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Lebte lange Zeit in Oberammergau: Thomas Unruh, der wie 2015 auch heuer beim Kultursommer spielt. 

Diesmal gab es für ihn eine Premiere

Kultursommer: Thomas Unruh macht Musik zwischen den Zeilen

Oberammergau/Garmisch-Partenkirchen -  Er ist fester Bestandteil des Kultursommers: Seit 2005 wirkt Thomas Unruh (45) mit und sorgt für stimmungsvolle Töne. 

 Er fährt voll auf die Lieder von Michael Jackson ab. Nein. Nicht Thomas Unruh selbst. Sein sechsjähriger Sohn – ein großer King-of-Pop-Fan. Es ist mittlerweile so etwas wie ein Autoradio-Ritual. „Wenn ich nicht Michael Jackson aufdrehe, ist er verstimmt“, beschreibt Papa Unruh die Laune seines Sprösslings. Für ihn stellt es eine willkommene Abwechslung dar. Denn das, was er momentan zu Ohren bekommt, kennt er in- und auswendig. „Ich höre in letzter Zeit nur meine eigenen Stücke.“ Der 45-Jährige wirkt wieder beim Garmisch-Partenkirchner Kultursommer mit – als Komponist und Musiker.

Mehrmals in der Woche ist Unruhs Können gefragt, sowohl bei Angela Hundsdorfers Inszenierung von „Räuber Kneißl“ als auch bei Harald Helfrichs „Kindertragödie“. Doch die Arbeit fängt für ihn schon viel früher an. „Ich geh’ bereits im Winter mit den Regisseuren in Klausur“, schildert der gebürtige Düsseldorfer, der lange Zeit in Oberammergau lebte, das Prozedere. Dann beginnt er mit den ersten musikalischen Skizzen.

Sein Kopfkino springt in der Regel sofort an, wenn er die ersten Textfrequenzen verinnerlicht hat. Unruh ist Kultursommer-Experte. Schon seit 2005 gehört er zum Team, war bis auf ein paar Ausnahmen stets mit von der Partie. Doch diesmal gab es für ihn eine Premiere.

Bei der Legende des bayerischen Volkshelden Mathias Kneißl, die in der Bayernhalle aufgeführt wird, bekam er auf Anregung des Veranstalters Florian Zwipf-Zaharia einen Musikerkollegen an die Seite gestellt: Erwin Rehling. Eine Herausforderung. „Wir mussten erstmal austesten, ob es funktioniert.“ Ein Gespräch und eine Jam-Session später war klar: Diese Kombo passt. Die beiden wollen sogar nach dem Kultursommer ein weiteres Projekt starten.

Für das Kneißl-Stück hat das Duo „atmosphärisch-assoziative Musik“ kreiert. So beschreibt Unruh die Klänge, die das Geschehen auf der Bühne untermalen, die „Musik zwischen den Zeilen“. Zum Einsatz kommt zum Beispiel ein besonderes Instrument, ein Steinxylophon. Der 45-Jährige hat dessen Töne auf PC aufgenommen und verfremdet und so eigene Melodien generiert. Entstanden ist eine ganz eigene, teils schräge Harmonik.

Während bei dieser Inszenierung die Musik einen großen Platz einnimmt, steht sie bei der „Kinderträgodie“, die an der Olympia-Bobbahn am Rießersee unter freiem Himmel gespielt wird, nicht so im Fokus. Dennoch hat sich Unruh viele Gedanken gemacht, wie er den Inhalt des Werks von Karl Schönherr und die Musik perfekt verknüpft. Erst überlegte er, Naturgeräusche wie die von Wasser und Bäumen zu intonieren. Diese Idee hat der Komponist verworfen. „Die Kinder spinnen ihre eigene Geschichte, gelangen in eine Art Glasglocke“, sagt er. Deshalb verwendet Unruh Gläser, die er klopft oder schlägt. „Das gibt dann einen unheimlichen, verfremdeten Sound.“

Unruh ist ein Experte auf seinem Gebiet. Und trotzdem ist ihm heuer schon eine kleine Panne passiert. Er hat ein falsches Sample verwendet, verrät er. Zum Glück nur in der Probe. Damit Fehler nicht passieren, ist es bei den Aufführungen wichtig, die Darsteller im Auge zu behalten. Gerade beim „Räuber Kneißl“. „Wir spielen auf die Darsteller “, erklärt er den Ablauf. „Es ist fies, wenn das Stichwort fehlt“, sagt er und lacht. Denn Ausdrücke und Aktionen sind eine Art Codewort für seinen Einsatz. Deshalb kann er die Nervosität nie ganz ablegen. „Jeder Abend ist anders.“ Das macht aber auch den Reiz aus.

Eine Verschnaufpause nach dem Kultursommer gönnt sich Unruh nicht. Er hat Engagements in Stuttgart und Pforzheim. „Dieses Jahr ist bis zum Ende lustig.“ Sein Terminkalender – vollgepfropft.

Weitere Aufführungen

von „Räuber Kneißl“ finden am 8., 11., 16., 17. und 18. September um 19.30 Uhr in der Bayernhalle in Garmisch-Partenkirchen statt. Die „Kindertragödie“ wird am 9., 10.,14. und 15. September um 20 Uhr an der Olympia-Bobbahn am Rießersee gespielt. Karten gibt’s unter www.kultursommer-gapa.de, bei GAP-Ticket, beim Kreisbote und bei München-Ticket.

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