+

Rom jeden Tag ein Stückchen näher

Kohlgruber starten ungewöhnliche Pilgerreise - immer wie neu

Bad Kohlgrub - 2019 wollen sie in der Ewigen Stadt ankommen: Das ist das Ziel einer ganz besonderen Reisegruppe aus Bad Kohlgrub. 

Schon lange bevor dieses außergewöhnliche Projekt, in zeitlichen Etappen bis nach Rom zu gehen, 2013 in Angriff genommen wurde, reifte in Norbert Parucha die Idee „wieder einmal in einer Gruppe unterwegs sein zu wollen“. Da er Familie hat, konnte er wie Hape Kerkeling nicht einfach sagen: „Ich bin dann mal weg.“ Seine Frau Susanne und Tochter Magdalena sollten mit. Und da sich ein Kind allein schwer für so ein schweißtreibendes Vorhaben motivieren lässt, hat er Familien gesucht, die sich anschließen möchten. Der Bad Kohlgruber Parucha wurde in seinem Heimatort fündig: Sabine und Christian Vogt mit ihren Töchtern Olivia und Matilda sowie Birgit und Andreas Bernardi mit ihren Töchtern schlossen sich an. Als das Unternehmen „Ewige Stadt“ vor drei Jahren begann, waren die jüngsten Mädchen gerade mal sieben Jahre alt. Die Gruppe ging damals „nur“ von Bad Kohlgrub bis Seefeld, um auszutesten, wie das Ganze läuft. 2014 setzte man in einer Ferienwoche die Wanderung von Seefeld nach Brixen fort. Im vorigen Jahr waren die Pilger erstmals zwei Wochen unterwegs und kamen schließlich bis Padua. Die zurückgelegte Strecke betrug damals 250 Kilometer. 

Auch heuer waren die Bad Kohlgruber wieder 14 Tage zu Fuß unterwegs, ehe sie ihr Ziel Modigliana erreichten. „Es waren Tage dabei, an denen wir 700 Höhenmeter überwanden, an anderen wanderten wir immer zwischen 15 und 20 Kilometer“, erzählt Norbert Parucha. Er liebt das „unterwegs sein“ – und sieht so auch das Leben als Ganzes. Wenn er wandert, empfinde er eine große Freiheit: „Ich bin dann auf kein Auto, keinen Bus, keine Bahn oder sonst irgendeine Technik angewiesen. Das gibt mir für kurze Zeit das Gefühl, unabhängig zu sein. Ich kann darauf vertrauen, dass meine Füße gehen, und wenn ich achtsam bin, gehen sie auch ganz lange…“ Selbstverständlich gab es auch auf der jetzigen Etappe Momente, an denen man sich überwinden musste. Besonders für die Kinder gestaltet sich diese anspruchsvolle Tour manchmal recht schwierig. 

„Als wir vergangenes Jahr den ersten Tag in den Bergen vor uns hatten, gab’s ständig Gejammer“, erinnert sich der Organisator. Andererseits ist es für die wackeren Teilnehmer immer ein erhebendes Gefühl, wenn sie sich zu etwas überwunden haben und ihr Ziel erreichen. „Grundsätzlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Kinder mehr Energie und Kondition haben als wir Erwachsenen“, verdeutlicht Parucha. „Wenn wir abends nach dem Essen beisammen sitzen, rennen die Kinder noch rum – und sind im Gegensatz zu den Großen überhaupt nicht fertig.“ Er hat diesmal rund zwölf Kilogramm Reisegepäck in einem Rucksack mitgeschleppt. Neben einem Alpenvereins-Schlafsack aus Leinen hatte er nur zwei komplette Garnituren und „minimales Waschzeug“ eingepackt. Zwei Garnituren brauche man, um die Wäsche wechseln und sie auch mal reinigen zu können. Zudem schwört Parucha auf ein Stück Seife, das universell einsetzbar ist und auch zum Haare- und Wäschewaschen verwendet werden kann. Außerdem hatte der leidenschaftliche Wanderer noch eine gute Creme für die Füße sowie zwei bis drei Liter Wasser dabei. „Schließlich weiß man nie, wann man das nächste Mal etwas zu Trinken besorgen kann.“

So passierte es heuer einmal, dass die Wasservorräte zur Neige gingen. „Mit Hilfe einer Karte haben wir ein Restaurant ausfindig gemacht, aber das hatte Ruhetag.“ Nachdem die Bad Kohlgruber sich dort ein paar Minuten unschlüssig umgesehen haben, kam tatsächlich jemand raus und fragte, was sie brauchten. „Wir schilderten unser Problem, sie sperrten uns den Biergarten auf und füllten alle unsere Trinkflaschen.“ Diese sei nur eine von „vielen unvergesslichen, zwischenmenschlichen Begegnungen, die man auf so einer Pilgerreise macht“, schwärmt Parucha. Birgit Bernardi sieht das genauso. Die dreifache Mutter erinnert sich noch bildhaft an eine „wunderbare Frau“, die eine Pilgerherberge leitete und sich auch um die daneben liegende Kirche kümmerte: „Sie war sehr freundlich, hat mit uns das Gespräch in der Kirche gesucht und uns sogar Marienlieder vorgesungen, während es um uns rum herrlich nach frischen Blumen duftete.“ Birgit Bernardi genießt es, einerseits mit einer netten Gruppe unterwegs zu sein und andererseits während des Gehens stille Zwiesprache mit dem Herrgott zu halten.

Michaela Feldmann-Kirscher

Auch interessant

<center>Bayerisch VEGGIE - Köstliches mal ohne Fleisch</center>

Bayerisch VEGGIE - Köstliches mal ohne Fleisch

Bayerisch VEGGIE - Köstliches mal ohne Fleisch
<center>Süße Weihnachtsbäckerei</center>

Süße Weihnachtsbäckerei

Süße Weihnachtsbäckerei
<center>Münchner Häuberl Pralinen</center>

Münchner Häuberl Pralinen

Münchner Häuberl Pralinen
<center>Bayerische Hausberge</center>

Bayerische Hausberge

Bayerische Hausberge

Meistgelesene Artikel

Die Tiefbau-Liste: 1,3 Millionen Euro für die Verbesserung der Infrastruktur

Oberammergau - Straßen, Kanal und Wasserleitungen: Die Gemeinde Oberammergau investiert 2017 über 1,3 Millionen Euro in den Untergrund. 
Die Tiefbau-Liste: 1,3 Millionen Euro für die Verbesserung der Infrastruktur

Wer ist der neue Passions-Vermarkter?

Oberammergau – Was steckt hinter dem neuen Vermarkter AOVO? Vorstand Gerhard Griebler und Werkleiter Walter Rutz gehen auf gemeinsame USA-Reise
Wer ist der neue Passions-Vermarkter?

Glücksbringerin von Beruf

Ammertal - Ruß statt Rouge: Lena Würsch aus Unterammergau macht sich gerne dreckig. Die 16-Jährige hat einen für Frauen ganz untypischen Beruf ergriffen. Sie macht eine …
Glücksbringerin von Beruf

Schnelle Beute im Blick

Ammertal – Das Ehepaar aus Nordrhein-Westfalen war nur mal für zwei Stunden beim Essen. Als die Urlaubsgäste in ihr Ettaler Feriendomizil zurückkehrten, trauten sie …
Schnelle Beute im Blick

Kommentare