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Ein Schatz im Kloster - die Nachkommen des Spenders, Eva-Maria Echter und Julia Kraft, mit Pater Johannes Bauer, Cellerar im Kloster Ettal

Historische Klosterapotheke wieder aufgebaut

Ein medizinischer Schatz

Ettal - Viele Jahre schlummerte sie auf einem verstaubten Dachboden, jetzt erstrahlt sie in neuem Glanz - die ehemalige historische Klosterapotheke aus Rottenbuch.

Ein besonderes Schmuckstück und außergewöhnliches lokales Zeitzeugnis ist im Kloster Ettal zu bewundern – es besteht aus vielen Dosen, Gefäßen, großen und kleinen Flaschen und einer Fülle von Schubläden. In der Benediktinerabtei Ettal ist im Rahmen eines Festakts die Wiedereröffnung der historischen Klosterapotheke aus Rottenbuch begangen worden.

Cellerar Pater Johannes Bauer, der laut Abt Barnabas Bögle viel Zeit und eine Menge Ideen in dieses Projekt gesteckt hat, erklärte vor zahlreichen geladenen Gästen, wie die ehemals im Kloster Rottenbuch beheimatete Apotheke nach Ettal kam. Nachdem die Säkularisation 1803 das Ende für das Kloster in Rottenbuch bedeutete, zog die Apotheke nach Murnau um. Weil aber dort die Räume zu niedrig waren, sägte man kurzentschlossen die Kapitäle der hohen Schränke ab und lagerte sie im Dachboden eines Hauses, das später die Familie Echter erwarb. Nachdem sowohl das Schloßmuseum in Murnau, als auch das Kloster Andechs keine Verwendung für die historische Apotheken-Einrichtung hatten, erhielt Pater Johannes vor acht Jahren einen Anruf von Ernst Echter. Der Murnauer bot ihm das kostbare Mobiliar unter der Voraussetzung an, dass es in Ettal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werde. Hintergrund: Ernst Echter, wie auch sein Sohn Christian, haben in Ettal einmal die Schulbank gedrückt. Zur feierlichen Eröffnung kam deshalb auch Tochter Julia Kraft mit ihrer Schwägerin Eva-Maria Echter.

Der Hl. Michael und das Einhorn

Pater Johannes sprach von einer „Zeitreise in die Vergangenheit“, denn so wie sich die Klosterapotheke jetzt präsentiere, „sah man sie 100 Jahre nicht“. Sein Dank galt dem Ehepaar Zimmer, das ihm passende, historische Gefäße für die Apotheke zur Verfügung stellte, sowie den Mitarbeitern der Oberammergauer Stern-Apotheke, die Klarheit in die Bedeutung der Beschriftungen brachten und auf diese Weise eine sinnvolle Anordnung in den Schubfächern der Schränke ermöglichten. Diese ziert auch eine Darstellung des Hl. Michael mit Waagschalen, die ursprünglich ebenfalls in der Klosterapotheke in Rottenbuch beheimatet war. Die andere Besonderheit – ein Einhorn – befindet sich zur Zeit noch im Besitz des Deutsch-Germanischen Museums in Nürnberg. „Ich hoffe, dass wir das edelste aller Fabelwesen bis zur Landesausstellung 2018 in unserer Apotheke zeigen können“, hofft Pater Johannes Bauer.

Im umfangreichen Fachvortrag von Dr. Peter Zimmer über „Klostermedizin in Mitteleuropa zwischen 800 und 1803“ wurde immer wieder der Zusammenhang zwischen der Barmherzigkeit Gottes, seiner Mahnung, sich um Kranke zu kümmern und den Bemühungen der Klöster, dieser Forderung gerecht zu werden, aufgezeigt. Als wichtige Bestandteile nannte Zimmer neben der Krankenpflege auch einen Klosterarzt, der häufig zugleich als Apotheker fungierte. Zur Zeit Karls des Großen galt „Krankheit als Teil des göttlichen Heilsplanes. Man war überzeugt, dass ohne göttliche Barmherzigkeit keine Heilung möglich ist.“ Erst der Orden der Malteser führte Nachtwachen, Klinikärzte und frische Betttücher in ihren Einrichtungen ein. Dort bekam erstmals auch jeder Patient ein eigenes Bett. Viele Jahre später kam Paracelsus zu der Erkenntnis, dass „die Dosis eines Mittels darüber entscheidet, ob es wie ein Gift oder wie ein Heilmittel wirkt.“

Info Gruppen, die an einer Besichtigung der historischen Klosterapotheke interessiert sind, können sich dafür im Kloster anmelden.

Michaela Feldmann-Kirschner

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