei einer Party kam es zu einer heftigen Rangelei.  Ein 30-Jähriger, der einen Mann Krankenhaus-reif geprügelt hat, muss nun für mehr als drei Jahre hinter Gitter. 

Ein schlimmes Beispiel, wie aus einer zunächst netten Party zweier Ammergauer Paare ein Vorfall wurde, der allen ihr Leben lang im Gedächtnis bleiben wird, verhandelte jetzt das Schöffengericht Garmisch-Partenkirchen an zwei Tagen: Der Abend endete nämlich für einen der beiden Männer mit einem monatelangen Krankenhausaufenthalt und bleibender Behinderung, dem anderen brachte er wegen gefährlicher Körperverletzung drei Jahre und drei Monate Gefängnis ohne Bewährung ein.

Fast ein Dutzend Zeugen waren geladen, um den Abend, noch einmal aufzurollen, an dessen traurigen Höhepunkt ein 40-jähriger Ammertaler wie von Sinnen mit schweren Arbeitsstiefeln auf seinen 53-jährigen Gast eintrat. Dabei hatte die Party, bei der reichlich Bier, Bowle und Waldmeister-Likör flossen, laut Staatsanwalt Matthias Schelle ganz friedlich begonnen. Am Abend des 23. März 2014 hatten der 40-Jährige und seine gleichaltrige Ehefrau in ihre Wohnung in einem Ammertaler Dorf ein befreundetes und unverheiratetes Paar – 53 und und 32 Jahre alt – zu Gast. 

Im Verlauf des Abends, an dem zumindest die Männer bald 1,60 Promille Alkohol intus hatten, kam es zum Zwist: Der Ältere hatte beim Jüngeren Schulden wegen einer Handwerkerleistung. „Der Streit legte sich dann zwar“, sagte Schelle, „führte jedoch zu einer angespannten Stimmung. Gegen zwei Uhr, als sich das Quartett auf der Terrasse aufhielt, kam es bei einer erneuten Streitigkeit zwischen beiden Männern zu einer Rangelei, bei der sie zunächst auf die Wiese fielen.“ Als die Frau des Gastgebers eingriff, habe ihr der Gast möglicherweise einen Schlag ins Gesicht versetzt. Dessen Partnerin machte sich voller Abscheu auf den Heimweg. Doch als sich dann auch ihr Lebensgefährte entfernen wollte, ist der 40-Jährige dem Staatsanwalt zufolge plötzlich durchgedreht. Mit beiden Händen habe er den 53-Jährigen gegen eine Garagenwand geschleudert. Dort prallte der Mann mit dem Kopf auf, ehe er zu Boden ging. Wie von Sinnen habe der Aggressor dann mit den Füßen, an denen er schwere Arbeitsschuhe mit verstärkten Spitzen trug, mehrfach im Bereich des Oberkörpers auf sein Opfer eingetreten, bis dieses benommen keine Abwehr mehr leistete. Trotzdem konnte er nach kurzer Zeit wieder aufstehen und seine Wohnung aufsuchen.

Monatelanger Krankenhausaufenthalt

Am Tag danach musste er intensivmedizinisch versorgt werden. Schließlich hatte er schwerste Verletzungen erlitten: Einen Schädelbasis- sowie einen Jochbeinbruch, eine Gehirnblutung, einen doppelten Milzriss, Rippenbrüche, ein Schädelhirntrauma, mehrere Hämatome, auch ein Brillenhämatom. Wohl als Folge der Gehirnblutung leidet er seither unter Epilepsie. Das bescheinigte ihm ein Gutachter. Er war auch monatelang in Kliniken, ist seither arbeitsunfähig und lebt jetzt nach eigener Angabe von der sogenannten Grundversorgung. „Der Angeklagte handelte in der Absicht“, fasste der Staatsanwalt zusammen, „dem Mann massive Verletzungen beizubringen.“

Der Angeklagte freilich beschränkte sich bei der Vernehmung durch den Vorsitzenden Richter Paul Georg Pfluger darauf, zu berichten, wie er und sein Gast nach der Rangelei ins Gras gefallen seien, er unten lag, der Gast darauf. Der habe seine Frau mit der Faust im Gesicht getroffen. „Daraufhin habe ich ihm mit der Hand an den Kopf geschlagen. Ich half meiner Frau, er wandte sich ab und verschwand durch den Garten.“ Erst eine Woche später habe er dann erfahren, dass der Mann schwer verletzt worden sei und im Krankenhaus liege.

Wohlweislich vergaß er den Kern seiner Tat zu erzählen. Sein 53-jähriges Opfer, das vorher noch, um ihn zu schonen, von einem „Sturz“ gesprochen hatte, holte das gründlich nach. „Ich dachte, es geht zu Ende mit mir.“ Während der Staatsanwalt für diese „lebensgefährdende Tat“ eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren beantragte, zweifelte Verteidiger Anton Pfeffer (München) stark an den jetzigen Angaben des Geschädigten, zumal der noch lang nach dem Vorfall nur gesagt habe „ich bin gestürzt“. Der Sturz könne doch die Wahrheit sein und auf dem Weg nach Hause oder auf der Treppe daheim passiert sein. Darum plädierte er für Freispruch. Das Gericht freilich setzte die Schilderungen des Opfers und die Folgen der Tritte an seinem Körper in Beziehung zueinander. Richter Pfluger erklärte: „Sie sind miteinander in Einklang zu bringen, was auch einer der Sachverständigen bestätigt hat. Dass der 53-Jährige zunächst die falsche Angabe über einen Sturz gemacht hat, ist darauf zurückzuführen, dass er seinen früheren Freund nicht schaden wollte.“

Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: © dpa

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