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Neue Anlage, alte Rezepte: Frater Vitalis erläutert den Besuchern die Likör-Herstellung.

Investitionen für die Zukunft - und die Landesausstellung

Kloster Ettal präsentiert drei neue Attraktionen

Ettal - Alte Gemäuer, moderne Betriebe: Das Kloster Ettal hat investiert – in ein neues Sudhaus, eine Destillerie und das Benediktiner G’wölb. Damit rüstet es sich für die Landesausstellung 2018. Nun durften die ersten Gäste die umgebauten Räume besichtigen.

 Es ist sein Reich. Der Geburtsort der Ettaler Liköre. Dort, in der Destillerie des Klosters, ist Frater Michael Vitalis in seinem Element. Dort erweckt er den „Roten“, „Grünen“, „Braunen“ und „Gelben“, die Klassiker, zum Leben und experimentiert auch gerne mal herum. „Whiskey“, sagt er, „das wäre ein Stilbruch.“ Mit Gin könnte sich der Benediktinermönch eher anfreunden. Damit lässt er sich jetzt erst aber einmal Zeit, „bis ihn die Muse wieder küsst“. Die Idee für die Landesausstellung-Spezial-Kreation hat er schon im Kopf: Ein Waldhimbeer-Likör soll es werden. Die Früchte sind bestellt, jetzt müssen sie nur rechtzeitig bis nächstes Jahr kommen. „Sonst steh’ ich blöd da.“

Der Ordensmann bleibt gelassen. Lieber reißt er ein paar trockene Witze, ohne eine Miene zu verziehen. Zur Erheiterung seiner Gäste, die sich an diesem Tag in seinem Hoheitsgebiet die Klinke in die Hand geben. Die Klosterbetriebe haben so etwas wie einen Tag der offenen Tür für geladene Gäste organisiert, um die drei neuen Attraktionen – Sudhaus, Destillerie und Benediktiner G’wölb – zu präsentieren. Einige Interessierte sind gekommen.

Vorbereitungen für Landesausstellung laufen auf Hochtouren

Frater Vitalis empfängt die einzelnen Gruppen, erklärt seine Arbeit mit den zwei neuen Kesseln aus Edelstahl und der Kupferblase. Im Keller steht noch ein großer Mischbehälter mit einem Fassungsvermögen von 5000 Litern, früher waren es nur 3000. Moderne trifft in der Destillation auf Altbewährtes. Denn die Rezepte stammen wie beim „Gelben“ und „Grünen“ – so nennen Insider den Honig-Safran- und den 40-Kräuter-Likör – aus dem 16. Jahrhundert. Der Raum, „das Herzstück“, wie ihn Kloster-Sprecher Christian Loth bezeichnet, ist lichtdurchflutet – wegen des neuen großen Fensters. Von dort können zum Beispiel Kunden Einblicke erhalten. „Man sieht das Leben im Kloster“, sagt Loth. „Es ist nicht tot.“

Seit feststeht, dass die Landesausstellung 2018 in der Ammertaler Gemeinde stattfindet, geht es dort erst richtig rund. Die Vorbereitungen für das Großereignis laufen bereits auf Hochtouren. Die Investitionen in die drei neuen Angebote seien zwar Cellerar Pater Johannes Bauer zufolge nicht primär für die Landesausstellung getätigt worden, aber „wir können uns jetzt gut präsentieren“.

Tiefe Einblicke in die Kessel des umgebauten Sudhauses gewährt Braumeister Florian Huber.

Dazu trägt auch das Sudhaus seinen Teil bei. Die Besucher drücken sich die Treppe hoch, um die drei Edelstahl-Kessel – die Maischbottichpfanne, den Läuterbottich und die Whirlpoolpfanne – zu inspizieren. Dann geht das Licht an und die Riesentöpfe werden in rote Farbe getaucht. Passend zum „Ettaler“-Schriftzug auf dem Bieretikett, erklärt Florian Huber.

Sudhaus ist eines der ersten "MicroCubes" weltweit

Der Braumeister ist begeistert von seinem neuen Arbeitsplatz, auch wenn während der Bauphase eine gute Planung nötig war. Egal, angesichts der Vorteile wie der Energieeinsparung und der gesteigerten Flexibilität. Denn das Sudhaus ist eines der ersten sogenannten MicroCubes weltweit. Heißt: Huber kann einerseits große Mengen der Kernbiere – also Helles und Dunkles – und andererseits mehrere kleine Sude herstellen.

Derzeit sind fünf Sorten auf dem Markt. Wenig im Vergleich zu mittelständischen Betrieben mit 14. „Wir sind eine kleine Landbrauerei“, sagt Experte Huber. Aber dafür eine, die bei der Landesausstellung voraussichtlich viel Aufmerksamkeit bekommen wird. Wie Frater Vitalis will auch der Braumeister mit einem besonderem Erzeugnis auftrumpfen. Viele Ideen schwirren ihm schon im Kopf herum, verraten will er keine. „Da ist noch nichts konkret.“

Gemütliches Ambiente: Das neue, urige Benediktiner G’wölb bietet Platz für bis zu 180 Gäste. Bewirtet wird es vom Klosterhotel „Ludwig der Bayer“.

Während sich die Gäste anfangs noch in Grüppchen aufteilen, versammeln sich am Ende alle im Benediktiner G’wölb. 180 Menschen finden in der urigen Bräustüberl Platz, das in Kooperation mit der Benediktiner Weissbräu GmbH entstanden ist und vom Klosterhotel „Ludwig der Bayer“ betrieben wird. Es ist für Veranstaltungen wie Hochzeiten gedacht. An alte Zeiten erinnert dort nicht mehr viel außer das Gewölbe. „Alles ist neu“, sagt Loth. Inneneinrichtung, Anstrich, Theke, Licht. Ein Ort, der Gemütlichkeit ausstrahlt.

Für Pater Bauer haben sich die Investitionen gelohnt. „Wir haben nicht geschlafen, sondern etwas auf die Beine gestellt“, sagt er. Es sei optisch ein Werk entstanden, dass Lust auf Lebensfreude und Genuss macht. Da nicken die Gäste zustimmend – manche davon nippen schon am ersten Glas Bier – einem „Ettaler“ natürlich.

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