Aus dem Amtsgericht

Ein Jahr Haft nach Diebstahl im Ammertal

Ammertal -  Die Beute betrug nur 80 Euro. Doch es gibt einen Grund für das harte Urteil: Der Versuch, dem Ladendetektive zu entkommen, eskalierte

Wegen eines Ladendiebstahls, den er gemeinsam mit seiner 26-jährigen Freundin im Ammertal begangen hatte, muss ein Garmisch-Partenkirchner für ein Jahr ins Gefängnis. Zwar ließen die beiden in dem Supermarkt nur Waren im Wert von 80 Euro mitgehen. Doch dann eskalierte der Versuch, dem Laden-Detektiv zu entkommen. Nun musste sich der vielfach vorbestrafte 25-jährige Mann auch wegen schwerer Körperverletzung vor Gericht verantworten.

Der Vorfall hatte sich laut Staatsanwaltschaft am 12. Oktober des vergangenen Jahres in einem Geschäft in einem Ammertal-Dorf ereignet. Die beiden jungen Leute, die Eltern von zwei Kleinkindern sind, begaben sich dort auf Einkaufstour“. Genauer gesagt, hatten sie nur ein Geschirrtuch sowie zwei Getränke für sieben Euro aufs Kassenband gelegt und gezahlt. Das Diebes-Gut in Gestalt von Kerzen und Babykleidung im Wert von 80 Euro ließen sie in einem Beutel verschwinden. Schlauerweise hatten sie einen Wagen mitgenommen und dort hinein ihren sechsjährigen Sohn gesetzt – zur Ablenkung. Zeugen schilderten dann, wie sich die Angelegenheit weiter entwickelte: Nach der Zahlung der sieben Euro und dem parallel laufenden Diebstahl begab sich das Paar seelenruhig vors Geschäft, um die Sachen im Auto zu verstauen. Doch hatte es offenbar nicht mit einem Ladendetektiv gerechnet, dem die jungen Leute mit dem Kind schon im Geschäft aufgefallen waren. Der 40-jährige Fahnder sprang prompt ins Auto des Paars und beschuldigte sie des Diebstahls, die beiden bestritten freilich die Tat. Der Detektiv wollte daraufhin den Autoschlüssel abziehen, wurde aber abgeschüttelt, dann durch den langsam anfahrenden Wagen am Knie getroffen und verletzt. Er erlitt eine Gelenks-Distorsion an Knie und Sprunggelenk.

Nur zögerlich räumten die beiden vor Amtsrichter Andreas Pfisterer die gemeinsame Tat ein. Und die junge Frau beklagte sich auch noch darüber, dass der Detektiv beim Schwung ins Auto „auf meinen Bauch sprang. Ich schrie auf, weil ich doch schwanger war“. So könne man mit einer werdenden Mutter nicht umgehen. „Während Ihre Lebensgefährtin den Diebstahl eingeräumt hat“, wandte sich der Staatsanwalt schließlich zusammenfassend an den jungen Mann, „haben Sie ein aggressives Nachtatverhalten an den Tag gelegt.“ Überdies ist der Mann bereits fünfmal einschlägig vorbestraft. „Bei der jüngsten Verurteilung sogar mit einer Jugendstrafe von zwei Jahren.“ Darum sei für die Frau eine Geldstrafe von 1200 Euro angebracht. Für ihren erheblich vorbestraften Partner aber insbesondere wegen der gefährlichen Körperverletzung mit dem Auto ein Jahr Freiheitsstrafe. Angesichts der Tatsache, dass er für den 25-Jährigen keine günstige Sozialprognose erkennen konnte, folgte der Richter schließlich dem Antrag des Anklägers. Er schickte den Mann für ein Jahr hinter Gitter, während er für dessen mittlerweile Ex-Partnerin, die von Hartz IV lebt, eine Geldstrafe von 900 Euro (60 Tagessätze à 15 Euro) verhängte.

Wolfgang Kaiser

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