Die juristische Aufarbeitung vermeintlicher Missbrauchsfälle am Kloster Ettal (hier ist die Kloster- und Pfarrkirche zu sehen) ist noch nicht ganz abgeschlossen. Foto: dpa

Kloster Ettal: Verhandlung gegen Pater G. im Herbst?

Ettal - Ende 2010 wurde Klage gegen einen ehemaligen Pater im Kloster Ettal eingereicht. Ihm wird sexueller Missbrauch von Kindern vorgeworfen. Bis heute kam es zu keiner Verhandlung. Warum?

Sexueller Missbrauch an Kindern: Solche Taten verjähren nicht. Zumindest nicht in den Seelen der Kinder, wohl aber vor dem Gesetz. Die Staatsanwaltschaft München II hat ihre „Fälle abgearbeitet“, sagt ein Sprecher. Gegen keinen der Patres oder Erzieher, die im Kloster Ettal vor allem zwischen 1960 und 1990 ihre Schutzbefohlenen misshandelt und missbraucht haben sollen, wird mehr ermittelt. Es geht nur noch um Pater G.

2005 wurde bekannt: Der Präfekt im Internat soll Schüler an Armen, Oberkörper und Beinen berührt und am Kopf gestreichelt haben. Ein externes Gutachten, das das Kloister in Auftrag gegeben hatte, brachte keine Anhaltspunkte auf sexuellen Missbrauch. Die Staatsanwaltschaft kam aber zu einem anderen Schluss: Im Dezember 2010 reichte sie Klage gegen Pater G. ein. Seitdem liegt sie bei der Jugendkammer des Landgerichts München II und dessen Vorsitzendem Thomas Bott. Und noch immer ist nicht sicher, ob es zur Hauptverhandlung kommt. Im Herbst könnte eine Entscheidung fallen.

Zwar hat Margarete Nötzel, Pressesprecherin am Oberlandesgericht München, keine Antwort darauf, was zwischen Anklageerhebung Ende 2010 und Ende 2012 passiert ist. Dann aber wurde ein Gutachten in Auftrag gegeben. Es sollte auf Antrag von Pater G.s Verteidiger Dr. Rüdiger Deckers die Glaubwürdigkeit eines Hauptzeugen und damit vermeintlichen Opfers prüfen. Das Gutachten liegt nun vor. Rechtsanwalt Deckers jedoch hat „methodische Mängel eingewandt“, schreibt er in seiner Stellungnahme ans Tagblatt. Worin er diese erkennt, sagt er nicht.

Bereits nach der Anklageerhebung 2010 betonte der Jurist gegenüber den Medien: Er verteidige Pater G. mit dem Ziel, dessen Unschuld zu beweisen. Daran hat sich nichts geändert. „Es gilt nach wie vor, dass der Mandant die ihm durch die Staatsanwaltschaft München II gemachten Tatvorwürfe bestreitet“, schreibt Deckers. Der Geistliche habe auch nie eine Erklärung abgegeben, „die den strafprozessualen Kriterien eines Geständnisses entspricht“.

Damit nimmt der Düsseldorfer Rechtsanwalt Bezug auf einen Zeitungsbericht von September 2010, wonach sein Mandant sein Geständnis widerrufen habe. Zugleich revidierte damals der Hauptbelastungszeuge seine Aussage, er sei „hundertfach“ missbraucht worden. An der Haltung der Staatsanwaltschaft hat das nichts geändert: Zwei Monate später erhob sie Anklage. Den genauen Wortlaut nennt Nötzel nicht. Doch sie gibt eine Prognose ab: Voraussichtlich Mitte Oktober 2013 entscheide die Strafkammer über die Eröffnung des Verfahrens.

Bis dahin bleibt das Kloster Ettal bei seiner Haltung, die es bereits nach Bekanntwerden der Vorwürfe vertreten hat: Es äußert sich nicht zum laufenden Verfahren. Und: „Wir stehen weiterhin zu Pater G.“, betont Sprecher Michael Müller. (kat)

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